Weißt Du, was Gefilde sind?

Heute geht es um einen Begriff, der mir immer wieder begegnet. Ich war mir bis jetzt so sicher, dass ich die Bedeutung des Begriffes kenne, dass ich nie in Erwägung gezogen habe, diesen nachzuschlagen. Dank des Autors

Wow, Du hast aber ganz schön viele Gefilde.

Harald Koberg: Streitpunkt Games. Warum die Kritik an digitalen Spielen zu kurz greift,

werde ich heute herausfinden, ob ich mit der Übersetzung Gefilde = Gebiete richtig liege und woher der Begriff eigentlich stammt.

Unser Autor versucht zu Beginn seines Buches unter anderem zu definieren, was genau digitale Spiele sind, welche Arten von Spielen es gibt und wer diese Spiele spielt. Dabei streift er auch das Thema „Geschlecht“. Harald verrät seinen Lesern, dass es Statistiken gibt, die zeigen, dass in manchen Ländern der Europäischen Union genauso viele Frauen digitale Spiele spielen wie Männer. Laut dieser Statistik, die ich online gefunden habe, zählt Deutschland statistisch beinahe zu diesen Ländern. Hier lag die Frauenquote 2020 bei 48%.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Spieler allerdings noch immer männlich. Ein Erklärungsansatz unseres Autors für diesen Umstand lautet wie folgt:

„Für Frauen und queere Personen gibt es diesbezüglich mehrere Hürden: zum einen ist anzunehmen, dass diese Rollenbilder, viele unter ihnen davon abhalten, sich überhaupt in Gaming-Kontexten zu bewegen. Zum anderen trägt der Wunsch, bei einem Ausflug in >männliche< Gefilde nicht auch noch intensiv beobachtet zu werden, dazu bei, dass sich eben diese Gruppen, wenn sie schon einmal dorthin vordringen, gern im Hintergrund halten oder sich ihre eigenen Kommunikationsräume schaffen, wo sie mit Gleichgesinnten unter sich sind.“

S. 46.

Lass uns nun einmal schauen, was genau unser heutiger Begriff bedeutet, damit wir die Begründung unseres Autors voll und ganz verstehen.

Was das Lexikon sagt

Eine Vogelscheuche, auf deren Kopf ein Vöglechen sitzt, dass sich ein wenig von dem Stroh geschnappt hat, mit dem die Vogelscheuche gefüllt ist
Schöne Gefilde, oder?

Unser Lexikon verrät uns, dass unser heutiger Begriff aus dem mittelhochdeutschen bzw. althochdeutschen stammt und dass ich mit meiner Übersetzung nicht ganz falsch lag:

Ge|fil|de, das; – s, – [mhd. gevilde, ahd. gifildi, eigtl. = Gesamtheit von Feldern, Kollektivbildung zu ↑Feld] (geh.): Landschaft, Gegend: anmutige, ländliche, sonnige G.; die himmlischen, die elys[ä]ischen G., die G. der Seligen (griech. Myth.; Elysium, Paradies); sich in heimatlichen -n nähern (scherzh.; sich der Heimat nähren; bald zu Hause sein).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 858.

Was uns unser Autor sagen möchte

Was meiner Übersetzung bislang fehlte war der heimatliche Aspekt. Frauen und queere Menschen drängen also nicht nur in männliche Gebiete vor, sondern in männliche Gebiete, in denen Männer sich zu Hause fühlen.

Da ich nun die Bedeutung unseres heutigen Begriffes kenne, verstehe ich, dass das Zitat sich auf eine frühere Stelle in Haralds Buch bezieht, in der er schreibt, dass Frauen in Audiochats von Onlinespielen häufiger erleben, dass der gesamte Chat verstummt, weil eine weibliche Stimme zu hören ist. Im Anschluss an das Schweigen passiert es durchaus, dass Fragen wie „bist Du scharf“ gestellt werden, die nichts mit dem Spiel zu tun haben. Plötzlich sind die anderen Spieler nicht mehr mit voller Konzentration beim Spiel. Um solche Situationen zu vermeiden, halten Frauen sich im Hintergrund.

Ich bin eine Frau und leidenschaftliche Gamerin

Ich zocke echt gern.

