Wie können wir Barrieren zwischen Teams abbauen und Zusammenarbeit im Unternehmen erreichen?

Die Helden in Stefans Büchern sind nicht echt.

Stefan Merath gehört zu den Autoren, die es meisterhaft verstehen, schwierige Dinge einfach zu vermitteln. Alle Bücher, die ich von ihm je gelesen habe, nutzen hierfür das stilistische Mittel des Storytellings. Das bedeutet, Stefan erfindet in seinem Buch eine paar Figuren und erzählt seinen Lesern eine Geschichte, wie diese Figuren Herausforderungen meistern.

Der Vorteil an dieser Art der Wissensvermittlung ist, dass der Leser viel Wissen aufnimmt, während er das entspannte Gefühl genießt, einen Roman zu lesen. Der Nachteil des Storytellings ist, dass Stefan auf Fußnoten verzichten muss, und der Leser nie ganz sicher sein kann, welcher Teil der Geschichte stimmt und welcher nicht.

In Stefans Buch

Stefan Merath: Dein Wille geschehe. Führung für Unternehmer. Der Weg zu Selbstbestimmung und Freiheit

bin ich über ein spannendes Experiment gestolpert, an dem 22 12-jährige Jungs teilgenommen haben. Aus dem Ergebnis dieses Experiments leitet die Hauptfigur ab, was Unternehmer bzw. Führungskräfte tun können, um die Zusammenarbeit im Unternehmen zu fördern. Wie diese Tipps genau aussehen, schauen wir uns am Ende dieses Beitrages an. Zuvor nutzen wir die Angaben unseres Autors, um mit Hilfe des Internets herauszufinden, ob es dieses Experiment tatsächlich gab, von dem Stefan beschrieben wird (siehe Seite 317f.).

Das Robbers-Cave-Experiment

Die gute Nachricht an dieser Stelle lautet: Ja, das Experiment gab es wirklich. Dank der Eckdaten, die Stefan uns in seinem Buch verrät, habe ich herausgefunden, dass das Experiment mit den 22 kleinen Jungen unter dem Namen Robbers-Cave-Experiment bekannt ist. Seinen Namen verdank das Experiment laut dieses YouTube Video dem Park, in dem es stattfand: dem Robbers Cave State Park. Eine Liste mit den Originalquellen zum Experiment, findest Du auf Wikipedia.

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Das Experiment begann am 11. Juni 1954, also vor über einem halben Jahrhundert in Oklahoma City. Muzafer Sherif, Professor für Psychologie an der University of Oklahoma und die Sozialpsychologin Carolyn Wood Sherif hatten 22 12-jährige Jungen aus 22 unterschiedlichen Schulen, die nicht zu Gewalt neigten, ausgewählt, um mit ihrer Hilfe mehr über Konflikte und Zusammenarbeit zu erfahren.

Das ist ein ganz normales Ferienlager, oder?

Die Jungs hatten keine Ahnung davon, dass sie Teil eines Experiments waren. Sie freuten sich auf ein Ferienlager. Die Eltern der Kinder wussten, dass die Kinder Teil einer Studie waren. Laut nzz.de hatten sie aber nur eine diffuse Vorstellung davon, was ihre Kinder in den 3 Wochen des Ferienlagers widerfahren sollte.

Im Gegensatz zu den Teilnehmern und Eltern hatten unsere Wissenschaftler eine klare Vorstellung davon, was in diesem Experiment passieren sollte. Sie planten die 3 Wochen Ferienlager in 3 Phasen einzuteilen:

  1. unabhängige Gruppenbildung – 5 bis 6 Tage,
  2. für Konflikt zwischen Gruppen sorgen – 4 bis 5 Tage,
  3. Lösung des Konfliktes – 6 bis 7 Tage.

Phase 1 Gruppenbildung

In der ersten Phase ging es darum, zwei unabhängige Gruppen zu bilden. Das Besondere bei dieser Gruppenbildung war, dass die Gruppen in der ersten Phase des Experiments jeweils dachten, sie seien allein im Ferienlager. Über die Existenz der anderen Gruppe wurden sie erst in der zweiten Phase des Experiments informiert.

Die erste Phase des Experiments lief erfolgreich. 11 Jungen, die sich vorher nicht kannten, wurden eine Gruppe, die sich selbst The Eagles (die Adler) nannten, die anderen 11 Jungs gaben ihrer Gruppe den Namen The Rattlers (die Klapperschlangen, die Rasselbande).

