Weißt Du, was eine Menagerie ist?
Heute geht es um einen Begriff, der mir schon so oft begegnet ist, dass mir noch nie aufgefallen ist, dass ich mir gar nicht sicher bin, was er bedeutet. Meine Wissenslücke ist mir nur bewusst geworden, weil der Autor von

Ed Yong: Die erstaunlichen Sinne der Tiere. Erkundungen einer unermesslichen Welt
sein Buch mit einem ausgedachten Szenario beginnt, in welchem sich
- ein Elefant
- eine Maus
- ein Rotkehlchen
- eine Eule
- eine Fledermaus
- eine Klapperschlange
- eine Spinne
- eine Mücke
- eine Hummel und
- ein Mensch namens Rebecca
in einem Raum befinden. Statt nun zu schauen, wie diese wilde Zusammenstellung sich verhält, richtet Ed den Blick der Leser auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Lebewesen im Raum. Er schreibt:
„Sehen wir uns lieber an, wie Rebecca und die übrigen Mitglieder der Menagerie sich gegenseitig wahrnehmen.“
S. 7.
Beim ersten Lesen des Begriffes dachte ich an einen Zirkus, doch dann fiel mir auf, dass der Raum in einem Zirkus eine Manege und keine Menagerie ist. Also brauche ich die Hilfe unseres Lexikons, um den Satz unseres Autors zu entschlüsseln.

Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon verrät uns die Bedeutung und die Herkunft unseres Begriffes.
Menagerie [-ʒəˈriː; frz.] die, veraltend für: Tierschau, -gehege.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 09, S. 478.
Menagerie, die; -, -n [frz. ménagerie, eigtl. = Haus(tier)haltung] (veraltend): Tierschau; Tiergehege: der Zirkus zieht mit seiner M. umher.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1545.
Jetzt, wo ich weiß, was unser heutiger Begriff bedeutet, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob er mir wirklich schon so oft begegnet ist.
Was uns unser Autor sagen möchte
Irgendetwas sagt mir, dass unser Autor den Begriff Menagerie sehr bewusst gewählt hat. Er schreibt nicht, dass sich in dem Raum Tiere und ein Mensch befinden, sondern er bezieht auch den Menschen in den Begriff Tierschau mit ein und macht somit deutlich, dass der Mensch ein Tier oder genauer gesagt ein Säugetier ist.
Fazit
Wir wissen nun was unser heutiger Begriff bedeutet und wissen, warum unser Autor diesen Begriff wählt. Vor ein paar hundert Jahren wäre der Satz unseres Autors europäischen Lesern wohlmöglich bitter aufgestoßen. Denn lange Zeit hielt sich der Mensch für etwas Besseres. Tiere waren Essen für den Menschen. Es wurde immer wieder betont, dass der Mensch kein Tier ist. Einzig der Mensch sei intelligent, Tiere hätten lediglich Instinkte.
Zum Glück hat sich diese Wahrnehmung der Tiere inzwischen geändert. Bücher wie jenes von Ed machen deutlich, dass Tiere alles andere als dumm sind. Viele von ihnen haben nicht nur in Bezug auf die Wahrnehmung Fähigkeiten, mit denen der Mensch nicht annährend mithalten kann. Dank Menschen wie Ed hat sich das Bild, dass der Mensch vom Tier hat gewandelt und wandelt sich weiter. Da die Veränderung in der Wahrnehmung von Tieren Auswirkung auf die Gesetzgebung hat, lässt sich an dieser gut die historische Entwicklung ablesen. Erst seit 1871 ist das Quälen von Tieren in Deutschland überhaupt strafbar, es dauerte bis 2002, bis der Tierschutz in das Deutsche Grundgesetz aufgenommen wurde.
Ich vermute stark, dass wir in Sachen Tierschutz und -recht noch immer ganz am Anfang stehen und irgendwann der Tag kommt, an dem es strafbar sein wird, ein Tier zu töten, wenn dieses einem keinen Anlass dazu gegeben hat. Somit dürften die Nachkommen in Eds imaginärem Raum auf eine bessere Zukunft hoffen. Bis auf die Mücke. Da das kleine Biest ständig alles angreift, was Blut in den Adern hat, wird es wohl auch in ferner Zukunft keine Strafen für Racheakte an Mücken geben.
Ich für meinen Teil gehöre noch immer zu den Fleischfressern. Obwohl ich weiß, dass Tiere Lebewesen sind, habe ich ab und an einfach Lust auf Fleisch und esse es daher. Doch weil mir immer bewusster wird, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, esse ich immer weniger Fleisch. Als Kind habe ich mich nur geweigert niedliche Tiere wie Hasen zu essen, heute weigere ich mich auch Hummer zu essen, da ich es absolut fies finde, dass diese noch immer lebend ins kochende Wasser geworfen werden.
Da die Fleischalternativen und vegetarischen Rezepte immer besser werden, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass irgendwann der Tag kommt, an dem auch ich zu den Menschen gehöre, die keine Tiere mehr essen. An dieser Stelle bin ich neugierig: Hat sich Deine Wahrnehmung von Tieren in den letzten Jahren verändert? Hat dies Einfluss auf Deine Essgewohnheiten?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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