Weißt Du, was ein mediokres Wesen ist?
Heute geht es um einen Begriff, der mir noch nie zuvor begegnet ist. Dank des Autors

Martin Buchholz: Männer, Macht und Mythen. Von Erschöpfern und Erschöpften
weiß ich, dass Martins Großvater Oskar ein Dorfdiakon in Brandenburg ein mediokres Wesen war. Er schreibt:
„Er war kein großer Kirchenmann, sondern eher ein mickriges Kirchenmännlein. Er war demütigst überzeugt von seiner Minderwertigkeit im Angesicht jeglicher Herren. Je mehr er vor der Obrigkeit als mediokres Wesen kniefällig herumkroch, desto mehr brauchte er eine Untrigkeit, der er sich über wertig fühlen konnte.“
S. 16.
Großvater Oskar war offenbar kein sympathischer Mensch. Er gehörte zu den Menschen, die nach oben Buckeln und nach unten treten. Unter ihm befanden sich seine Frau und Martin, die er beide tyrannisierte.
Lass uns doch jetzt einmal mit Hilfe unseres Lexikons schauen, ob alle mediokren Wesen solch ein Verhalten an den Tag legen.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt zwar kein mediokres Wesen, doch es verrät uns, was ein mediokrer Typ ist.
me|di|o|ker <Adj.>: [frz. médiocre < lat. mediocris] (bildungsspr.): mittelmäßig: ein mediokrer Typ.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1536.

Medioker bedeutet laut unserem Lexikon also mittelmäßig. Es ist ein bildungssprachlicher Begriff, der in meinen Augen perfekt dazu geeignet ist, einen Menschen zu beleidigen, der sich für überdurchschnittlich hält, aber nur einen begrenzten Wortschatz verfügt, zu beleidigen. Denn in meinen Ohren klingt medioker eigentlich ganz nett.
Da ich mir nicht sicher bin, ob Martin uns wirklich nur sagen möchte, dass sein Großvater mittelmäßig war, schauen wir jetzt noch schnell im Internet, ob dies die Formulierung mediokres Wesen kennt.
Was das Internet sagt
Das Internet kennt auch kein mediokres Wesen.
Fazit
Wir wissen nun was medioker bedeutet. Es tut mir sehr leid, dass Martin und seine Großmutter unter einem Menschen leiden mussten, der in seiner Rolle offenbar gefangen war.
Es freut mich sehr, dass sich die Welt inzwischen weiterentwickelt hat und dass es immer mehr Bereiche im Leben gibt, in denen Menschen sich auf Augenhöhe begegnen können. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Frauen und Kinder in der Vergangenheit unter Männern zu leiden hatten, die ihre tägliche öffentliche Unterwerfung zu Hause kompensierten, weil sie hier „der Herr im Haus waren“. Ich bin wirklich froh, dass wir uns gesellschaftlich weiterentwickelt haben und dass die 1948 entstandene Charter der Vereinten Nationen klarstellt, dass alle Menschen gleich sind. Mir ist bewusst, dass das, was dort auf dem Papier steht, noch nicht vollumfänglich umgesetzt ist. Doch in meiner Wahrnehmung bewegen wir uns immer weiter auf dieses Ideal zu, indem immer mehr nationale Gesetze erlassen werden, die diese Gleichheit im Alltag gewährleisten bzw. einforderbar machen. Gesetze wie das im Juni 2025 in Kraft getretene Barrierefreiheitsstärkungsgesetz sorgen dafür, dass Menschen mit Behinderung im Alltag immer weniger Hürden akzeptieren müssen, weil Dinge wie Geldautomaten und Webseiten nun so gestaltet sein müssen, dass Menschen mit Behinderung diese nutzen können.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Kennst Du noch ein mediokres Wesen wie Martins Großvater, oder begegnen sich die Menschen in Deinem Umfeld auf Augenhöhe.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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