Weißt Du, was eine Almosenfrau ist?
Heute geht es um einen Begriff, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Dank der Autorin von

weiß ich, dass Anna Magdalena Bach eine Almosenfrau war. Sie schreibt:
„Als Johann Sebastian Bach am 28. Juli 1750 stirbt, hinterlässt er seiner Frau kaum finanzielle Rücklagen und kein Testament. […] Ob und inwiefern verarmt sie schließlich neun Jahre später im Alter von 58 Jahren stirbt, ist Teil der Spekulationen. Immerhin erhält sie als „Almosenfrau“ eine regelmäßige Witwenrente der Stadt Leipzig und Unterstützung der Universität Leipzig.“
S. 22f.
Ist Almosenfrau eine veraltete Bezeichnung für eine Witwe, die eine Witwenrente bezieht? Ich bin gespannt, ob unser Lexikon diese Frage beantworten kann.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt die Almosenfrau nicht. Stattdessen verrät es uns die Herkunft des Begriffes Almosen:
Almosen [grch. »Mitleid«] das, Gabe zur Unterstützung der sozial Schwachen und der freiwilligen Armen (z.B. der Bettelmönche); in vielen Religionen eth. Gebot; im MA. Und im 16./17. Jh. Hauptquelle der (städt.) Versorgung der in Armut Lebenden. In kirchl. Einrichtungen verwaltete der Almosenier die A., in Gemeinden gab es A.-Kassen mit A.-Vorstehern, -Vögten (Armenvögten) und -Pflegern.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 01,S.191f.
Der Begriff kommt also von Mitleid und es war eine Form der Unterstützung. Wie genau Menschen diese erhielten verrät uns unser Lexikon nicht.
Was das Internet sagt

Spannenderweise finde ich auch im Internet keine Definition für den Begriff Almosenfrau. Das Internet kennt den Begriff, erwähnt ihn aber fast immer nur in Bezug auf Anna Magdalena Bach.
Ich bin sehr überrascht, dass das Internet zum Thema Almosen ziemlich wenige Informationen bereithält. Zahlreiche Seiten, die sich mit dem Thema beschäftigen sind so alt, dass sie keine Sicherheitszertifikate mehr haben. Selbst die Webseite der Bundeszentrale für Politische Bildung beschäftigt sich nur am Rande mit dem Thema und kennt Almosen nur in Bezug auf den Islam.
Dem Internet reicht es heute offenbar nicht mir kaum Informationen zu liefern. Es hat auch noch Freude daran die paar Informationen, die unsere Autorin uns schenkt in Frage zu stellen. So bezweifelt die Internetseite anna-magdalena-bach.com, dass die Witwe des Musikers arm war:
„Der Umstand, daß Anna Magdalena von der Stadt Almosen erhielt, bedeutet nicht zwingend, daß sie bedürftig war, wie Szeskus, Yearsley und andere vermutet haben. […] Der Rat der Stadt Leipzig wies zwar auf Anna Magdalenas „Dürfftigkeit“ hin, doch auch dies war ein Begriff, mit dem man gewöhnlich Witwen bezeichnete – nicht unbedingt, weil sie arm waren, sondern wegen des Schmerzes, der gewöhnlich mit dem Verlust des Ehemannes einhergeht (S. 217–219).“
Fazit
Wir haben heute nicht erfahren, was genau eine Almosenfrau war. Wenn es nach dem Internet geht, scheint Anna die einzige Almosenfrau gewesen zu sein, die es je gegeben hat. Dem ist wahrscheinlich nicht so, doch offenbar ist Anna die einzige Almosenfrau, mit der sich die Forschung bis jetzt beschäftigt hat. Vielleicht war es aber tatsächlich ungewöhnlich, dass Frauen Almosen erhielten. Vielleicht war es wahrscheinlicher, dass sie
- vor ihrem Ehemann bei einer Geburt starben,
- erneut heirateten,
- von ihren Familien wieder aufgenommen wurden.
All das sind nur Spekulationen. Doch eins scheint das Thema Almosenfrauen sehr deutlich vor Augen zu führen: Die Geschichten von Frauen wurden in der Vergangenheit zu oft vergessen. Ich bin gespannt, ob wir das in Zukunft besser handhaben werden.
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