Work-Life-Balance: Können nicht einfach Künstliche Intelligenz Avatare unser Gehalt für uns verdienen?

Es gibt Bücher, die mir den Schlaf rauben, weil sie meine Gedanken anstupsen und diese dann immer und immer weiterlaufen und sich kaum stoppen lassen. Das Buch

Ein Roboter in einem Schreibtisch.
Klar kann ich Deinen Job machen.

Yasmin Weiß: Was bleibt vom Menschen, wenn die KI übernimmt? So finden Führungskräfte ihre Strategie für die bisher größte Arbeitsmarktrevolution

ist genauso ein Buch. Yasmin kennt sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz richtig gut aus. Der „Über mich“ Text auf Ihrer Webseite beginnt mit folgendem Satz

„Ich bin Professorin und forsche, wie Künstliche Intelligenz sich auf unsere Arbeitswelt auswirkt.“

Yasmins Expertise ist weltweit gefragt. Das führt dazu, dass Yasmin in der Vergangenheit einen Auftrag für einen Impulsvortrag absagen musste, weil es zu Hause Verpflichtungen gab, die ein Verreisen unmöglich machten. In der Einleitung des Buches verrät Yasmin, dass dieses menschliche Problem dank dem Yasmin Weiß Avatar immer seltener auftritt:

„In den folgenden Wochen und Monaten erhielt ich regelmäßig Anfragen von Unternehmen und Einzelpersonen, die in den Austausch mit meinem persönlichen KI-Avatar treten wollten, falls ich selbst keine Zeit haben sollte. Die Idee, meine Arbeitsleistung von meiner persönlichen Verfügbarkeit und Präsenz zu entkoppeln, fasziniert mich. Denn sie ermöglicht es [sic!] mir – wie allen Menschen mit privater und beruflicher Rollenpluralität – eine bessere Balance aus Privat- und Berufsleben.“

S. 35.

Was Yasmin frohlocken lässt, lässt meine Gedanken rasen und ich versuche im Folgenden einmal darzulegen, warum mich Yasmins Worte nicht mehr schlafen lassen.

Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz Avatare auf Bühnen keinen Neuheitswert mehr haben?

Stell Dir vor Du besuchst eine Veranstaltung, auf der ein Unternehmen den Künstlichen Intelligenz Avatar von einer noch lebenden natürlichen Person sprechen lässt. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich würde anderen davon erzählen, weil es für mich das erste Mal wäre das zu sehen. Das Buchen eines solchen Avatars im Jahr 2026 verspricht einem Unternehmen also zusätzliche Aufmerksamkeit. Das bedeutet im Jahr 2026 kann es für ein Unternehmen attraktiver sein einen Künstlichen Intelligenz Avatar sprechen zu lassen als einen Menschen.

Ein sitzender Fuchs
Ich zahl doch nicht für was, was ich (fast) kostenlos haben kann.

Doch was ist, wenn Du in fünf Jahren auf jeder Konferenz mindestens fünf solcher Avatare auf Bühnen erlebst, weil andere Menschen Yasmins Work-Life-Begeisterung nacheifern und sich eigene Avatare bauen? Nun, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das dann keine zusätzliche Aufmerksamkeit mehr bekommen.

Die Sache ist nun die: Wenn ein Künstliche Intelligenz Avatar auf einer Messe-Bühne keine zusätzliche Aufmerksamkeit mehr generiert, dann verliert sein Auftritt für das Unternehmen an Wert. Das hat Auswirkungen auf die Summe, die Unternehmen für solche Avatare zahlen wollen und wenn mehrere Avatare am Markt sind, entscheidet sich ein Unternehmen möglicherweise für das günstigste Angebot.

Warum Geld zahlen? Das kann ich doch selbst machen!

Spielen wir doch den Gedanken noch etwas weiter. Ich glaube, dass es danach nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der erste schlaue Fuchs mit knappem Budget in einem Unternehmen auf den Trichter kommen wird, dass er gar keinen Avatar buchen muss, sondern einfach selbst einen Avatar von einer lebenden Person des öffentlichen Lebens bauen kann.

