Weißt Du, was überkandidelt bedeutet?
Mir ist unser heutiger Begriff schon sehr oft begegnet. Doch irgendwie habe ich es nicht geschafft, mich mit seiner genauen Definition zu beschäftigen. Dank des Autors

hole ich das heute endlich nach. Paul stellt in seinem Buch eine hypothetische Superintelligenz namens Rokos Basilisk vor. Rokos ist eine Intelligenz, die der Menschheit hilft. Das Problem ist, dass Rokos der Menschheit erst helfen kann, sobald er existiert. Mit jedem Tag, an dem Rokos noch nicht erfunden wurde, sterben aus seiner Sicht unnötigerweise Menschen. Daher bestraft Rokos alle Menschen, die davon wussten, dass es so eine Superintelligenz geben könnte und nicht alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um diese real werden zu lassen. Der Absatz über die imaginäre Superintelligenz endet mit dem Hinweis, dass die Person, die diese Information gerade gelesen hat, nun von Rokos weiß und sich nun besser darum kümmern sollte, dass die Intelligenz entwickelt wird, damit die Person in Zukunft nicht zu denen gehört, die von Rokos bestraft werden.
Kurz darauf bezeichnet Sumit das Rokos-Szenario als eine Version eines Kettenbriefes:
„Weniger freundlich formuliert ist es eine überkandidelte Version dieser Kettenbriefe, in denen man aufgefordert wird, sie unter Androhung des Todes an zehn seiner Freunde weiterzuleiten.“
S. 324.
Die Kettenbriefe und das Rokos-Szenario verfolgen das Ziel, einen Menschen zu motivieren, etwas zu tun, um einer möglichen Strafe zu entgehen. Um zu verstehen, was die beiden laut Sumit unterscheidet, fragen wir nun unser Lexikon, was es mit unserem heutigen Begriff auf sich hat.
Was das Lexikon sagt
Der Wörterbuchteil unseres Lexikons kennt den Begriff und verrät uns seine Bedeutung.

über|kan|di|delt <Adj.> [zu niederd. kandidel = heiter, lustig, wohl zu lat. candidatus = heiter, ↑Kandidat] (ugs.): in exaltierter od. leicht verrückter Weise überspannt: eine -e Person; sie ist ziemlich, ein bisschen ü.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2379.
Zu meiner großen Freude haben wir uns den Begriff exaltiert schon in diesem Beitrag angeschaut. Das erspart mir das Laufen zum Bücherregal. Ich kann einfach in den Beitrag schauen und weiß wieder, dass exaltiert künstlich übersteigert bedeutet.
Rokos Geschichte ist laut unserem Lexikon also eine leicht verrückte und künstlich übersteigerte Version eines Kettenbriefes.
Fazit
Wir wissen nun, was überkandidelt bedeutet. Doch die Sache ist die, sowohl Sumit als auch unser Lexikon geben uns keine Lösung für das Kettenbrief- bzw. das Rokos-Dilemma. Aus diesem Grund schauen wir uns diese beiden schnell noch an.
Den größten Teil meiner Schulzeit war ich so unbeliebt, dass ich keine Kettenbriefe erhalten habe. Als ich dann meinen ersten erhielt, war das für mich ein ganz besondere Moment. Aus diesem Grund tat ich, was in dem Brief stand. Wenn ich mich recht erinnere handhabte ich auch den zweiten so. Doch dann realisierte ich, dass solche Kettenbriefe ein unkontrollierter Eingriff in meine Zeitplanung darstellten. Also änderte ich meinen Umgang mit ihnen. Statt der Anleitung zu folgen, antwortete ich dem Absender, dass er in Zukunft bitte keine Kettenbriefe an mich schicken solle. Das Ergebnis: Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich zuletzt einen solchen Brief bekommen habe.
Rokos Dilemma handhabe ich ähnlich. Es ist eine Geschichte, die meinen Fokus auf ein Thema lenken möchte, das aktuell nicht zu meinen Herzensthemen gehört. Also ignoriere ich Rokos genauso wie alle anderen Kettenbriefe, die auf meine Zeit zugreifen wollen. Ich ignoriere sie. Sollte an der Story was dran sein, werde ich mit den Konsequenzen meiner Entscheidung leben. Punkt. Aus. Ende.
An dieser Stelle bin ich neugierig: Wie gehst Du mit dem Kettenbrief und dem Superintelligenz-Dilemma um?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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