Weißt Du, was die terra nullius ist?
Heute geht es um eine Formulierung, die mir noch nie zuvor begegnet ist. Aus diesem Grund habe ich mich sehr gefreut, dass der Autor von

Roman Krznaric: Der gute Vorfahr. Langfristiges Denken in einer kurzlebigen Welt
sie in seinem Buch nicht nur erwähnt, sondern im gleichen Atemzug auch erklärt.
Roman zeigt in seinem Buch Wege auf, die die Welt in eine bessere Zukunft führen können. Einer dieser Wege besteht darin aus unseren Fehlern zu lernen. Ein Fehler aus der Vergangenheit, den die Europäer begangen haben, ist die Kolonisierung.
„Im 18. und 19. Jahrhundert, als Australien von Großbritannien kolonisiert wurde, berief man sich auf eine juristische Lehre, die heute unter dem Namen terra nullius »Niemandes Land« bekannt ist. Sie diente als Rechtfertigung dafür, den Kontinent zu erobern und die indigene Bevölkerung zu behandeln, als würden sie nicht existieren oder als hätte sie keinerlei Anspruch auf das Land.“
S. 18.
Roman schreibt, dass wir uns so verhalten, als ob die Zukunft eine tempus nullius, also eine Niemandes Zeit wäre. Mit diesem Verhalten gefährden wir das Leben der ungeborenen Generationen. Während für uns dieses Verhalten völlig normal ist, werden die Menschen unser heutiges Verhalten in 200 oder 300 Jahren möglicherweise genauso negativ beurteilen, wie wir heute das Verhalten der Kolonialisten. Doch das muss so nicht sein. Wir können aufhören die Zukunft wie eine Niemandes Zeit zu behandeln und unser Autor zeigt in seinem Buch Wege auf, wie uns das gelingen kann.
Nachdem wir nun wissen in welchem Kontext unser heutiger Begriff auftaucht, würde ich nun gern mehr Details über ihn wissen. Lass uns daher mal schauen, ob unser Lexikon uns diese verraten kann.
Was das Lexikon sagt
Nein, kann es nicht. Unser Lexikon hält keinen Beitrag zum Thema terra nullius für uns bereit.

Was das Internet sagt
Zu meiner großen Freude arbeitet unser Autor mit Fußnoten und Quellenangaben. In seiner Fußnote zu unserem Zitat erklärt Roman, wie er zu den beiden Begriffen terra nullius und tempus nullius gekommen ist. Da uns heute nur die erstere interessiert, gehe ich an dieser Stelle nur auf diese ein.
Die terra nullius stammt aus den Arbeiten des Historikers Henry Reynolds
„der sich mit den Landrechten der indigenen Gruppen in Australien beschäftigt hat.“
S. 320.
Romans Fußnote enthält einen Link zu dem Artikel Henry Reynolds: A new historical landscape?, den ich angelesen habe. In diesem erklärt Henry, dass er den Fachbegriff terra nullius ins Leben gerufen hat, um das, was 1788 im Zuge der Kolonialisierung Australiens geschehen ist zu beschreiben. Henry hat den Begriff von territorium nullius abgeleitet, der im späten 19. Jahrhundert genutzt wurde, um die Kolonialisierung der Europäer in Afrika zu beschreiben. Die Europäer erkannten den Landbesitz der lokalen Bevölkerung an. Da die Europäer keine Souveränität in der lokalen Bevölkerung sahen, nahmen sie das Land dennoch in Besitz. Dank Henrys Artikel wissen wir nun in welchem Sinne unser Autor Roman den Begriff nutzt.
Wenn wir das Internet nach dem Begriff terra nullius befragen, wird schnell deutlich, dass der Begriff nicht nur in Bezug auf die Kolonialisierung Australiens bezogen wird. Der Wikipedia Beitrag Niemandsland (lateinisch terra nullius) definiert den Begriff wie folgt:
„Der Begriff Niemandsland (lateinisch terra nullius) bezeichnet ein Gebiet, das niemandem gehört, also
- staatsrechtlich herrenlos ist oder
- von niemandem besiedelt und gepflegt oder bewirtschaftet wird oder
- zwischen den Frontlinien eines Krieges liegt.“
Die Kolonisten haben sich die Sache mit dem Niemandsland nicht ausgedacht, auch die Römer kannten Dinge ohne Besitzer (res nullius) die einfach in Besitz genommen werden konnten.
Fazit
Wir wissen nun, dass der Begriff terra nullius verschiedene Bedeutungen hat. Wenn der Begriff mir in Zukunft begegnen sollte, werde ich also hoffentlich daran denken zu fragen in welchem Sinne er verwendet wird.
Im Rahmen der Recherche ist mir bewusst geworden, dass wir inzwischen verstanden haben, dass im Zuge der Kolonialisierung großes Unrecht geschehen ist. Weil die Europäer Kategorien wie zivilisierte Menschen und Barbaren unterschieden, hatten sie die Möglichkeit Barbaren weniger Rechte zuzugestehen als sich selbst. Immer wenn wir Unterscheidungen wie diese treffen, geben wir uns die Möglichkeit Dinge unterschiedlich zu bewerten. Die Barbaren hatten in den Augen der Kolonialisten weniger Rechte. Wir sind keinen Deut bessern, denn unsere Bedürfnisse sind uns wichtiger als die Bedürfnisse zukünftiger Generationen. Denken wir diesen Gedanken weiter, so bin ich gespannt was in einigen hundert Jahren passieren wird, wenn wir aufhören Menschen und Tieren unterschiedliche Rechte einzuräumen.
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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