Eine fast vergessene Heldengeschichte

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WERBUNG: Das Buch das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Geschenk vom Autoren erhalten. Das bedeutet ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen um darüber zu schreiben.

Wir kennen so viele Geschichten von Menschen, denen es gelungen ist die Welt zu verändern. Diese Geschichten sind Heldengeschichten und jede Zeit hat ihre eigenen Helden.

  • König Leonidas ging als Held des Kampfes in dies Geschichte ein, weil er sich mit nur 300 Mann einem übermächtigen Gegner stellte um Sparta zu retten.
  • Jean D‘ Arc ging als Heldin in die Geschichte ein, weil die Bäuerin sich im zarten Alter von 17 in den Kopf gesetzt hatte, dass der Hundert Jährige Krieg nicht mit einem Sieg Englands über Frankreich enden sollte. Ihre Vision vom Sieg Frankreichs war so überzeugend, dass man dem Mädchen eine Rüstung anfertigte damit sie die Engländer besiegen konnte.
  • Martin Luther ging als Held in die Geschichte ein, weil er es wagte der Kirche die Stirn zu zeigen indem er 95 Thesen schrieb die dafür sorgten, dass sich die Kirche in eine katholische und evangelische Kirche spaltete.
  • Steve Jobs ging als Held der Technik in die Geschichte ein. Sein Streben nach einem einfachen Design und einer intuitiven Benutzerführung ist einer der Hauptgründe dafür, dass inzwischen sogar 3 Jährige Kinder in der Lage sind modernste Technik zu bedienen.
Superheld
Helden

Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und keine absichtliche Gewichtung. Es sind die ersten Helden, die mir spontan in den Kopf kamen und sie geben zu erkennen, dass hier eine europäische Historikerin mit einem Herz für Technik schreibt. Ich wette Deine Liste „nenne 4 Helden, die Dir spontan in den Sinn kommen und die die Welt verändert haben“ schaut anders aus. Würden wir einem Japaner diese Frage stellen wäre die Chance groß, dass keiner der hier grade genannten Helden in seiner Liste auftauchen würde. Denn Japans Geschichte wurde von anderen Helden erschaffen.

Welt

Doch eins können wir festhalten: Helden erschaffen Geschichten. Geschichten mit denen wir uns identifizieren. Geschichten, die unsere Identität und unser Welt formen. Doch es gibt Helden, deren Geschichten nie die Öffentlichkeit erreichten, oder deren Geschichten vergessen wurden. Einer solchen Geschichte bin ich in

Christoph Zulehner: Art of Fake. Die schönsten Fakergeschichten

begegnet und sie hat mich so sehr fasziniert, dass ich sie heute unbedingt mit Dir teilen möchte.

Kennst Du Ernest Hemingway?

Boot
Der alte Mann und das Meer

Ernest Hemingway gehört zu einem der bekanntesten Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Obwohl ich schon als Kind eine absolute Leseratte war, brauchte es meine Deutschlehrerin um mich mit diesem Nobelpreisträger der Literatur und seinem Werk „Der alte Mann und das Meer“ bekannt zu machen. Heute kann ich mich kaum mehr an den Inhalt des Buches erinnern. Das Einzige was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass mich dieses Buch nicht dazu motiviert hat andere Werke von Hemingway zu lesen.

Und sicherlich ist das auch der Grund dafür, dass mein Wissen über diesen Schriftsteller nahezu nicht vorhanden war. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass der Mann mit einer wahren Heldin veheirartet war.

Die Heldin an Hemingways Seite

Scheidung

Der Anzahl seiner Ehen nach war Hemingway kein Kind von traurigen Eltern. Sage und schreibe 4 Frauen schenkte er im Verlauf seines Lebens das Versprechen mit ihnen so lange zu leben, bis dass der Tot sie scheide. Doch wer ein echter Schriftsteller ist, schreibt seine Geschichten selbst und so war es Hemingway, der die meisten seiner Ehen durch eine Scheidung beendete. Unter all seinen Frauen gab es nur eine einzige, die sich von dem großen Schriftsteller scheiden ließ und die Geschichte die zu dieser Scheidung führte ist eine wahre Heldengeschichte.

Wenn Dein Mann Deiner Karriere im Wege steht

Martha Gellhorn lautet der Name unserer heutigen Heldin. Martha war nicht nur die Ehefrau eines berühmten Schriftstellers, sie selbst war berühmte Kriegsberichterstatterin. Für ihre Storys war ihr keine Gefahr zu groß und dass soll etwas bedeuten, denn Martha lebte in einer Zeit, die dank ihrer zwei Weltkriege wohl nie wieder vergessen wird. Als Martha hörte, dass die Alliierten die Entsendung einer Kriegsflotte in die Normandie planten um den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen wollte sie unbedingt dabei sein.

Schlechte Nachrichten
Schlechte Nachrichten

Da sie bereits zu diesem Zeitpunkt sehr berühmt war und für eine Zeitung arbeitete, die über dieses Event berichten wollte, rechnete Martha fest damit, dass sie den Job bekommen würde. Doch sie hatte ihre Rechnung ohne ihren Ehemann gemacht. Der berühmte Schriftsteller hatte sich ebenfalls in den Kopf gesetzt über dieses Ereignis zu schreiben und wollte daher live dem Event beiwohnen. Damals gab es zahlreiche Zeitungen, die den Wunsch des Schriftstellers nach einer Akkreditierung für diese Reise von Herzen gern erfüllt hätten. Doch der Hemingway entschied sich dafür ausgerechnet jene Zeitung zu fragen, für die auch seine Frau arbeitete. Vor die Wahl gestellt den Bericht von Martha oder Ernest zu bekommen, entschied sich die Zeitung für Ernest.

