Weißt Du, was Profanität ist?

Heute geht es um einen Begriff, der mir so häufig begegnet, dass mir erst dank des Autors

James Bridle: Die unfassbare Vielfalt des Seins. Jenseits menschlicher Intelligenz.

Ich bau mir mal schnell ein autonomes Auto, um zu verstehen, wie Künstliche Intelligenz tickt.

bewusst geworden ist, dass ich mir nicht sicher bin, was er bedeutet. Unser Autor nimmt zu Beginn das Thema Künstliche Intelligenz sehr genau unter die Lupe. Er schildert unter anderem, wie er sich selbst ein autonomes Auto baute, um zu verstehen, wie genau Künstliche Intelligenz funktioniert.

Er kommt für sich selbst zu dem Schluss, dass wir Menschen Künstliche Intelligenz derzeit so klassifizieren, wie wir Tiere klassifizieren:

  • Haustier,
  • Nutztier,
  • wildes Tier.

Jede Künstliche Intelligenz, die wir bisher geschaffen haben, fällt in die ersten beiden Kategorien, und wir haben Angst vor einer Künstlichen Intelligenz, die in die dritte Kategorie fallen würde.

Das autonome Auto, mit dem sich unser Autor so intensiv beschäftigt hat, fällt James Einschätzung in alle drei Kategorien. Es ist

  • ein Haustier, weil es einem aufs Wort gehorcht,
  • ein Nutztier, weil es produktiv ist und einen dahin bringt, wo wir hin wollen,
  • ein wildes Tier, weil es selbst bestimmen kann, wie es uns zum Bestimmungsort bringt.
Ich bin mehr als Wolle und Fleisch, Schätzchen.

Aus James Sicht, ist diese Einteilung für Tiere überholt. In seinen Augen ist es an der Zeit, das Herr-Diener-Sklave-Ressource-Denken gegenüber Tieren aufzugeben und das Verhältnis neu zu denken. Aus diesem Grund ist auch er dagegen, dass wir Künstliche Intelligenzen in diese Kategorien stecken. Stattdessen sollten wir uns auf das neue Potenzial konzentrieren, das uns die neue Technologie schenkt. So könnten wir z. B.das autonome Fahren nicht als einen Ersatz unserer bisherigen Autos denken, sondern als Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs. Statt autonome Fahrzeuge zu produzieren, die einem umweltschädlichen autonomen Individualverkehr dienen, könnten wir autonome Fahrzeuge schaffen, die einem ressourcenschonenderen öffentlichen Verkehr dienen.

„Auf diese Weise könnte er [der autonome Verkehr] uns aus der Profanität des Lebens befreien und mit einer Vielzahl von neuen, plappernden Gefährten bekanntmachen, angefangen mit ihm selbst.“

S. 43.

Lass uns nun einmal zum Lexikon greifen, damit wir verstehen, was genau unser Autor uns mit diesem Satz sagen möchte.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon kennt nicht nur die Bedeutung des Begriffes, sondern auch dessen Ursprung.

Das passiert echt jeden Tag.

Pro|fa|ni|tät, die; -, -en [lat. profanitas] (bildungsspr.): 1. <o. PL.> Weltlichkeit. 2. Alltäglichkeit.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1807.

profan [lat. »nicht geheiligt«], weltlich (Ggs. sakral); alltäglich.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 11, S. 546.

Was uns unser Autor sagen möchte

Obwohl wir nun wissen, was der Begriff bedeutet, bin ich mir nicht 100 Prozent sicher, was uns unser Autor sagen möchte. Mit dem Wissen der Bedeutung des Begriffes Profanität, interpretiere ich den Satz unseres Autors wie folgt:

Unser Autor möchte uns mit seinem Satz sagen, dass wir autonomen Verkehr so nutzen können, wie wir Individualverkehr bis jetzt genutzt haben, ihn also zu etwas Alltäglichem machen. Wir könnten den autonomen Verkehr aber auch aus einer anderen Perspektive sehen. Statt ein autonomes Fahrzeug so wie ein Individualverkehr-Nutztier zu sehen und zu behandeln, könnten wir autonome Fahrzeuge als Erweiterung des öffentlich Verkehrs sehen. Wenn wir dies tun, dann hocken wir nicht mehr allein in unseren Fahrzeugen. Wenn wir dies tun, begegnen wir in unseren autonomen Fahrzeugen Mitreisenden. Statt unsere Alltagsroutinen, wie z. B. Radiohören beim Fahren fortzusetzen, könnten wir mit unseren Mitreisenden in Kontakt treten und so neue Dinge und neue Perspektiven kennenlernen.

Fazit

Dank unseres Lexikons weiß ich nun endlich, was genau profan bedeutet. Dank dem Kontext, in den unser Autor den Begriff eingebaut hat und dank seines Buches, drehen meine Gedanken wohl noch eine Weile Kreise. In diesem Jahr habe ich mein Deutschlandticket das erste Mal genutzt, um Berlin zu verlassen. Während meiner Fahrten habe ich mal gearbeitet und mal mit meinen Mitreisenden gesprochen. Ich weiß daher, wie bereichernd Gespräche mit anderen auf solchen Fahrten sein können.

Allerdings weiß ich auch, wie schwierig es ist, den aktuellen öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, um damit außerhalb von Berlin pünktlich zu einem Termin zu erscheinen. Wenn Züge nicht alle 10 Minuten kommen, sondern nur alle 2 Stunden, sorgt ein einzelner Zugausfall für eine Verspätung, die im Arbeitsalltag nicht tragbar ist. Ich glaube, dass autonomer Verkehr an dieser Stelle viel Potenzial hat. Dank ihm könnten wir die Taktung auf Streckennetzen ganz anders planen. Vielleicht könnten wir ihm sogar gänzlich die Planung überlassen. 

Vielleicht ist das, was James sagt, der fehlende Baustein, den unser öffentlicher Nahverkehr braucht, um dem Individualverkehr endlich das Wasser reichen zu können, oder diesen vielleicht sogar endlich zu übertrumpfen.

9. Juli 2024
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