Weißt Du was Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist?

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Die Luft brennt

Kennst Du das: Du stellst einem Familienmitglied oder einem Freund eine ganz einfache Frage und plötzlich brennt die Luft. Von einem Moment auf den anderen liegt Spannung in der Luft und Du weißt genau ab jetzt zählt jedes Wort. Du willst nicht, dass die Situation eskaliert, doch mit jedem Wort was Du sagst steigt die Spannung und am Ende bricht genau der Streit aus, den Du gerade noch verhindern wolltest.

Wenn Dir diese Situation irgendwie bekannt vorkommt, ist dieser Beitrag für Dich, denn heute geht es um das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation, dass uns dabei hilft solche Situationen in den Griff zu bekommen. Eigentlich ist dieses Konzept sehr umfangreich und nicht sehr leicht zu verstehen, doch zum Glück hat

Christopher A. Weidner: Wabi Sabi – Nicht perfekt und trotzdem glücklich! Der asiatische Weg zu mehr Gelassenheit

die wesentlichen 5 Punkte der Gewaltfreien Kommunikation so leicht verständlich formuliert, dass ich diese heute mit Dir teilen kann. Los geht’s.

Wer hat‘s erfunden?

wissen
Rassentrennung an öffentlichen Schulen

Nein, es waren nicht die Schweizer, obwohl das Konzept gut zu einem Land passt, dass in der Welt den Ruf hat ein Meister der Neutralität zu sein. Der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation ist Marshall Rosenberg, ein amerikanischer Psychologe, der einen Teil seines Lebens der Überwindung der Rassentrennung an öffentlichen Schulen widmete.

Was ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK)?

Lass mich in Ruhe, ich habe recht…

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Methode, die uns dabei helfen soll zu verhindern, dass ein Streitgespräch mit den Worten „Ich habe recht.“, „Nein, ich habe recht.“ endet. Wahrscheinlich wird diese Beschreibung diesem Konzept nicht gerecht, doch ich vermute eine ausführliche Beschreibung des Konzeptes würde den Rahmen des heutigen Blogbeitrages sprengen. Lass uns aus diesem Grund gleich zu den 5 wesentlichen Punkten der Gewaltfreien Kommunikation kommen.

Punkt 1: Sammle keine Rabattmarken

Rabattmarke

Menschen mögen keine Konflikte. Aus diesem Grund gehen wir Konflikten wo es nur geht aus dem Weg. Wenn abends alle vom Tisch aufstehen und das Geschirr stehen lassen, räumt es am Ende meist eine Person auf und denkt sich dabei „heute lass ich euch das durchgehen, aber morgen seid ihr dran“. In diesem Moment wurde eine Rabattmarke gesammelt, die darauf wartet am nächsten Tag mit den Worten: „Gestern habe ich den Tisch abgeräumt, heute seid ihr dran, ich habe etwas Besseres vor.“ eingelöst zu werden. Nicht selten ist dies der Auftakt eines Grabenkampfes, der sich über Tage, Wochen oder Monate hinziehen kann.

Um diesen Grabenkampf zu verhindern, sollten wir das Thema des Tisch Abräumens sofort ansprechen. Das wie dieses Ansprechens führt uns zu Punkt 2 der Gewaltfreien Kommunikation.

Punkt 2: Keine Verallgemeinerungen

1984 habe ich den Tisch abgeräumt.

„Nie räumt hier einer den Tisch ab.“ ist der Satz, der die Gemüter zum Kochen bringt. Eigentlich wollen wir nur dafür sorgen, dass jeder sein Geschirr wegräumt, doch mit diesem Satz kommunizieren wir etwas ganz anderes: Einen Vorwurf. Unser Gegenüber nimmt den Vorwurf wahr und geht sofort in die Verteidigungshaltung, und pariert unseren Angriff mit Worten wie „Das stimmt gar nicht. Als ich 1984 für Dich gekocht habe, habe ich danach alles allein abgeräumt.“ Und plötzlich befinden wir uns in der Vergangenheit, zählen uns unsere Rabattmarken vor und kommen unserem Ziel des Tisch Abräumens kein Stückchen näher.

Klüger ist es in dieser Situation einfach zu beschreiben was wir sehen: „Dein Teller steht noch auf dem Tisch.“  In diesem Moment beginnt die Gewaltfreie Kommunikation, die sich mit Punkt 3 fortsetzt

Punkt 3: Keine Schuldzuweisungen

Ich sehe Dich nicht!

„Deine Ignoranz macht mich wütend.“ Mit diesem Satz beschreiben wir nicht nur unser Gefühl, wir geben auch unserem Gegenüber die Schuld an unserem Gefühl. Diese Schuldzuweisung treibt unser Gegenüber in die Enge und er reagiert auf das was wir gesagt haben, indem er sich mit „Ich ignoriere Dich nicht.“ antwortet und plötzlich diskutieren wir über all die Male, in denen wir nicht ignoriert wurden und unser Tisch bleibt unabgeräumt.

Besser lösen wir die Situation, wenn wir dem Satz „Dein Teller steht noch auf dem Tisch.“ mit einem „und das macht mich wütend“ fortsetzen. Natürlich können wir ein so unschönes Gefühl nicht einfach in der Luft hängen lassen und einfach aufhören, kommen wir als zu Punkt 4.

Punkt 4: Weil

Arbeiten

Bis jetzt haben wir „Dein Teller steht noch auf dem Tisch und das macht mich wütend“ gesagt und jetzt kommt der spannende Teil der Gewaltfreien Kommunikation „das Weil“: „Dein Teller steht noch auf dem Tisch und das macht mich wütend, weil ich den Tisch gleich zum Arbeiten brauche.“

Dank diesem kleinen „Weil“ haben wir unser Gegenüber nun perfekt auf Punkt 5 vorbereitet:

Punkt 5: Bitte

„Würdest Du bitte Dein Geschirr abräumen?“ Natürlich kannst Du jetzt auch ein Nein kassieren, doch Dein Gegenüber wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Warum für sein Nein parat haben und es Dir so leichter machen diese zu akzeptieren.

Fazit

Ich finde das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation sehr spannend und mir ist beim Schreiben des Beitrages die ein oder andere Situation bewusst geworden, in der ich eine ganze Sammlung an Rabattmarken parat habe. Ob es mir gelingt in Zukunft mir vor dem Sammeln einer Rabattmarke diese Anleitung ins Gedächtnis zu rufen, weiß ich nicht. Daher freue ich mich auf Deine Berichte. Glaubst Du, dass die Gewaltfreie Kommunikation funktioniert? Hast Du sie schon einmal getestet? Wie waren Deine Erlebnisse?