Weißt Du, was ein Portepee sind?
Heute geht es um einen Begriff, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Die Autorin

Alma M. Karlin: Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden,
die von 1889 bis 1950 lebte, verwendet ihn in einem Satz, in dem sie beschreibt, wie sie als Kind ihren im Wohnzimmer aufgebahrten toten Vater sah. Sie schreibt
„Ich schaute betroffen in ein stilles, wächsernes Gesicht, dem der Abglanz eines Lächelns etwas unendlich Ruhetiefes verlieh; sah wächserne, verschlungene Finger über einer blauen Uniform und auf einem Kissen daneben Orden, Säbel, Portepee …“
S. 30.
Ich hoffe, unser Lexikon kennt unseren heutigen Begriff und kann meine Wissenslücke erfolgreich schließen.
Was das Lexikon sagt
Ja, unser Lexikon kennt den Begriff und weist mein Gehirn in seine Schranken.
Portepee (frz. »Degenträger«] das, silberbestickter Lederriemen mit versilberter Quaste, entstand aus dem Faustriemen am Griff von Degen oder Säbel; war wichtigstes Erkennungszeichen für Offiziere vor Einführung der Dienstgradabzeichen in der 2. Hälfte des 18. Jh.; wurde in Dtl. bis 1945 an der Seitenwaffe der Offiziere und Feldwebel (Wachtmeister) getragen; für die Bundeswehr ↑Unteroffizier.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 11, S. 468.
Por|te|pee [porte‘pe:], das; -s, -s [fr. porte-épée = Degengehenk, 2. Bestandteil frz. épée < afrs. spede < lat. spatha = Schwert] (früher) versilberte od. vergoldete Quaste am Degen od. Säbel als Abzeichen des Offiziers u. höheren Unteroffiziers: Unteroffizier mit P. (Portepeeunteroffizier).
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1782.
Da ich mich mit militärischen Themen so gar nicht auskenne, kann ich mir nicht in Erinnerung rufen, ob ich jemals ein Portepee gesehen habe. Daher schauen wir nun noch schnell, ob das Internet uns ein Portepee zeigen kann. Genial wäre es, wenn wir eines finden würden, dass aus Österreich-Ungarn stammt, da ich vermute, dass Almas Vater ein solches bei sich liegen hatte.
Was das Internet sagt
Wir haben Glück, in diesem YouTube Video erklärt ein österreichischer Hauptmann einen Säbel, der nach der Tradition des Königreiches Österreich-Ungarn gefertigt wurde. Am Griff befindet sich ein golden farbiges Portepee. Das Portepee erinnert mich an die Teile, mit denen Vorhänge in alten Häusern zusammengebunden werden. Es besteht aus einem Band, dass als Schlaufe gelegt in eine Bommel aus Fäden geführt wird. Die Bommel ist nicht rund, wie bei einer Mütze, sondern trägt längere Fäden, die herunterhängen. Die Fäden sind allerdings deutlich kürzer als jene an einem Doktorhut. Dafür ist die Bommel viel größer.
Was ich spannend finde, sind die Erklärungen, warum der Säbel an der linken Seite getragen wird und warum er beim Herausziehen kurz zum Herzen geführt wird.
Der Säbel wird an der linken Seite getragen, weil die Dame rechts geht. Ähm, ja, cool, also wäre jetzt nicht so meins. Wenn jemand mit einem Säbel rumrennt, würde ich mich definitiv nicht unterhaken wollen, egal auf welcher Seite. Von Menschen, die bewaffnet sind, halte ich generell Abstand, denn Waffen dienen dem Kampf, nicht dem Miteinander.
Der Säbel wird bei Gruß zum Herzen geführt, um zu zeigen, dass der Gruß vom Herzen kommt. Beim Gruß wird ernst geschaut, und der Gruß wird herausgebrüllt und lässt keinerlei Freundlichkeit erahnen. Daher wäre ich nicht darauf gekommen, dass das zum Herzen führen etwa mit Herzlichkeit zu tun hat. Ich hätte ja eher vermutet, dass es anzeigt, wohin der Säbelziehende seinen Säbel seinem gegenüber gern rammen würde. Aber ja, das zeigt mal wieder, dass ich mit Militär so gar nichts am Hut habe.
Fazit
Wir wissen nun, was ein Portepee ist und wie es ausschaut. Wichtig wäre mir hierbei noch zu erwähnen, dass Portepees unterschiedlich aussehen können und auch unterschiedlich gebunden werden. Da wir im ersten Anlauf das Portepee gefunden haben, das Alma bei ihrem Vater gesehen hat, habe ich diese Punkte heute nicht näher beleuchtet.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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