Weißt Du, was eine Korpuskularbewegung ist?
Unser heutiger Begriff stammt aus einem Buch, dass ich zwar gelesen, aber ganz gewiss, wenn überhaupt nur oberflächlich verstanden habe. Als ich das Buch

Gottfried Gabel: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein
eingesammelt habe, weil auf einem Bürgersteig ausgesetzt wurde, hatte ich die Hoffnung, dass es endlich mein Schlüssel in das Thema Philosophie sein würde. Diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt, was meiner Vermutung nach daran liegt, dass das Buch für Menschen geschrieben wurde, die sich im Rahmen ihres Studiums mit Philosophie beschäftigen werden und nicht für Menschen wie mich, die einfach nur ein leichtes Interesse, aber kein Vorwissen haben.
Damit das Leen des Buches nicht vollkommen umsonst war, schlagen wir heute mit der Korpuskularbewegung einen der vielen Begriffe nach, die mir in dem Buch begegnet sind. Gottfried verrät uns, dass der Begriff etwas mit dem Philosophen René Descartes zu tun hat:
„An Descartes (1596-1650) scheiden sich also die Geister. Er hat das (abendländische) neuzeitliche Denken maßgeblich mitbestimmt, ob zum Guten oder zum Schlechten steht noch dahin. Eine wesentliche Rolle bei der Beurteilung spielt der Umstand, daß Descartes zu den Begründern des mechanischen Weltbildes gehört, dem gemäß alles Geschehen als ewige Korpuskularbewegung von Materie gedeutet wird.“ S. 12.
René ist uns schon in einigen Beiträgen begegnet, so wissen wir bereits, dass wir ihm den Cartesianischen Taucher und die Kartesianischen Koordinaten verdanken. Ich bin sehr gespannt welchem spannenden Thema wir dank René heute begegnen werden.
Was das Lexikon sagt
Die Korpuskularbewegung kennt unser Lexikon nicht. Doch es weiß was korpuskular bedeutet:
kor|pus|ku|lar (Adj.) (Physik): 1. das Korpuskel, die Korpuskeln betreffend. 2. aus kleinsten Teilchen bestehend.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1366.
Kor|pus|kel, das; -s, -n, Fachspr. auch: die; -. -n [lat.corpusculum, Vkl. von: corpus,↑Körper) (Physik): kleinstes [atomares] Teilchen.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1366.
Wenn korpuskular „die kleinsten Teilchen betreffend“ meint, dann müsste die Korpuskularbewegung doch die Bewegung der kleinsten Teilchen sein, oder? Lass uns doch einmal schauen, ob das Internet diese Vermutung bestätigen kann.

Was das Internet sagt
Nach zahlreichen Anläufen habe ich mit Hilfe von Google Books etwas zur Korpuskularbewegung und René gefunden. In dem Buch
Josef Müller: System der Philosophie. enthaltend Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik, Psychologie, Moral- und Religionsphilosophie
aus dem Jahr 1898 steht, dass René der Körper keine Kräfte habe:
„Der Körper hat auch keine Kräfte, nur mechanische Korpuskularbewegung; alle Naturgesetze sind Bewegungsgesetze, jede Bewegung kommt von außen, wird mitgeteilt durch Stoß. Die Größe der Bewegung ist in der Natur konstant, denn Gott ändert nicht sein Wirken.“
Ich bin mir nicht zu 100 % sicher, aber in meinen Ohren klingt das nach einer Bestätigung der Vermutung, dass es sich bei der Korpuskularbewegung um die Bewegung der kleinsten Teilchen handelt.
Fazit
Dank unserem Lexikon wissen wir nun, dass Korpuskulare zu René Zeiten die kleinsten (atomaren) Teilchen waren. Zudem haben wir die Vermutung, dass es sich bei der Korpuskularbewegung um die Bewegung der kleinsten Teilchen handelt. Leider ist es uns nicht gelungen wirklich tief in das Thema einzusteigen, aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm, weil René Wissen fast ein halbes Jahrhundert alt ist und nicht mehr dem heutigen Wissen entspricht. Ich für meinen Teil bin okay damit, aus der heutigen Recherche mit einem ähnlich verlorenen Gefühl herauszugehen wie aus Gottfrieds Buch.
Es gab Zeiten, in denen ich es nicht aushalten konnte, ein Buch nicht zu verstehen. Heute ist das anders. Heute weiß ich, dass es so viel Wissen auf der Welt gibt, dass ich nicht alles Wissen kann. Heute weiß ich, dass neugierige Unwissenheit spannende Gesprächseinstiege sein können. Jemensch, der sich mit einem Thema auskennt, dass die Mehrheit der Menschen nicht interessiert, ist meiner Erfahrung eine Person, der sein Wissen gern teilt. Dank Gottfrieds Buch habe ich also nun die Chance irgendwann einmal eine spannende Unterhaltung zum Thema Erkenntnistheorie zu führen.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie gehst Du mit Büchern um, bei denen Du das Gefühl hast, dass Du sie nicht verstehst?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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