Weißt Du, was ein Antidot ist?
Unser heutiger Begriff ist mir noch nie zuvor begegnet. Er taucht in dem Buch von

Joachim Bauer: Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt
auf. Dem Autor scheint bewusst zu sein, dass der Begriff nicht jeder Person, die das Buch liest, etwas sagt, daher ergänzt er ihn um ein Wort, das besser verständlich ist.
„Religionen sind Garantiesysteme für eine bestimmte Ordnung des Zusammenlebens, sie sind als Antidot bzw. Gegengift gegen die durch den zivilisatorischen Prozess erzeugte soziale Desintegration, insbesondere gegen das durch diesen Prozess erzeugte Gewaltpotential.“
S. 177.
Bevor wir unser Lexikon um sein Wissen zu unserem heutigen Begriff befragen, möchte ich noch schnell auf das Gewaltpotenzial eingehen, das Joachim in seinem Zitat erwähnt. Dieses entsteht, weil die Gruppenzugehörigkeit in einer „zivilisierten“ Gemeinschaft aufgrund ihrer schieren Größe schwächer wird. Der persönliche Kontakt geht immer stärker verloren.
Das bedeutet, es gibt mit steigender Größe einer Gruppe immer mehr Situationen, in denen Anerkennung und Wertschätzung nicht erfolgen und sich das Individuum dadurch ausgeschlossen oder zurückgewiesen fühlt. Für ein soziales Tier wie den Menschen ist es problematisch, nicht zur Gruppe zu gehören, und daher kann es sein, dass dieser gefühlte Ausschluss in Angst mündet, die an irgendeiner Stelle in Gewalt umschlägt.
Nachdem wir nun wissen, worum es in Joachims Zitat geht, greifen wir nun endlich zum Lexikon.

Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt den Begriff.
Antidot [grch.-lat.] das, Gegenmittel bei Vergiftungen.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 01, S. 284.
Ein Antidot ist also ein Gegenmittel und damit eine Alternative zum Gegengift, dass Joachim ebenfalls in seinem Satz erwähnt. Was ich mich nun frage, ist, ob hinter dem Begriff nicht doch etwas mehr steckt, als uns unser Lexikon verrät. Lass uns doch einmal schauen, was das Internet uns verraten kann.
Was das Internet sagt
Wikipedia verrät uns die Übersetzung der beiden griechischen Worte, aus denen sich der Begriff Antidot zusammensetzt:
- αντί antí – gegen
- δίδωμι dídōmi – geben
Altmeyers Enzyklopädie hält eine Liste mit verschiedenen Antidot bereit.
Viel mehr Neues vermag uns das Internet über unseren heutigen Begriff nicht verraten. Es ist ein Fachbegriff aus der Medizin, der zum festen Wortschatz des Prof. Dr. med. Joachim Bauer, der den Satz geschrieben hat, gehört.
Fazit
Wir wissen nun, was ein Antidot ist. Es ist einer der vielen Begriffe, die in der Medizin existieren und Patienten das Leben schwer machen, weil Personen, die in der Medizin arbeiten, im Zuge ihrer Ausbildung ein Vokabular lernen, das darauf abzielt, dass sie sich schnell und präzise untereinander verständigen können. Das dabei die Verständigung mit dem Patienten auf der Strecke bleiben kann hat in den Zeiten, als dieses Vokabular entstand, keine große Rolle gespielt.
Unser heutiges Zitat zeigt, dass es in der Medizin Menschen gibt, die sich dieser Kommunikationshürde nicht nur bewusst sind, sondern auch wissen, wie diese Hürde elegant zu umschiffen ist. Joachim verwendet in seinem Satz bewusst zwei Begriffe, um für zwei unterschiedliche Gruppen lesbar zu sein. Mit dieser Art der Kommunikation ist Joachim ein Vorbild für mich. Wir leben in einer Wissenswelt, und es ist unsere Aufgabe, bewusst darauf zu achten, dass das Wissen fließen kann und nicht von Kommunikationsbarrieren wie medizinischen Fachbegriffen in seinem Fluss begrenzt wird.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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Das Gewaltpotential ist in unserer Welt riesig. Die Gewalt heißt in der griechischen Mythologie Bia -> https://www.mythologie-antike.com/t71-bia-gottin-der-gewalt