Was passiert, wenn Verwaltung mit und nicht über Menschen entscheidet?
Je älter ich werden, desto mehr muss ich lieb gewonnene Glaubenssätze gehen lassen. Die Autoren

rütteln mit ihrem Buch massiv an meinem Glaubenssatz „Verwaltung in Deutschland ist langweilig, staubtrocken und träge“, indem sie anhand von konkreten Beispielen aufzeigen, dass dem nicht so ist.
Eines der Beispiele schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an. Falk und Kristina verraten uns in Ihrem Buch, dass der Landkreis Pinneberg ein Vorreiter in Sachen partizipativer Verwaltung ist, also einer Verwaltung, die auf aktive Bürgerbeteiligung setzt. Sie schreiben:
„Der Landkreis Pinneberg in Schleswig-Holstein macht seit einigen Jahren in der Fachöffentlichkeit mit seinem Ansatz einer integrierten Sozialplanung von sich Reden und hat dafür sogar eine eigene App entwickelt. (www.fokus-pi.de, 2025)“
S. 33.
Die App ist zentraler Bestandteil der Sozialplanung in Pinneberg, die laut unserer Autoren jedes Jahr die folgenden Schritte durchläuft:
- Analyse der aktuellen Daten
- Identifikation von Handlungsempfehlungen
- Auswertung der Empfehlungen
- Planung
- Umsetzung
- Auswertung
Klingt interessant, oder? Ich bin gespannt, ob wir im Rahmen einer kleinen Onlinerecherche eine noch genauere Vorstellung davon bekommen können, was genau Pinneberg da anstellt.
Wie groß ist der Landkreis Pinneberg?

Die erste Frage, die mir unter den Nägeln brennt, lautet: Wie viele Menschen leben in Pinneberg? Die Antwort finden wir auf der Webseite Kreis Pinneberg:
„Im Kreis Pinneberg lebten am 31. Dezember 2024 insgesamt 325.223 Menschen auf 664,25 km² Fläche.“
Was genau umfasst die Sozialpolitik in Pinneberg?
Laut diesem Video auf der Webseite, die Falk und Kristina in Ihrem Buch erwähnen, gibt der Landkreis Pinneberg 75% seiner Einnahmen für die Sozialplanung aus. Das bedeutet, dass die Verwaltung in Pinneberg eine Mitgestaltung bei ihren größten Ausgabenposten ermöglicht. Warum die Ausgaben hier so hoch sind, wird deutliche, wenn wir uns die Handlungsfelder der Sozialpolitik anschauen. Die Sozialpolitik in Pinneberg hat die folgenden 10 Handlungsfelder für sich identifiziert:
- Arbeit
- Armut
- Bildung
- Gesundheitsversorgung & Pflege
- Infrastruktur sozialer Angebote
- Inklusion
- Mobilität
- Soziales Leben und Freizeit
- Wohnen
- Zuwanderung und Integration
Wie viele Handlungsempfehlungen wurden bereits umgesetzt?

Das Mitbestimmungsmodell gibt es seit 2017. In dieser Zeit wurden 51 Handlungsempfehlungen erarbeitet. Von diesen wurden ganze 23 beschlossen. Ein genauerer Blick auf die Handlungsfelder zeigt, dass es Themen gibt, die eine deutlich höhere Umsetzungsrate hatten als andere. So wurden 100% (6 von 6) der Bildungsvorschläge beschlossen, dafür allerdings 0% der Vorschläge aus den Feldern
- Armut (1 Empfehlungen)
- Mobilität (2 Empfehlungen)
- Wohnen (4 Empfehlungen)
- Zuwanderung und Integration (4 Empfehlungen)
Wer erarbeitet die Handlungsempfehlungen?
Die Handlungsempfehlungen werden von Fokusgruppen erarbeiten. Wer in den einzelnen Fokusgruppen aktiv ist, zeigt die Webseite transparent auf. So sind in der Fokusgruppe für Inklusion beispielsweise Vereine, gemeinnützige GmbHs und politische Akteure aktiv.
Warum wurden 2025 keine Handlungsempfehlungen erarbeitet?
Auf der Webseite steht, dass 2025 keine Handlungsempfehlungen erarbeitet wurden. Ein Grund dafür wird nicht genannt, und auch meine Suche im Internet nach einer Antwort auf diese Frage blieb ergebnislos.
Fazit
Ich habe nun eine genauere Vorstellung davon, wie der neue Ansatz der Sozialpolitik im Landkreis Pinneberg funktioniert. Um einschätzen zu können, ob der Ansatz einen Mehrwert bietet, fehlt mir Hintergrundwissen, das mir einen Vergleich zu den Sozialpolitiken anderer Landkreise erlaubt. Was ich ebenfalls nicht einschätzen kann, ist, ob aus der Tatsache, dass für einige Handlungsfelder seit 2017 nichts umgesetzt wurde, Probleme entstehen. Ich zum Beispiel hätte wenig Freude daran, 4 Vorschläge zu erarbeiten und 0 bewilligt zu bekommen, während in einem anderen Themenfeld alle Vorschläge bewilligt wurden.
Doch nichtsdestotrotz fände ich es spannend, wenn ich in Berlin oder meinetwegen in meinem Bezirk, der eine vergleichbare Einwohnerzahl wie der Landkreis Pinneberg hat, eine ähnliche Mitgestaltungsmöglichkeit hätte.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Was hältst Du von dem Modell? Wo siehst Du die Stärken, wo die Schwächen? Hättest Du ein solches Modell gern in Deiner Region?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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