Damit hier keiner sagen kann, dass er keine Frau kennt, die gerne zockt, oute ich mich an dieser Stelle: Ich zocke seit meinem siebten Lebensjahr leidenschaftlich gern. Damals wollte ich unbedingt einen Nintendo haben. Mein Vater schleppte einen Commodore 64 für mich an. Ich habe keine Ahnung, ob er wusste, dass eine Spielekonsole (der Nintendo, den ich wollte) und ein Computer (der C64, den ich bekam) völlig unterschiedliche Geräte waren.

Im ersten Moment war ich irgendwie enttäuscht. Doch als ich verstand, dass man mit dem C64 spielen konnte, war ich super glücklich. Damals zockte ich leidenschaftlich gern Turrican, ein jump and run Spiel, in dem eine bewaffnete Figur allerlei Gegner besiegt.

Jahre später baute ich mir einen eigenen Rechner und zockte mit meinen Freunden. Lediglich für Lan Partys konnte ich mich damals nicht begeistern, weil mir alles zu lange dauerte. Erst musste der schwere Rechner und der Röhren-Monitor dahin geschleppt werden, dann brauchte man die Hälfte der Zeit dafür, alle Rechner miteinander zu verbinden und am Ende zockten wir Spiele, die ich noch nie zuvor gespielt hatte, so dass ich immer verlor.

In meiner Schulzeit verbrachte ich fast alle Sommerferien mit dem neusten Teil der Grand Theft Auto (GTA) Serie, in denen ich als Spieler in die Rolle eines Gangsters schlüpfte und allerlei Verbrechen beging. Um das Ganze noch ein wenig realistischer zu gestalten, organisierte ich mir aus dem Internet einen Blood-Cheat, dank dessen die Figuren ordentlich bluteten, wenn meine Figur sie tötete. Wenn es gerade keinen neuen GTA-Titel gab, schlug ich mir mit den „Siedlern“, einem süchtig machenden Strategiespiel, die Nächte um die Ohren.

Als Erwachsene zogen die ersten echten Spielekonsolen in meinen Haushalt ein. Heute zocke ich unter anderem gern

Endlich verdien ich mein eigens Geld und kann Spiele kaufen.
  • Forza Horizon – ein Autorennenspiel auf der
  • Ori and the Blind Forest – keine Ahnung in welches Genre das Gehört, aber es ist der Hammer,
  • Need for Speed – ein Autorennenspiel
  • Spiele aus der Super Mario Serie.

Soweit ich mich erinnern kann, bin ich bis jetzt in meiner gesamten Gamingzeit noch nie von einem Mann deshalb schief angeschaut worden, weil ich gerne spiele. Vielleicht liegt das daran, weil ich alle Mitspieler persönlich kenne und nicht in Online- Audiochats unterwegs bin. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass mir noch nie jemand erzählt hat, dass digitale Spiele nichts für mich sind, weil ich eine Frau bin. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mir grundsätzlich nicht einreden lasse, dass ich irgendwas nicht kann oder darf, weil ich eine Frau bin.

Fazit

Wir wissen nun, was es mit den Gefilden auf sich hat, und wir wissen auch, dass Frauen genauso gern digitale Spiele spielen wie Männer. Damit dies auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, braucht es nun einige mutige Frauen, die das Schweigen in Audiochats aushalten. Sobald Männer realisieren, dass manche Frauen an Spielen wie GTA, Counter Strike und FIFA genauso viel Freude haben wie sie, werden sie nicht mehr verstummen, sobald im Chat eine weibliche Stimme ertönt.  Wenn Frauen und queere Menschen in der Gamingszene sichtbarer werden, werden diese Gruppen bald als normal wahrgenommen.

Spieleproduzenten wie Nintendo tragen bereits aktiv zu diesem neuen Normalzustand bei. In den ersten Super Mario Spielen musste Prinzessin Peach noch von den mutigen Klempnern Luigi und Mario gerettet werden und hatte lediglich eine Zuschauerrolle inne. In den aktuellen Spielen gehört die Prinzessin zu den Spielfiguren, die aktiv mitspielen können. 

An dieser Stelle bin ich neugierig: Welche Spiele zockst Du leidenschaftlich gern?

8. Mai 2024
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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  1. Holger Fischer 8. Mai 2024 at 13:40 - Reply

    Die himmlischen Gefilde werden in der griechischen Mythologie Elysion (lateinisch Elysium) bezeichnet. Dieses Paradies ist allerdings ausschließlich für ausgezeichnete Helden und Heldinnen (Heroen und Heroine) gedacht ->

    https://www.mythologie-antike.com/t48-elysion-die-insel-der-seligen-und-vom-goldenen-zeitalter

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