Weißt Du, was Aporien sind?
Heute geht es um einen Begriff, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Der Autor von

Joachim Scholtyseck: Reinhard Mohn. Ein Jahrhundertunternehmer
erwähnt unseren heutigen Begriff in Bezug auf die Selbstbeschreibungen des Unternehmers Reinhard Mohn. Unter der Führung von Reinhard entwickelte sich der mittelständische Verlag Bertelsmann zu einem Großkonzern. Dieses Wachstum war möglich, weil der Unternehmer die Strukturen und Prozesse in seiner Firma immer weiter entwickelte, indem er laut Joachim unter anderem Führungstechniken aus amerikanischen Unternehmen übernahm und diese an die Bedürfnisse seiner Organisation und seinen Idealvorstellungen von Arbeit anpasste.
Unser Autor gibt in seinem Buch die Essenz der Idealvorstellung, die Reinhard von Arbeit hatte, in einem Satz wieder. Diesem Satz folgt ein Satz, der unseren heutigen Begriff enthält:
„Arbeit sei nicht nur etwas Lästiges, es gebe sogar einen Anspruch auf Arbeit und das Recht, mit Freunden zu arbeiten. Gewisse Aporien, Widersprüche und Eigenlogiken113 gehörten zu diesen Selbstbeschreibungen und -stilisierungen zweifellos dazu.“ S. 65.
Da ich nicht weiß, was Aporien sind, habe ich Schwierigkeiten das Zitat unseres Autors zu verstehen. Daher greife ich nun wie immer zum Lexikon und hoffe, dass dieses uns die Bedeutung unseres heutigen Begriffes verraten kann.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon hält zwei passende Beiträge für uns bereit und verrät uns, dass unser heutiger Begriff zwei Bedeutungen hat.
Aporie [grch. »Weglosigkeit«] die, Philosophie: Unlösbarkeit eines log. Problems wegen immanenten Widerspruchs. Aporem, Satz, der eine A. enthält.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 01, S. 305.
Apo|rie, die: -n [spätlat. aporia < griech. aporía – Ratlosigkeit): a) (Philos.) Unmöglichkeit, eine philosophische Frage zu lösen, da Widersprüche vorhanden sind, die in der Sache selbst od. in den zu ihrer Klärung gebrauchten Begriffen liegen; b) (bildungsspr.) Unmöglichkeit, in einer bestimmten Situation die richtige Entscheidung zu treffen; Ausweglosigkeit.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 169.
Was uns unser Autor sagen möchte

Da weder Joachim noch Reinhard Philosophen sind, vermute ich, dass der Historiker Joachim unseren heutigen Begriff im bildungssprachlichen Sinne verwendet. Das Unternehmer häufiger in Situationen geraten, in denen sie keine richtige Entscheidung treffen können, ist mir bekannt. Wichtig ist in solchen Situationen lediglich, dass sie eine Entscheidung treffen. Wenn diese sich als falsch herausstellt, müssen Unternehmer mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung leben.
Nachdem ich nun weiß, was Aporien sind, vermute ich, dass unser Autor damit nicht Reinhards Idealvorstellungen von Arbeit meint. Ich vermute unser Autor wirft den Begriff in den Raum, um deutlich zu machen, das Reinhard ein Unternehmer war, der trotz klarer Selbstbeschreibungen und -stilisierungen immer mal wieder in Situationen geriet, in denen sich keine richtigen Entscheidungen im Sinne seiner Selbstbeschreibung treffen ließen. Es wird also auch in seinem Unternehmen Momente gegeben haben, in denen Mitarbeitende keine Freude an ihrer Arbeit hatten.
Fazit
Dank unserem Lexikon kennen wir nun die zwei unterschiedlichen Bedeutungen unseres Begriffes:
- Eine Aporie in der Philosophie ist ein unlösbares Problem.
- Eine Aporie im bildungssprachlichen Sinne ist die Unmöglichkeit in einer bestimmten Situation die richtige Entscheidung treffen zu können.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Hast Du schon Situationen erlebt, in denen Du nicht die „richtige“ Entscheidung treffen konntest? Wie bist Du mit diesen Situationen umgegangen?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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