Weißt Du, was ein Banause ist?

Wahre Kunst erkenne ich einfach nicht.

In der Vergangenheit habe ich mich selbst schon des Öfteren als Kunstbanause bezeichnet, weil ich damit sagen wollte, dass ich keine Ahnung von Kunst habe. Ich stehe in Museen vor Bildern wie dem Haupt der Medusa von Peter Pau Rubens und frage mich, warum Menschen ein Bild von einem abgetrennten Kopf malen, das in seiner Detailgenauigkeit mit jedem Horrorfilm mithalten kann und andere Menschen dies auch noch großartig finden.

Und weil ich von Kunst keine Ahnung habe, lese ich Bücher wie das von

Kolja Reichert: Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst.

Damit verbinde ich die Hoffnung, dass auch bei mir irgendwann der Groschen fällt, und ich beginne zu verstehen, warum solche Werke Kunst sind und warum es Sinn macht, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Fragen nach der Bedeutung der Kunst geht geht unser Autor in seinem Buch nach. Dabei bin ich über folgende Sätze gestolpert:

„Kunst nervt: Sie findet sich ultrawichtig und verlangt von allen, dass sie das auch tun. Wer es anders sieht, steht als Banause da.“

S. 12.

Ich finde nicht, dass Kunst nervt. Was mich nervt, ist, dass ich nicht verstehe, warum manche Werke wertvoll sind und andere nicht. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass Kunst sich ultrawichtig nimmt und von mir etwas verlangt. Sie ist da, hängt geduldig in Museen, und ich kann sie mir ansehen, muss es aber nicht. Da ich nicht so empfinde, wie unser Autor es beschreibt, frage ich mich nun, ob ich überhaupt alle Kriterien erfülle, um als (Kunst)Banause durchzugehen. Lass uns doch einmal schauen, ob unser Lexikon diese Frage beantworten kann.

Was das Lexikon sagt

Alles klar, ich bin wirklich ein Banause.

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon einen passenden Eintrag für uns bereit:

Banause, der; -n, -n [griech. Bánausos = Handwerker, gemein, niedrig] (abwertend): Mensch mit unzulänglichen, flachen, spießigen Ansichten in geistigen od. künstlerischen Dingen; Menschen ohne Kunstverständnis u. ohne feineren Lebensstil: er ist ein entsetzlicher B.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 279.

Ich bin nicht der Meinung, dass ich spießige Ansichten habe. Aber der Rest der Beschreibung passt perfekt zu mir. Also habe ich mich völlig zurecht als Banause bezeichnet und kann dies auch in Zukunft weiterhin beruhigt tun.

Was mich nun noch brennend interessiert, ist, warum ausgerechnet das griechische Wort für Handwerker der Ursprung für die Charakterisierung eines Menschen ist, der keine Ahnung von Kunst hat. Vielleicht weiß das Internet hier Rat.

Was das Internet sagt

Jakob Burckhardt beschäftigt sich in seinem Buch zur griechischen Kulturgeschichte im Kapitel „der koloniale und agonale Mensch“ (Link ohne https!) ausführlich mit dem Thema Banausie. Der Text ist so lang, so dass ich mir nur einige der 49 Stellen angeschaut habe, an denen der Begriff Banausie auftaucht.

Soweit ich es verstanden habe, waren die Griechen der festen Überzeugung, dass die Arbeit, die darauf abzielte, das eigene Leben zu finanzieren, unwürdig war. Das bedeutet, dass ein Mensch, der eine Skulptur erschuf und dafür bezahlt wurde, kein Kunstwerk erschaffen hatte. Hätte derselbe Mensch dieselbe Skulptur aus Spaß an der Freude erschaffen, wäre diese als Kunstwerk durchgegangen.

Das bedeutet, dass vieles, was heute in Museen steht und von uns als Kunst bewertet wird, in den Augen der alten Griechen keine Kunst gewesen wäre, weil einige dieser Künstler für ihre Arbeiten bezahlt wurden, ja sogar Auftragsarbeiten fertigten. Solche Menschen war in der Wahrnehmung der alten Griechen keine Künstler sondern Handwerken, also reine Banausen.

Fazit

Ist es nicht spannend, wieviel verborgenes Wissen in einem Begriff steckt, der einem wirklich vertraut ist? Ich habe nicht damit gerechnet, dass mich die heutige Recherche ins antike Griechenland führen könnte. Bis heute habe ich nicht verstanden, warum sich einige Künstler so schwer mit dem Geld verdienen tun. Was meinst Du, könnte es sein, dass die antiken Griechen daran schuld sind, und dass Künstler heute noch das Gefühl haben, sie seien keine Künstler sondern nur noch Handwerker, weil sie mit ihrem künstlerischen Schaffen ihr Leben finanzieren?

Buchcover zum Beitrag

Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.

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Datum & Autor

9. November 2022
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