Weißt Du, was ein Leumund ist?

Heute geht es um einen Begriff, der uns schon einmal in diesem Beitrag zum Thema Renommee begegnet ist. Damals haben wir gelernt, dass ein Renommee ein guter Ruf, bzw. Leumund ist. Die Frage, was ein Leumund ist, haben wir damals nicht beantwortet. Ich kenne den Begriff nur aus Film und Fernsehen, wo in Kontext mit Gerichtsszenen immer mal ein Leumundszeuge auftaucht. Die Autoren

Ein Mensch mit einem Cape und einem großen Hammer
Ich glaube dem Leumund und urteile…

Mechtild Opel, Wolfgang Opel: Weil ich ein Inuk bin. Johann August Miertsching – Ein Lebensbild

erwähnen den Begriff an einer Stelle in einem Buch, an der dem Missionar Johann, oder besser gesagt einer zu missionierenden Person namens Lydia unterstellt wird, dass diese Intimitäten miteinander ausgetauscht hätten. Die Autoren mutmaßen, dass Lydia, die zu diesem Zeitpunkt Lehrerin werden wollte und dies nach Erreichung dieses Ziels auch bis zu ihrem Tod 1887 war, etwas damit zu tun hatte, dass dieses Thema in Abwesenheit des Missionars zur Sprache kam. Sie schreiben:

„Vielleicht stand es mit ihrer künftigen Laufbahn in Verbindung, für die sie keinen Tratsch und schlechten Leumund gebrauchen konnte; einer reuigen Sünderin hingegen würde man wohl vergeben können – besonders wenn sie, wie Freitag schrieb, sonst immer »eine brave, sehr bescheidene Person ist, die sich vielleicht reiner und keuscher gehalten hat wie irgendein Eskimo-Mädchen, sodaß man nie eine Klage der Art über sie vernommen hat.«“

S. 358.

Lass uns doch einmal schauen, was uns unser Lexikon über den Leumund weiß.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon weiß nicht nur, was der Begriff bedeutet, es verrät uns auch, dass er sich aus dem Mittelhochdeutschen ableitet.

Leu|mund, der; -[e]s [mhd. liumunt, ahd. (h)liumunt, eigtl. = Gehörtes, verw. mit ↑laut]: guter od. schlechter Ruf, in dem jmd. aufgrund seines Lebenswandels bei seiner Umgebung steht: sein L. ist schlecht; jmdm. einen einwandfreien L. bescheinigen; er gibt ihr den besten L. (weiß nur Gutes über sie zu sagen); ein Mensch mit gutem L.; *böser L. (üble Nachrede; Verleumdung).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1463.

Ein Mensch macht einen Handstand
So betrachtet war ich immer vorbildlich.

Ein Leumund ist also ein guter oder ein schlechter Ruf, den sich ein Mensch aufgrund seines Lebenswandels erarbeitet.

Die Autorinnen mutmaßen also, dass Lydia Sorge gehabt haben könnte, dass die Menschen in ihrem Umfeld ihr aufgrund ihrer guten Zusammenarbeit mit einem Missionar einen schlechten Ruf andichten würden und dass dieser schlechte Ruf ihrem Wunsch, Lehrerin zu werden, im Weg stehen könnte.  

Fazit

Wir wissen nun was ein Leumund ist, und ich verstehe endlich, warum es einen Leumundszeugen braucht. Beim Leumund geht es nicht um ein einzelnes Geschehen, sondern um einen Ruf, der über eine längere Zeitspanne auf Basis vieler kleiner wahrer und unwahrer Datensätze entsteht.

Ich finde es spannend, dass die Aussage eines Leumundszeugen bis heute relevant ist, obwohl ein Leumund auch nur mutmaßen kann. Wenn sich Lydia und Johann allein in einem Raum befunden haben, dann kann kein Mensch außer den beiden sagen, ob es währenddessen zu Intimitäten kam oder nicht. Das können nur die beiden wissen. Alle anderen Personen können nur mutmaßen. Jene, die Lydia gegenüber positiv eingestellt sind, werden eher aussagen, dass es zu keinen Intimitäten kam, jene, die ihr gegenüber negativ eingestellt sind, werden eher sagen, dass es zu Intimitäten kam. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich empfinde beides als Zeugnis nicht glaubwürdig.

Nachdem ich nun schon die Sinnhaftigkeit unseres heutigen Begriffes in Frage gestellt habe, möchte ich noch ein schnelles Wort zu unserem heutigen Zitat verlieren. In unserem heutigen Zitat, das ein Zitat aus dem 19. Jahrhundert enthält, taucht der Begriff Eskimo auf, der als diskriminierend und politisch inkorrekt aufgefasst werden kann. Nichtdiskriminierende Begriffe für Menschen aus diesen Regionen lauten Inuit, Kalaallit, Yupik, Inupiat, Inuvialuit und Alutiiq. Wobei jeder Begriff für eine andere Bevölkerungsgruppe steht. Welche Bevölkerungsgruppe mit welchem Begriff gemeint ist, kannst Du in diesem ausführlichen Beitrag nachlesen. Lydia war eine Inuit.

19. Oktober 2026
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Ein Nachdenklicher Daumen hoch.
3,5 min readCategories: Bücher, Wissen

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19. Oktober 2026
Ein Lattenzaun. Eine Latte hat eine andere Latte in der Hand. Delatte meckert herum. Die anderen Latten am Zaun schauen verzweifelt aus.Weißt Du, woher der Begriff perfide kommt?
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