Möglicherweise hat das Unternehmen keine Expertise in Sachen Persönlichkeits- Nutzungs- und Urheberrechte und lässt den Avatar einfach auftreten. Möglicherweise schreitet die Rechtsabteilung des Unternehmens aber früh genug ein und erklärt dem schlauen Fuchs, warum diese Idee für das Unternehmen teuer werden könnte. Möglicherweise nimmt der schlaue Fuchs die Einwände ernst und zieht sich wieder an seinen Künstliche Intelligenz Avatar Bautisch zurück und erschafft den Avatar einer toten Person, bei der all die genannten Rechte nicht mehr greifen und schickt diesen auf die Bühne. Auf der Kostenseite hat das Unternehmen dann nur die Entwicklungszeit und die Stromkosten und kein gigantisches Honorar für einen echten Menschen mehr.

Für das Unternehmen ist das eine geniale Lösung. Für Menschen, die aktuell Geld auf Bühnen verdienen, indem sie ihr Wissen präsentieren, ist das eine nicht ganz so geniale Entwicklung. Sie haben zwar nun mehr Zeit auf der Life Seite Ihrer Work-Life-Balance, aber diese lässt sich dann aufgrund der entgangenen Honorare nicht mehr so leicht stemmen.

Wie realistisch ist dieses Szenario?

Im Gegensatz zu Yasmin habe ich keine Künstliche Intelligenz Expertise. Ich nutze Künstliche Intelligenz nur für einfachste Aufgaben und strebe nicht danach alles, was ich tue an diese auszulagern. Das bedeutet, dass ich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit des Eintretens des Szenarios nicht beantworten kann, weil ich aufgrund meiner Vertriebsexpertise nur die Sache mit der Angebots- und Nachfrage-Konstellation wirklich beurteilen kann.

Zeichnung Eine Geburtstagstorte, die sich freut und 3 Kerzen hat
Welche Alternativen zur Kuchenverteilung gibt es?

Wie wollen wir in Zukunft unsere Lebenshaltungskosten decken?

Nehmen wir also einmal an, dass das von mir an die Wand gemalte Szenario eintreten und nicht nur Menschen auf der Bühne, sondern die Mehrheit der Menschen treffen wird, die von Erwerbsarbeit leben.

Ich persönlich sehe in diesem ganzen Künstliche Intelligenz Gedöns die gigantische Chance die Nummer mit der Erwerbsarbeit endlich aus unseren Leben zu kicken. Statt 8 Stunden am Tag einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, für die wir uns so nicht wirklich begeistern können, könnten wir in Zukunft einfach Dinge machen, die uns und unsere Gesellschaft voranbringen. Wir könnten Ehrenämter ausüben und dafür sorgen, dass Menschen ein gutes Leben haben. Wir könnten unsere Energie darin investieren Menschheitsprobleme zu lösen, statt uns den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir ein Unternehmen profitabel halten.

Leider habe ich auf eine zentrale Frage dieses Szenarios noch keine Antwort gefunden: Wie genau zahlen wir unsere Miete, wenn wir kein Gehalt mehr bekommen? Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr der Schlüssel ist, mit dessen Hilfe wir Ressourcen verteilen, welchen Verteilungsschlüssel wollen wir dann nutzen? Solltest Du eine Antwort auf die Frage haben, würde ich mich sehr freuen, wenn Du sie in den Kommentaren unter diesem Beitrag mit uns teilst.

Fazit

Lass uns nun noch unsere heutige Frage beantworten: Ja, Yasmin ist der Beweis, dass manche von uns einfach einen Künstlichen Intelligenz Avatar zur Arbeit schicken können. Doch was erst einmal traumhaft klingt, kann in kürzester Zeit dafür sorgen, dass sich unsere Arbeitgeberinnen fragen, warum sie uns ein Gehalt zahlen sollten und nicht einfach selbst Avatare bauen und arbeiten lassen. Die Frage ist also wie nachhaltig diese geniale Lösung für einen selbst ist.

Verstehe mich dabei nicht falsch: Ich persönlich könnte sehr gut auf Erwerbsarbeit verzichten. Ein Dach über dem Kopf und was Warmes zu Essen möchte ich allerdings nicht missen. Daher bereitet mir die Vorstellung, dass ein Avatar in Zukunft meinen Job macht so lange Kopfzerbrechen, wie ungeklärt ist, wie ich in diesem Szenario meine Miete zahlen werde.

2. September 2026
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Buchcover Yasmin Weiß Was bleibt vom Menschen, wenn die KI übernimmt?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Buchcover Yasmin Weiß Was bleibt vom Menschen, wenn die KI übernimmt?

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2. September 2026
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