Weißt Du, wer Ludwig Wittgenstein war?

Heute geht es wieder einmal um den Namen einer Person, die so berühmt ist, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass sie nicht erklären müssen, wer das ist. Zu diesen meisten Menschen gehört auch der Autor von

Ein Mensch steht zwischen den Buchstaben CEF. Er steht an zweiter Stelle und denk nach. Mit dem Menschen gesehen, Ergeben die 4 Buchstaben das Wort Chef.
Ich bin so bekannt, dass mich jeder Mensch kennt.

Martin Buchholz: Männer, Macht und Mythen. Von Erschöpfern und Erschöpften.

Martin, der in seinem Buchan vielen Stellen darauf achtet kein Wissen beim Leser vorauszusetzen, erwähnt Ludwig in einer Fußnote:

„Aber wo steht geschrieben, so fragt ein kluger Kopf namens Ludwig Wittgenstein, dass man die Richtung einschlagen muss, die ein Wegweiser vorgibt – genauer, die er vorgibt, vorzugeben.“

S. 150.

Nach dem Lesen der Fußnote bin ich mir fast sicher, dass Ludwig ein Philosoph war. Ich bin gespannt, ob unser Lexikon diese gefühlte Sicherheit mit Fakten bestätigen kann.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon kennt Ludwig und liefert eine Bestätigung meiner Vermutung.

Wittgenstein, Ludwig, österr. Philosoph, * Wien 26.4.1889, † Cambridge 29.4. 1951; 1939-47 Prof. in Cambridge; entwickelte aus einer Kritik der Logik G. Freges, A. N. Whiteheads und B. Russells die Auffassung, dass Aussagen den sprachl. Ausdruck der log. Bilder von Tatsachen darstellen; somit können Aussagen die Welt abbilden. Die sich hier anschließenden Theorien der Logik, Mathematik und Wahrscheinlichkeit wurden im Neopositivismus, bes. im Wiener Kreis, einflussreich. Nachdem W. die Beschäftigung mit der Philosophie zunächst aufgegeben hatte, änderte er nach 1929 seine philosoph. Position teilweise zugunsten einer bes. in Großbritannien beachteten krit. Sprachphilosophie. Sie richtet sich gegen eine idealisierte Sprachauffassung und sieht die Bedeutung der Worte allein durch ihren Gebrauch gegeben. Mittels einer Theorie der »Sprachspiele« sucht sie die Umgangssprache zu beschreiben; Philosophie bleibt, wie in seinen frühen Werken, vornehmlich Sprachkritik.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 16, S. 322.

Eine lächelnde Erde, die sich an den Kopf fasst.
Na, hast Du Lust mich in Worte zu fassen?

Ich verstehe, dass Ludwig der Meinung war, dass Sprache genutzt werden kann, um die Welt abzubilden. Wenn ich sage, dass neben mir ein Hocker steht, dann bilde ich mit den Worten die Welt ab, die ich gerade sehe. Was ich dagegen nicht verstehe, ist die Sache, die Ludwig laut unserem Lexikon 1929 macht. Ich ahne aber, dass genau das die Sache ist, auf die sich unser Autor Martin in seiner Fußnote bezieht. Um das verstehen zu können, brauche ich weitere Informationen, sprich die Hilfe des Internets.

Was das Internet sagt

Die Webseite klugwort.de fasst den Wandel zwischen Ludwigs erster und zweiter philosophischer Schaffensphase in nur einem Satz zusammen.

„Er distanzierte sich von der Vorstellung, dass Sprache eine logische Abbildung der Welt ist, und betonte stattdessen den praktischen Gebrauch von Sprache in verschiedenen Lebenszusammenhängen.“

Ich glaube der Satz meint, dass meine Umschreibung des Wortes Hocker nicht die logische Abbildung der Welt ist. Würde an meiner Stelle ein Mensch sitzen, der strickt, würde er das Möbelstück mit den vier Beinen neben mir als Aufbewahrungsbox mit Polsterauflage bezeichnen. Wir beide hätten recht. Wir sehen ein und den gleichen Gegenstand und beschreiben ihn mit unterschiedlichen Worten, da er für uns unterschiedliche Nutzenschwerpunkte hat. Würde ich einen Hocker kaufen wollen, wäre ich zufrieden, wenn er gepolstert ist. Würde jemand der strickt einen Hocker kaufen, würde er viel Wert auf die Aufbewahrungsfunktion legen und ihm daher gegenüber der Verkäuferin ganz anders beschreiben.

Dieses YouTube Video geht auf die Sprachspiele von Wittgenstein ein. Es erklärt, dass wir einen Gegenstand wie einen Hocker erst klassifizieren können, wenn wir uns zahlreiche unterschiedliche Hocker angeschaut haben. Erst dadurch können wir die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Hocker sehen und wirklich greifen, welche Elemente für einen Hocker unverzichtbar sind. Gleichzeitig macht es deutlich, dass wir mit Sprache noch anders spielen können, indem wir zum Beispiel Witze machen und bewusst mit den Worten spielen. Es steckt noch mehr Wissen in diesem knapp 10 Minuten langen Video, doch ich bin nicht in der Lage dieses hier wiederzugeben, ohne ungewollt Verwirrung zu stiften. Schau Dir daher das Video gern an, wenn Du mehr über Ludwigs Sprachspiele wissen möchtest.

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Was uns unser Autor sagen möchte

Ich glaube in Martins Fußnote geht es um Ludwigs Sprachspiele. Ein Wegweiser ist dazu da einen Weg zu weisen. Doch der Mensch ist nicht verpflichtet diesen Wegweiser zu nutzen. Er muss nicht in die Richtung gehen, die das Schild anzeigt. Selbst wenn das Schild für ihn laut Beschriftung die richtige Richtung anzeigt, kann sich der Mensch dagegen entscheiden den Weg zu gehen. Ein Grund für die Nichtbefolgung könnte sein, dass der Wegweiser nur vorgibt den Weg in die richtige Richtung zu weisen und es in Wirklichkeit gar nicht tut, weil irgendein Scherzkeks den Wegweiser falsch aufgestellt hat und er daher gar nicht in die richtige Richtung zeigt.

Fazit

Nach unserer heutigen Recherche habe ich nun eine grobe Vorstellung davon, wer Ludwig Wittgenstein war. Doch ich bin weiterhin weit davon entfernt die Philosophien Wittgensteins zu verstehen. Zum meinem Glück war das nicht das Ziel der heutigen Recherche. Ich wollte nur wissen, was Martin seinen Lesern mit der Fußnote sagen wollte, und ich habe das Gefühl, dass ich dieses Ziel erreicht habe, ohne dabei in die gefährliche gedankenverknotende Philosophie abzutauchen, die mir immer mal wieder das Gefühl gibt, nicht mehr zu wissen, was ich gerade noch wusste.

15. Juni 2026
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Buchcover Martin Buchholz Männer, Macht und Mythen. Von Erschöpfern und Erschöpften
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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