Weißt Du, was verfemt bedeutet?
Es gibt Begriffe, die mir extrem selten begegnen. Verfemt ist genau so ein Begriff. Ich bin mir sicher, dass er eine negative Bedeutung hat, doch ich weiß nicht, wie genau diese lautet. Dank der Autorin

wird sich diese Wissenslücke hoffentlich heute schließen. Ihre Graphic Novel schenkt mit Hilfe von Texten und Bildern den Frauen 5 berühmter Männer eine Bühne. Frauen, die im Gegensatz zu ihren Männern nicht in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Starke Frauen, die für ihre Stärke von der Gesellschaft statt Anerkennung nicht selten Verachtung erfuhren. Zu diesen Frauen gehört Constanze Mozart, über die unsere Autorin folgendes zu berichten weiß:
„Constanze Mozart ist wohl eine der verfemtesten Frauen in der Musikgeschichte.“ S. 28.
Die Öffentlichkeit nahm nicht wahr, dass Constanze für 9 Jahre einen dem Spiel und anderen Frauen zugeneigten Mann an ihrer Seite hatte und 4 ihrer 6 Kinder verlor. Auch erhielt sie keine Anerkennung dafür, dass sie seine Sachen nach seinem Tod nicht meistbietend unter die Leute brachte, um die Schulden zu begleichen, die Mozart ihr hinterließ. Stattdessen fokussierte man sich lange auf ihren Charakter und ihre fehlende Begeisterung für den Haushalt und begann erst spät wahrzunehmen, dass sie es war, die Mozarts Werk für die Nachwelt sicherte.
Da wir nun den Kontext unseres heutigen Zitates kennen, ist es an der Zeit, unser Lexikon um Hilfe zu bitten.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt den Begriff.

ver|fe|men <sw. V.; hat> [mhd. verveimen, mniederd. vorveimen, zu ↑Feme](geh.): ächten: die Nazis haben diesen Maler verfemt; ein verfemter Künstler.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2481.
Jemanden zu verfemen bedeutet also, jemanden zu ächten. Constanze wurde dafür geächtet, dass sie von ihrem Mann geliebt wurde. Sie inspirierte einige seiner Werke. Die Öffentlichkeit sah dies nicht als Leistung an, sondern konzentrierte sich darauf, ihr Leichtlebigkeit und Triebhaftigkeit zu unterstellen.
Da ich den Begriff Feme noch nie gehört habe, schlagen wir diesen nun auch noch schnell nach.
Fe|me, die; -, -n [mhd. veime, mniederd. veime, vëme, H. u.]: 1. (bes. vom 13.-15. Jh. in Westfalen) mittelalterliches Sondergericht, das besonders schwere Straftaten aburteilt. 2. geheime gerichtsähnliche Versammlung, die über die Ermordung von politischen Gegnern und Verrätern in den eigenen Reihen entscheidet.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 734.
Mit diesem Wissen wird mir nun klar, warum sich Käthe für diesen Begriff entschieden hat. Constanze wurde nicht von einem Sondergericht verurteilt, sondern von der Gesellschaft und das wahrscheinlich hinter vorgehaltener Hand. In einer Zeit, in der „Liebesheiraten“ noch nicht üblich waren, war Glück in der Ehe etwas Ungewöhnliches, und so gab es wahrscheinlich viele Neider, die dem Ehepaar Mozart das Glück in der Liebe nicht gönnten. Diese Missgunst traf nicht den berühmten Komponisten, sondern seine Frau mit voller Wucht. Hinter vorgehaltener Hand verurteilte die Gesellschaft die Frau, die das Glück hatte, einen Mann zu finden, der sie tatsächlich vergötterte.
Fazit
Wir wissen nun, was der Begriff verfemt bedeutet. Zudem haben wir Constanze Mozart kennengelernt. Mir war bis zum Lesen dieses Buches nicht einmal bewusst, dass Mozart verheiratet war. Was total absurd ist, weil ich als Marzipan liebende Naschkatze die Constanze Mozart Kugeln aufgrund ihrer Vollmilchschokoladenhülle viel lieber mag als die normalen Mozart Kugeln. Dank Käthe kenne ich nun endlich die Geschichte hinter der Frau, die eine meiner liebsten Süßigkeiten ziert.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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