Weißt Du, woher der Begriff feixen kommt?
Ich glaube, dass feixen eine Art zu lachen oder sich lustig machen mit einer negativen Note ist. Doch bis zum heutigen Tag bin ich nicht in der Lage zu erklären, was genau feixen ist. Dank
wird sich diese Wissenslücke heute hoffentlich schließen.
„Nach Todd Phillips Film „Joker“ aus dem Jahr 2019 mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle avancierte der Joker dann zum weltweiten Protestsymbol und war in Masken- und Plakatform auf zahlreichen Demonstrationen in Hongkong, Chile, Katalonien und im Libanon zu sehen. Die Macht des Jokers entfaltet sich dabei in seiner Widersprüchlichkeit, seiner Ungreifbarkeit. Er besitzt viele Identitäten, untergräbt die Mächtigen, macht sich lustig, lügt und feixt.“
S. 54.
Da ich mich nicht daran erinnern kann, ob ich den Film gesehen habe, habe ich mir kurz diesen englischsprachigen Trailer auf YouTube angeschaut. Bei meinem Filmkonsum achte ich darauf, möglichst wenig düstere Filme zu konsumieren, da ich dazu tendiere, die erzählten Geschichten nachts in meinen Träumen weiterzuspinnen. Es kann also durchaus sein, dass ich den Film nie gesehen habe, obwohl ich mir eigentlich alle Superman, Batman und Marvel Filme anschaue.
Weil ich den Film nicht gesehen habe, oder mich nicht daran erinnern kann, verstehe ich, warum Joker zum weltweiten Protestsymbol wurde. Da das heute nicht unser Thema ist akzeptiere ich diese Wissenslücke, damit wir uns sogleich mit der Bitte, uns den Begriff feixen zu erläutern, an unser Lexikon wenden können.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon erklärt unseren heutigen Begriff in seinem Wörterbuchteil. Zu meiner großen Freude verrät es uns auch dessen Herkunft.

fei|xen (sw. V.; hat) [wohl aus der Studentenspr., zu nordd. Feix = Unerfahrener, Dümmling, H. u.] (ugs.): breit, schadenfroh, hämisch lachen; grinsen; *sich (Dativ) eins f. (ugs.; sich hämisch lachend lustig machen, sich in schadenfroher Weise amüsieren).
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 731.
Der Begriff leitet sich also vermutlich vom norddeutschen Begriff Feix ab, der Unerfahrener bzw. Dümmling bedeutet. Wie genau diese Bedeutung zu der aktuellen Bedeutung des schadenfrohen amüsieren geworden ist, erklärt sich mir nicht.
Spannenderweise erkenne ich genau diese Entwicklung in dem Joker Trailer wieder. Ein Mensch sitzt in der Therapie, weil er ganz offenbar mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Die Therapeutin ist bemüht, den Joker bei der Überwindung seiner negativen Gedanken zu unterstützen, damit dieser ein positives Leben führen kann. Der Joker kommt sich in dieser Situation möglicherweise immer wieder mal unerfahren oder dumm vor, weil „alle anderen“ ja nicht solche Probleme haben.
Doch dann kommt der Wendepunkt. Der Joker entscheidet sich gegen die gesellschaftliche Konvention des Strebens nach Glück. Er entscheidet sich, die Düsterkeit seiner Gedanken zu akzeptieren. Ja, mehr noch, er entscheidet sich, sie für sich zu nutzen.
Mit dieser Entscheidung kann er nun über all jene feixen, die sich bemühen, ihre negativen Gedanken in den Griff zu bekommen und nach Glück zu streben. Während diese verzweifelt mit der Aufgabe ringen und nicht wissen, ob sie erfolgreich sein werden, macht der Joker einfach sein Ding.
Fazit
Wir wissen nun, was der Begriff feixen bedeutet und woher er kommt. Noch viel spannender finde ich allerdings, dass die Figur des Jokers, der jahrzehntelang der Bösewicht in den Batman Stories war, uns in einem Buch über Heldinnen als Held und nicht als Schurke begegnet.

In meiner Kindheit waren die Heldengeschichten, die ich konsumiert habe, immer etwas flach, weil es ein klares Gutes und ein klares Böses gibt. Diese Geschichten malen das Bild einer binären Welt, also einer Welt, in der es immer ein schwarz und ein weiß gibt. So ist die Welt aber nicht.
Ich zum Beispiel zocke gern am Computer, oder baue Klemmbausteinsets und besitze keinerlei dekorative Kosmetik. Das irritiert manche Menschen, weil ich mich nicht so verhalte, wie Frauen sich verhalten. Hinzukommt, dass ich mich für gut halte, aber nicht konsistent gut handle. So habe ich meinen Vater in seiner Demenz nicht zu mir nach Hause geholt und bei mir betreut, sondern ein Heim für ihn gesucht. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Doch ich weiß, dass ich bei Schlafmangel unleidlich bis aggressiv werde. Einen Menschen mit Demenz zu betreuen, bedeutet weniger Schlaf zu bekommen, und ich wollte keinesfalls riskieren, meinem auf mich angewiesenen Vater gegenüber aggressiv zu sein. Also traf ich die Entscheidung, ihn in ein Heim zu geben und akzeptierte, dass mich das in den Augen einiger Menschen zu einem schlechten Menschen machte.
Ich freue mich sehr, dass (Super-)Heldengeschichten der binären Darstellung des Gut und Böse immer mehr entkommen, denn das macht es mir leichter, mich mit diesen Geschichten zu identifizieren. So hatte ich zum Beispiel auch einen Joker-Moment, als ich beschloss, dass dieses Karrieremachen nicht mein Ding ist. Seitdem ich beruflich nicht mehr nach einem höher, weiter, besser strebe, sondern mich auf das Teilen und Sammeln von Wissen konzentriere, geht es mir beruflich extrem gut. Ich lerne in jedem Job dazu, und habe so an jeder neuen beruflichen Station einen größeren Wissensschatz, auf den ich zugreifen kann. Dass dieses nie vollständig sein wird, ist für mich inzwischen auch okay, denn ich identifiziere mich als Quereinsteigerin. Ich kann daher nicht alles wissen. Das Wissen, was mir fehlt, kann ich allerdings jederzeit erwerben, falls auch mein Team nicht über dieses verfügt.
An dieser Stelle bin ich nun neugierig: Welche Art von Heldengeschichten gefällt Dir besser? Hattest Du in Deinem Leben einen Joker-Moment, der Dich mit Dir selbst in Einklang gebracht hat?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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