Niemand stoppt Martha Gellhorn

Natürlich hätte Martha ihrem Mann nun eine Szene machen können, doch was hätte ihr das gebracht? Die Story war verloren und Martha hatte keine Chance ihren Mann oder die Zeitung davon zu überzeugen ihr die Story zurück zu geben.

Also nahm Martha ihr Schicksal selbst in die Hand und ging mitten in der Nacht zu den Docks in denen die Kriegsflotte sich grade bereit machte ihre gefährliche Reise anzutreten. 5.000 Kriegsschiffe und 160.000 Soldaten bereiteten in dieser Nacht das Event vor, dass als D-Day, dem Tag an dem die Nazis besiegt wurden, in die Geschichte eingehen sollte.

Interview einer Krankenschwester

Schon vor diesem Tag war es Martha einige Male gelungen Kriegshandlungen auch ohne Akkreditierung zu begleiten um später über diese schreiben zu können. Dieses Kunststück wollte sie auch in dieser Nacht wiederholen. Doch während sie noch dabei war sich einen Plan zu überlegen, wollten zwei Soldaten, die sich ihr in den Weg stellten einen Strich durch die Rechnung machen. Denn in dieser Nacht hatten Zivilisten ohne Erlaubnis an den Docks nichts verloren. Getreu nach dem Motto „brave Frauen kommen in den Himmel, freche überall hin“ behauptete unsere Kriegsberichterstatterin, dass sie grade auf dem Weg sei ein paar Krankenschwestern auf dem großen Schiff da hinten zu interviewen. Zu ihrem Glück schluckten die beiden Soldaten die Geschichte und ließen Martha passieren.

Helfen

Nun stand unsere Reporterin vor der nächsten Herausforderung: Sie war nun an Board eines Schiffes, dass sich nach der Landung in der Normandie um die Verletzten kümmern würde und auf dem es kein Platz für eine Reporterin gab, die nur zuschauen wollte. Also versteckte sich Martha an Board und wieder hatte sie Glück, denn niemand entdeckte sie in ihrem Versteck. In der Normandie angekommen verließ Martha ihr Versteck und erblickte das pure Grauen. Der Krieg war im vollen Gange auf dem Wasser sah sie Tote und Verletzte. Auf dem Schiff herrschte rege Betriebsamkeit und intuitiv wechselte Martha ihre Rolle. Aus der Kriegsreporterin wurde in diesem Moment eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, die alles dafür tat an diesem Tag so viele Leben wie nur möglich zu retten.

Am Ende der Geschichte stand Marthas Kriegsbericht über den D-Day (leider habe ich ihn bei einer kurzen Recherche im Internet nicht gefunden) der laut unserem Autoren aus den Berichten jener Journalisten herausstach, die wie ihr Mann den D-Day auf dem relativ sicheren Presseschiff verbracht hatten.

Die Heldin der Kriegsberichterstattung

Am Ende ihrer Karriere hatte Martha 58 Jahre über den Krieg berichtet. Ihre Art über den Krieg zu berichten revolutionierte das Genre. Sie schrieb nicht über Truppenbewegungen, sondern über die Schicksale der Menschen im Krieg. Sie gab dem Krieg ein Gesicht und entriss ihn so der Anonymität.

Martha war überzeugte Pazifistin und sie wollte mit ihren Geschichten der Welt zeigen, dass Krieg kein sauberes strategisches Schachspiel mit einem Gewinner und einem Verlierer ist. Sie wollte der Welt die Wahrheit über den Krieg zeigen. Die Wahrheit, die da lautete, dass ein Krieg viel mehr Verlierer hat als nur einen. Die Wahrheit, dass der Krieg kein Spaziergang ist, sondern blutig und voller Leid und angsteinflößend. Der Krieg mag Helden hervorbringen, doch auf einen Helden kommen unzählige Tote und Verwundete und diese sollten wir nie vergessen, denn diese Menschen sind nicht nur Soldaten, sie sind auch Väter und Söhne und ihr Tod hinterlässt Waisen und Witwen.

Fazit

Marthas Geschichte berührt mich unglaublich und ich kann es nicht fassen, dass ich in der Schule ein Buch von ihrem Ehemann gelesen habe, aber im Geschichtsunterricht und sogar in meinem Geschichtsstudium dieser Geschichte nie begegnet bin. Um es ganz klar zu sagen: Martha ist in meinen Augen heldenhafter als eine Jean D‘Arc, die bereits im zarten Alter von 19 ihr Leben ließ und nur einen (wenn auch sehr langen) Krieg beenden konnte. Ich bin unserm heutigen Autor sehr dankbar dafür, dass er Marthas Geschichte erzählt hat und mir sein Buch geschickt hat und so dafür gesorgt hat, dass auch Du heute von Martha erfahren hast.

Ich hoffe dank diesem Post und Christophers Buch gewinnt Marthas Geschichte wieder mehr Beachtung. Marthas Geschichte ist eine mächtige Geschichte, denn sie kann Menschen inspirieren und daher sollte sie nicht einfach in Vergessenheit geraten.

Wer ist Dein Held?

Martha hat es in die Liste meiner Helden und Vorbilder geschafft und nun bin ich neugierig: Wer sind Deine Helden und Vorbilder?