Weißt Du, woher der Begriff Lotterleben kommt?

Heute geht es um einen Begriff, der mir schon so oft begegnet ist, dass ich inzwischen zu wissen meine, was er bedeutet. Jemand, der ein Lotterleben führt, führt ein unordentliches Leben und schert sich nicht um spießige Dinge wie Statussymbole und seine soziale Stellung. Laut dem Autor des Romanes

Also ich mag mein Lotterleben.

Eric-Emmanuel Schmitt: Oskar und die Dame in Rosa.

bzw. laut der Romanfigur Oma Rosa, die einen sterbenskranken Zehnjährigen namens Oskar immer wieder im Krankenhaus besucht, ist ein Lotterleben für Menschen Anfang zwanzig normal:

„Das ist normal, zwischen zwanzig und fünfundzwanzig geht man abends aus, man feiert, man führt ein Lotterleben, man schont sich.“

S. 63.

Ob sich ein Lotterleben nur auf diesen Zeitraum beschränkt und woher dieser Begriff kommt, wird uns nun hoffentlich unser Lexikon verraten.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon verrät uns zwar, dass meine Definition des Begriffes nicht ganz passt, versäumt auf den ersten Blick aber auch uns etwas über die Herkunft des Begriffes zu verraten.

Lot|ter|le|ben, das <o. Pl.> (abwertend): ausschweifendes, moralisch nicht einwandfreies Leben: ein L. führen.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1489.

Auf den zweiten Blick enthält unser Lexikon auch Informationen zur Herkunft unseres heutigen Begriffes. So erfahren wir unter dem Eintrag zu lottern, dass wir den Begriff Lotter nachschlagen sollen.

Zeichnung Ein Mensch steigt mit einem gepackten Koffer in der Hand in ein Buch ein.
Hey liebes Lexikon, ich brauch bitte mehr Infos.

Lot|ter, der; -s – [zu mhd. lot(t)er, ahd. lotar = locker, schlaff; nichtig; leichtfertig, verw. mit ↑liederlich] (veraltet): Lotterbube.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1489.

Lot|ter|bu|be, der (veraltend abwertend): jmd., der sich herumtreibt, Faulenzer.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1489.

Dank unserem Lexikon wissen wir nun, dass sich der Begriff Lotterleben vom mittelhochdeutschen Begriff für locker ableitet und dass es Lotterbuben gab. Was wir noch nicht wissen, ist, ob sich das Lotterleben auf ein bestimmtes Alter beschränkt. Lass uns doch einmal schauen, ob das Internet uns mit dieser Information versorgen kann.

Was das Internet sagt

Laut der Webseite des Zentrums für digitale Lexikographie der deutschen Sprache, hat das Lotterleben nichts mit dem Lebensalter zu tun. Der Lotterbube hat in der Regel eine geminderte Rechtsstellung, sprich nicht alle Rechte, die jemand innerhatte, der kein Herumtreiber, bzw. Faulenzer war. Zudem erfahren wir hier auch noch, dass der Begriff Lotterleben, der für 1856 das erste Mal nachweisbar ist, den mir unbekannten Begriff Luderleben Stück für Stück ersetzt hat.

Fazit

Dank unserer heutigen Recherche weiß ich nun endlich, woher der Begriff kommt. Zudem habe ich gelernt, dass der Begriff deutlich negativer besetzt ist, als ich dachte. Mir war nicht bewusst, dass ein Lotterleben etwas mit Moral zu tun hat. Während ich das schreibe fällt mir auf, dass ich Schwierigkeiten habe den Begriff Moral in Worte zu fassen. Zum Glück springt Duden.de hier in die Bresche und verrät mir, dass Moral unter anderem wie folgt definiert wird:

„Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden“

Wenn ich mir diese Definition so anschaue verändert sich meine Wahrnehmung der Formulierung „moralisch nicht einwandfreies Leben, die unser Lexikon in Bezug auf das Lotterleben verwendet. Ethisch-sittliche Normen, Grundsätze und Werte sind Dinge, die sich im Verlauf der Zeit verändern bzw. weiterentwickeln.

Damit diese Weiterentwicklung stattfinden kann, braucht es Menschen, die ein Lotterleben führen. Es braucht Frauen, die sich nicht damit zufrieden geben, dass sie nicht wählen dürfen und für ihr Wahlrecht streiten. Es braucht Frauen, die nicht bereit sind, den Platz in einem Bus für einen Weißen frei zu machen. Es braucht Männer, die sagen „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“.

Die Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen kämpften, Rosa Parks, die ihren Platz im Bus nicht freimachte und der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit haben in den Augen manch einer ihrer Zeitgenossen möglicherweise ein Lotterleben geführt, doch jede/r Einzelne von ihnen hat dazu beigetragen, dass sich unsere Vorstellung von Moral weiterentwickelt hat.

Ein Hoch auf das Lotterleben Einzelner, auf dass es uns in eine tolerante und bunte Zukunft führt. 

11. Dezember 2025
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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