Weißt Du, woher der Begriff perfide kommt?
Heute geht es um einen Begriff, bei dem ich mir sehr sicher bin, dass er „gemein“ bedeutet. Was ich allerdings nicht weiß, ist, woher der Begriff kommt. Dank des Menschen, der das Buch
J J Bola: Sei kein Mann: Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist,
geschrieben hat, werden wir dieser Frage heute nachgehen. J J zeigt in seinem Buch auf, wie unterschiedliche Männlichkeitsbegriffe sich auf das Leben auswirken.

J J, der als Kind aus der Demokratischen Republik Kongo nach London geflohen ist, ist zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männlichkeitsbildern aufgewachsen, deren Aufeinandertreffen nicht immer einfach war. Auf der einen Seite musste er für seine Londoner Altersgenossen den harten Kerl markieren, um akzeptiert zu werden. Auf der anderen Seite war es für die Männer in seiner Kirchengruppe normal, als Gruppe Hand in Hand durch die Stadt zu laufen. Letzteres stellte eine Gefahr für das Männlichkeitsbild dar, das er sich bei seinen Londoner Altersgenossen erarbeitet hatte.
Durch seine eigenen Erfahrungen fallen J J sogar an auf den ersten Blick positive klingenden Formulierungen wie „netter Kerl“, problematische Bilder hinter diesen Formulierungen auf. So schreibt er: Die Floskel der nette oder der gute Kerl
„unterstreicht auf ganz perfide Art und Weise männliche Selbstgefälligkeit. […] Frauen haben dich zu mögen, wenn du ein netter Kerl bist, und wenn sie es nicht tun, fällt es auf die Frauen zurück. Wenn sich Männer als »netten Typen« oder »guten Kerl« bezeichnen, sagen sie ebenfalls unterschwellig, dass Männer an sich so schlimm sind, dass sie sich von ihnen abgrenzen müssen.“
S. 25f.
Nachdem wir nun wissen in welchem Kontext J J unseren heutigen Begriff verwendet, ist die Zeit gekommen, unser Lexikon nach dessen Herkunft zu befragen.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt nicht nur die Herkunft des Begriffs, es verrät mir auch, dass ich den Begriff bis jetzt nicht ganz korrekt verwendet habe.
per|fid, per|filde (Adj.; perfider, perfideste) [frz.perfide < lat. perfidus = wortbrüchig. treulos, eigtl. = über die Treue hinaus, jenseits der Treue, zu: per = durch u. fides = Treue] (bildungsspr.): [verschlagen, hinterhältig u.] niederträchtig, in besonders übler Weise gemein: ein perfider Verrat; er hat seine Interessen perfid[e] durchgesetzt.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1734.

Perfide stammt aus dem Lateinischen und bedeutet nicht einfach nur gemein, sondern in besonders übler Weise gemein.
Fazit
Obwohl wir heute dank unseres Lexikons eine Antwort auf unsere Frage gefunden haben, bin ich ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich die Hoffnung hatte, dass uns unsere heutige Recherche zu einer antiken Heldengeschichte führen würde.
Da unser Lexikon uns keine Heldengeschichte an die Hand gegeben hat, möchte ich an dieser Stelle auf das Thema eingehen, dass uns J J mit seinem Buch an die Hand gibt. Ich gehöre zu den Menschen, die nicht viel mit den klassischen Rollenbildern anfangen können. Daher war es spannend für mich, während des Lesens des Buches einmal detailliert aufgedröselt zu bekommen, was die Erwartungshaltung, die mit dem Begriff Männlichkeit verbunden ist, mit Menschen macht.
Ich für meinen Teil finde es großartig, wenn sich ein Mensch völlig unabhängig von seinem Geschlecht entfalten kann. Für mich muss ein Mann nicht stark sein, und eine Frau braucht sich nicht um alle sorgen. Es ist völlig cool für mich, dass ich null dekorative Fähigkeiten habe und meine Familie nicht gern im Rudel treffe. Wenn ein Mann weint, ist das kein Weltuntergang, es ist einfach nur eine emotionale Reaktion auf ein Ereignis. Wenn ein Mädchen stark ist und gern rechnet, ist das genauso genial, wie ein Junge, der sich lieber mit dem Zeichnen von Schmetterlingen und Spielen mit Puppen beschäftigt.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie stehst Du zu Rollenbildern? Brauchen wir die noch, oder können die endlich in die Mottenkiste?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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