Weißt Du, was die Millersche Zahl ist?

Ich weiß nicht, wie oft ich Menschen erzählt habe, dass eine Menüebene auf einer Webseite nicht mehr als sieben Punkte haben sollte, weil das Kurzzeitgedächtnis des Menschen limitiert ist. Die meisten Menschen können sich noch an den ersten Menüpunkt erinnern, wenn sie den siebenten Menüpunkt lesen. Die wenigstens wissen beim Lesen des 20. Menüpunktes noch wie der zehnte lautetet.

2 Gehirne lächeln sich an.
Also ich kann mir 5 Dinge auf einmal merken und Du?

Dank der Autorin

Simone Gerwers: Mutausbruch: Das Ende der Angstkultur

weiß ich nun endlich, dass ich jahrelang von der Millerschen Zahl gesprochen habe. Simone schreibt:

„Im Kurzzeitgedächtnis können wir gleichzeitig nur sieben plus/minus IE oder Chunks, aufgenommen über unsere Sinneskanäle, präsent halten. Bekannt wurde dieser Fakt zur Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns auch als Millersche Zahl.“

S. 126.

Zu meiner großen Freude ist die Aussage sogar mit einer Fußnote versehen, die uns verrät, wo Simone die Information gefunden hat:

George A. Miller: The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information, in: The Psychological Review, Nr. 63, 1956, S. 81-97.

Dank Simone habe ich nun nach über einem Jahrzehnt endlich die Möglichkeit, herauszufinden, wer der Mensch war, der die Magische Sieben entdeckt hat und zu erfahren, wie er sie entdeckt hat.

Wer war George A. Miller?

George Armitage Miller wurde 1920 geboren und verstarb 2012. Er war ein amerikanischer Psychologe, der in Harvard unterrichtete und forschte. George war 1960 zusammen mit Jerome S. Bruner der Mitbegründer des Harvard Center for Cognitive Studies. Zudem half er 1986, das Princeton Cognitive Science Laboratory zu etablieren.

Wie hat George die Millersche Zahl entdeckt?

Ein aufgeschlagenes Buch. Im Buch ist Wasser. Im Wasser tauchen 2 Menschen.
Lass uns doch mal schauen was im Originaltext so steht.

Weil ich mich in meinem Leben so oft auf die Millersche Zahl berufen habe, habe ich den englischen Text von George, den Simone als Quelle angibt, in Gänze gelesen und möchte hier das wiedergeben, was ich mir gemerkt habe.

Georges wollte wissen, wie viele Informationen Personen wiedergeben können. Also hat er sich die Forschungsergebnisse einiger Personen in der Forschung angeschaut. Hierbei hat er festgestellt, dass manche Menschen problemlos 5 Informationen fehlerfrei wiedergeben können und ab 6 Informationen Probleme bekommen. Andere wiederum können 9 Informationen korrekt wiedergeben. Die Mehrheit der Testpersonen war in der Lage, 7 Informationen fehlerfrei wiederzugeben.

In einem Versuchsaufbau mussten die Menschen Töne identifizieren. Bei drei Tönen machte kein Mensch Fehler. Bei 4 Tönen begannen die ersten Menschen, Fehler zu machen, bei 14 Tönen wurden viele Fehler gemacht. In einem anderen Versuchsaufbau sollten Menschen die Salzmengen im Wasser wiedererkennen€. Hier schnitten sie etwas schlechter ab als beim Ton-Versuchsaufbau. Bei Versuchsaufbauten mit visuellen Informationen performten die Menschen besser als bei Tönen und Geschmäckern. Beim Wiedererkennen von Mustern aus Punkten machten Versuchspersonen bei Bildern, die aus 5 bis 6 Punkten bestanden keine Fehler.

Die Speicherkapazitäten des Kurzzeitgedächtnisses erhöhen sich, wenn zwei Informationseinheiten, also zum Beispiel salziges und süßes Wasser, identifiziert werden sollen. Aber die Kapazität verdoppelt sich nicht.

George fragt sich, warum das Kurzzeitgedächtnis nur so wenige Informationen verarbeitet und kommt zu dem Schluss, dass man argumentieren könnte, dass im Laufe der Evolution diejenigen Organismen am erfolgreichsten waren, die auf das breiteste Spektrum an Reizenergien in ihrer Umgebung reagierten. Um in einer sich ständig verändernden Welt zu überleben, war es besser, ein wenig über viele Dinge zu wissen, als viel über einen kleinen Teil der Umwelt.

Gegen Ende seines Artikels legt sich George darauf fest, dass das Kurzzeitgedächtnis sich sieben Dinge merken kann. Er schreibt (mit Hilfe von Deepl übersetzt):

„Lassen Sie mich die Situation wie folgt zusammenfassen: Es gibt eine klare und eindeutige Grenze für die Genauigkeit, mit der wir die Größe einer eindimensionalen Reizvariable absolut bestimmen können. Ich würde vorschlagen, diese Grenze als Spannweite des absoluten Urteils zu bezeichnen, und ich behaupte, dass diese Spannweite bei eindimensionalen Urteilen in der Regel bei etwa sieben liegt.“

Fazit

Nach so vielen Jahren, freue ich mich endlich die Quelle der Magischen Sieben des Kurzzeitgedächtnisses zu kennen. Da ich Georges Text nun gelesen habe, bin ich mir endlich sicher, dass das, was ich gesagt habe, auch stimmt, und ich weiß endlich, wie die Zahl gefunden wurde.

An dieser Stelle bin ich neugierig: Findest Du Dich in den Ergebnissen von George wieder? Speichert Dein Kurzzeitgedächtnis eher 5 Dinge wie meins, oder kannst Du Dir wie die Mehrheit der Menschen 7 Dinge problemlos merken, oder gehörst Du gar zu den Menschen, deren Speicherleistung bei 9 liegt?

4. Mai 2026
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Buchcover Simone Gerwers: Mutausbruch: Das Ende der Angstkultur
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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4. Mai 2026
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