Phase 2 Konflikt zwischen Gruppen

In der zweiten Phase informierten unsere Wissenschaftler die Jungs nicht nur über die Existenz der anderen Gruppe, sie setzten 15 Wettbewerbe an, um zwischen den Gruppen Wettkampf und im Idealfall Konflikte zu schüren.

Haben die jetzt echt meine Fahne verbrannt?

Die zweite Phase des Experiments war in Sachen Konflikt ein voller Erfolg. Der Wunsch, die jeweils andere Gruppe zu besiegen, beschränkte sich nach kurzer Zeit nicht mehr auf die Wettbewerbe, sondern dominierte das Leben der beiden Gruppen.

So fingen die Gruppen an, sich zu beschimpfen. Als das nicht mehr reichte, verbrannten die Adler die Fahne der Rasselbande. Dieses Vergehen konnte die Rasselbande nicht ungestraft lassen, und so überfielen sie das Lager der Adler. Diese völlig übertriebene Aktion wurde von den Adlern gerächt, indem sie das Lager der Rasselbande nicht nur überfielen, sondern für ihren Überfall auch Stöcker nutzen und das Lager plünderten.

Phase 3 Konflikt auflösen

Da es den Wissenschaftlern gelungen war, Konflikte zwischen den Gruppen zu schaffen, konnten sie nun endlich herausfinden, ob und wie sich positive Bindungen zwischen diesen beiden Gruppen schufen ließen.

Im ersten Schritt wurde getestet, ob der Vortrag eines Priesters zum Thema Versöhnlichkeit und Zusammenarbeit die Wogen glätten konnte. Dieser Vortrag hatte jedoch kaum Auswirkungen auf das Verhalten der Gruppen.

Auch eine gemeinsame Diskussion über das Thema hatte kaum Auswirkungen auf das Gruppenverhalten.

Erfolgreich dagegen waren laut dieses YouTube Video die folgenden Aktionen der Versuchsleiter:

  • Kaputter Essenslastwagen – beide Gruppen mussten zusammenarbeiten, um Essen zu bekommen.
  • Kaputte Wasserversorgung – beide Gruppen mussten zusammenarbeiten, um diese wieder in Gang zu bringen.
  • Fehlende Finanzen für einen Filmeabend – beide Gruppen mussten ihre Finanzen zusammenlegen, um die Leihgebühr für den Film aufzubringen.

Nachdem die beiden Gruppen all diese Herausforderungen gemeinsam gemeistert hatten, arbeiteten sie zusammen. Die Sache mit der Feindschaft war Geschichte.

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Was Unternehmen aus diesem Experiment lernen können

… Dich für immer mit Deinen Kollegen vertragen?

Laut Stefans erfundener Romanfigur Thomas können Unternehmen aus diesem uralten Experiment auch heute noch etwas lernen. Zum einen sind Feindschaften in Unternehmen nicht unüberwindbar. Zum anderen zeigen die Beispiele des Priesterauftritts und der Diskussion über das Thema aus dem Experiment, dass sich Konflikte nicht dadurch lösen lassen, dass eine Führungskraft die Vorteile der Zusammenarbeit betont oder diese gemeinsam im Unternehmen erarbeitet werden. Vielmehr müssen Unternehmen und Führungskräfte folgende 4 Dinge umsetzten, um Voraussetzungen für Zusammenarbeit zu schaffen:

  1. Ein gemeinsam wahrgenommenes Problem schaffen.
  2. Den Glauben schaffen, dass dasProblem gemeinsam zu lösen ist.
  3. Sicherheit und Vertrauen untereinander schaffen.
  4. Als Führungskraft dem Team dienen.

Fazit

Ich freue mich sehr, dass es Stefan trotz des Verzichtes auf Fußnoten gelungen ist, mir genug Fakten an die Hand zu geben, um das Experiment ausfindig machen zu können. Auch denke ich, dass die Ableitungen, die Stefans Hauptfigur aus dem Experiment  findet, hilfreich sein können.

Noch wichtiger an diesem Experiment ist mir jedoch,  dass es zeigt, welche Nebenwirkungen Wettbewerbe in Unternehmen haben können. Daher würde ich der Liste gern einen fünften Punkt hinzufügen:

  1. Verzicht auf Einzelwettbewerbe im Unternehmen und Konzentration auf ein gemeinsames Ziel.

An dieser Stelle bin ich neugierig. Welche Faktoren verhindern Deiner Erfahrung nach die Zusammenarbeit im Unternehmen? Welche Faktoren fördern sie?

2. Februar 2023
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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