Weißt Du, woher der Begriff ramponiert kommt?
Heute geht es um einen Begriff, der mir sehr vertraut ist. Wenn ich ihn höre, habe ich sofort das kleine Meerschweinchen namens Fetzi vor Augen, dessen Fell immer ein wenig an ein aufgeplatztes Sofakissen erinnerte. Ich bin mir sehr sicher, dass ramponiert so etwas wie unordentlich und leicht beschädigt aber noch immer brauchbar bedeutet. Doch ich habe keine Ahnung, woher der Begriff kommt.

Dank der Autorin
Lisa Dröttboom: Unbestimmt. Wie entscheidest du dich, wenn du alles sein kannst?
werden wir dieser Frage heute nachgehen. Sie benutzt den Begriff zu Beginn ihres Romans, um das Aussehen eines Klassenlehrers zu beschreiben, dem es nicht gelingt, seine Klasse unter Kontrolle zu bekommen. Ja, mehr noch, die Kinder seiner Klasse stiften auch dann weiter Chaos, wenn ihnen unbekannte Erwachsene den Raum betreten. Lisa schreibt:
„Als er uns bemerkt, entgleisen seine Züge für einen Moment und Panik schimmert in seinen Augen. Er fährt sich durch die ohnehin schon ramponierte Frisur, die in alle Richtungen absteht.“
S. 8.
Nachdem wir nun wissen, wie Lisa den Begriff verwendet, ist es an der Zeit, unser Lexikon nach seiner Herkunft zu befragen.
Was das Lexikon sagt
Unser Lexikon kennt unseren heutigen Begriff und verrät uns wie erhofft auch etwas über seine Herkunft.
ram|po|nie|ren (sw. V.; hat) [aus dem Niederd. (Seemannsspr.) < mniederl. ramponeren < afrz. ramposner = hart anfassen, aus dem Germ.] (ugs.): etw. ziemlich stark beschädigen u. dadurch im Aussehen beeinträchtigen: seine Schuhe r.; sie ramponierten das Mobiliar; <meist im 2. Part.:> ein ramponiertes Fahrrad; Ü ein ramponiertes Image.
Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 18, S. 1849.

Das Ramponieren ist uns aus der Niederdeutschen Seemannssprache erhalten geblieben. Diese wiederum hat es aus dem Niederländischen übernommen, dass es zuvor vom Altfranzösischen aufgegriffen hat. Der Begriff hat also eine ganz schöne Reise hinter sich, auf der sein Ende etwas ramponiert wurde, damit er besser in die deutsche Sprache passt.
Was uns unsere Autorin sagen will
Und da ist er wieder, einer der Momente, in denen ich denke „Wow, da hat die Autorin echt den perfekten Begriff erwischt.“ Der Begriff ramponiert beschreibt die Situation des Lehrers auf so vielen Ebenen perfekt. Selbst die Bedeutung des altfranzösischen Begriffes, von dem er abstammt, passt perfekt in die von Lisa beschriebene Szene ein. Ich kann förmlich sehen, wie sich der verzweifelte Lehrer immer wieder vor Verzweiflung hart in die Frisur greift und so Stück für Stück das Durcheinander auf seinem Kopf erzeugt, das perfekt widerspiegelt, was die tobenden Kinder seinem Inneren angetan haben und antun. Diese haben die erstaunliche Fähigkeit, Menschen ziemlich stark zu beschädigen, ohne dass sie diese hierfür berühren müssen. Ihre Lautstärke, ihr Umhergetobe, ihr mangelndes Interesse an den Lerninhalten und ihr Wunsch, vorhandene Grenzen auszutesten, reichen völlig aus, um Erwachsene bzw. deren Nervenkostüm ziemlich stark zu beschädigen.
Fazit
Wir wissen nun, woher unser heutiger Begriff kommt, und ich habe das Gefühl, dass Lisa den Begriff perfekt gewählt hat. Die Art und Weise, wie sie die Situation in der Klasse zu Beginn ihres Buches beschreibt, weckt Erinnerungen in mir. Was bin ich froh, dass die Schulzeit hinter mir liegt, und wie sehr freue ich mich darüber, dass ich nicht mehr gezwungen bin, die Dynamiken und Emotionen zu ertragen, die eine größere Gruppe von Kindern mit sich bringt.
Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich empfinde tiefen Respekt vor Menschen, die sich freiwillig der Aufgabe stellen, Schulkindern etwas beizubringen. Was diese Menschen tagtäglich leisten, liegt weit über meinen Fähigkeiten.
An dieser Stelle bin ich nun neugierig: Erinnerst Du Dich an Szenen in Deiner Schulzeit, wo in denen Lehrpersonen Klassen richtig gut im Griff hatten und Chaos im Keim ersticken konnten? Weißt Du noch, wie die Personen das geschafft haben?
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.
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