Weißt Du, woher der Begriff schwadronieren kommt?

Heute geht es um einen Begriff, bei dem ich mir sehr sicher bin, dass er ein Synonym für „Reden und kein Ende finden“ ist. Der Begriff ist mir so vertraut, dass ich noch nie auf die Idee gekommen bin mich zu fragen, woher er eigentlich kommt. Doch dann bin ich in

Ein Mensch mit unendlich vielen Sprechblasen.
Komm, lass uns etwas schwadronieren.

Dana Buchzik: The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen

über die folgenden Sätze gestolpert:

„Im Februar 2024 kündigte Meta an, dass der Empfehlungsalgorithmus bei Instagram und dessen Kurznachrichtendienst Threads künftig »politische Inhalte« standardmäßig ausschließen wird. Der Konzern machte nicht transparent, was genau unter »Politik« fällt, sondern schwadronierte nur diffus von Inhalten über »Gesetze, Wahlen oder soziale Themen«.“

S. 263.

Nun frage ich mich, woher der Begriff kommt, und freue mich darauf unserem Lexikon die Frage stellen zu können. Doch bevor ich zu meinem Bücherregal laufe, möchte ich noch schnell auf den Kontext unseres heutigen Zitates eingehen.

Meta ist das Unternehmen, das hinter Social Media Plattformen wie Facebook steht. Unsere Autorin ist kein Fan der Lösung die Meta für politische Inhalte gefunden hat. Dana kritisiert, dass diese Lösung nicht dafür sorgt, dass Hass auf diesen Plattformen verschwindet. Dieser wird auf der einen Seite weiterhin über Kanäle geteilt bzw. verlinkt. Auf der anderen Seite belohnt der Algorithmus reißerische, negative und bösartige Inhalte, weil diese mehr Likes und Klicks generieren. Mehr Likes und Klicks bedeuten in der Regel längere Verweildauern auf den Plattformen und somit mehr Werbeeinnahmen für deren Betreiber.

Was das Lexikon sagt

Unser Lexikon kennt unseren heutigen Begriff:

Schau mal, wie schnell ich bin.

Schwa|dronieren (sw. V.; hat) [eigtl. = beim Fechten wild u. planlos um sich schlagen, zu ↑ Schwadron; viell. beeinflusst von ↑ schwadern]: wortreich, laut u. lebhaft, unbekümmert, oft auch aufdringlich reden, von etw. erzählen: von seinen Heldentaten s.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2068.

Der Begriff kommt also aus dem Sportbereich. Da ich mich nicht für Fechten interessiere, wusste ich nicht, dass planlos mit dem Degen um sich schlagen als schwadronieren bezeichnet wird. Doch ich finde es ein geniales Bild für jemanden, der außerhalb des Sportes schwadroniert. Er mag keinen Degen haben, doch er wirft zahlreiche Worte und Argumente in den Raum, um vom eigentlichen Thema abzulenken.

Mit diesem Wissen im Kopf finde ich die Wortwahl, die Dana in ihrem Zitat getroffen hat perfekt. Denn die Lösung, die Meta gefunden hat ist ein wildes und planloses um sich schlagen. Ja, politische Inhalte können Hass sichtbar machen, weil Mitglieder von gegnerischen Parteien sich an ihnen abarbeiten. Doch das Problem sind, wie Dana völlig zurecht anmerkt, nicht die politischen Posts, sondern der Hass. Meta hat also nicht das Problem behoben, sondern nur ein Symptom behandelt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das eine vernünftige Entscheidung, denn das eigentliche Problem zu beheben könnte sich negativ auf die Einnahmen der Plattform auswirken. Aus gesellschaftlicher Sicht ist die Entscheidung unvernünftig, doch Meta ist nun mal nicht der Gesellschaft, sondern seinen Gewinnen verpflichtet.

Fazit

Wir wissen nun woher der Begriff schwadronieren kommt und haben eine bessere Vorstellung davon bekommen, warum Hass auf Social Media Plattformen einfach nicht verschwinden will. Doch mir ist die Darstellung zu einseitig. Hier wird mit dem Finger auf eine Seite gezeigt und eine andere Seite völlig ignoriert. Daher möchte ich nun einmal die andere Seite beleuchten: Die User, bzw. uns als Social Media Nutzer.

Seit einigen Monaten bin ich auf LinkedIn aktiver geworden, weil ich mich beruflich verändern wollte. Die Algorithmen auf LinkedIn funktionieren etwas anders als meine Social Media Heimat Twitter. Woher ich das weiß? Nun andere User haben mich immer wieder darauf hingewiesen, dass ich mich nicht Algorithmus konform verhalte und dass meine Reichweite dadurch nicht so hoch ist, wie sie sein könnte.

Ich habe mich für die Hinweise bedankt, darüber nachgedacht und entschieden, dass ich nicht bereit bin mich algorithmuskonform zu verhalten, sondern dass ich einfach ich sein werde. Gleichzeitig habe ich den Algorithmus überall da deaktiviert, wo er mir „beliebte Inhalte“ ausgespielt hat. Denn ich bin nicht auf Social Media, um beliebte Inhalte zu sehen, ich bin auf Social Media, um mich über Themen zu informieren, die mich interessieren.

Und was soll ich sagen? Mein Plan ist aufgegangen. Obwohl ich den Algorithmus ignoriert habe, habe ich mit Hilfe von LinkedIn binnen 6 Wochen einen neuen Job gefunden. Die Empfehlung kam von einem Kontakt, den ich schon 6 Jahre lang kenne. Dieser hatte auf LinkedIn meine Posts gesehen und empfahl mir einen Job, den ich ohne Hilfe nie gefunden hätte.

Wir User haben Macht. Wir müssen uns nicht von einem Algorithmus treiben lassen. Wir können aufhören uns mit Inhalten zu beschäftigen, die Hass schüren und Gewalt zeigen und stattdessen Inhalte verbreiten, die zeigen, dass der Mensch im Grunde gut ist. Ja, dieses Vorgehen bedeutet für einen selbst möglicherweise weniger Reichweite und Sichtbarkeit. Wir stehen also im Grunde genommen vor dem gleichen Problem wie Meta. Wir können das tun, was für die Gesellschaft sinnvoll ist, oder das, was uns selbst mehr belohnt. Ich für meinen Zeil habe eine Entscheidung getroffen und ich bin gespannt welche Entscheidung Du für Dich triffst.

8. Juni 2026
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Buchcover Dana Buchzik The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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8. Juni 2026
Weißt Du, was allosexuell bedeutet?
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