Welche Wachstumskultur braucht ein gesundes Unternehmen?

Als Inhaberin eines Unternehmens, das aus Spaß an der Freude so nebenbei mitläuft, finde ich diese Frage durchaus spannend, die die Autoren

Linda und Fabian Vollberg: Mittelstand-Gewinner. Strategie, Marke und Vertrieb für zukunftsfähige Unternehmen

nicht nur stellen, sondern auch gleich beantworten. Ihre Antwort lautet:

„Welche Wachstumskultur braucht nun aber eine starke Marke und ein gesundes Unternehmen? Für uns sind dabei die folgenden vier Punkte entscheidend:

  • Attraktives Zukunftsbild
  • Innovation und Kreativität
  • Nähe zum Kunden
  • Fortschritt und Umsetzungsstärke“ S. 22.

du-bist-großartig.de fällt definitiv nicht in die Kategorie „Unternehmen mit gesunder Wachstumskultur“, und genau daher reizt es mich einmal herauszufinden, an welchen Stellen mein Unternehmen die Kriterien unserer Autoren nicht erfüllt.

Warum fällt du-bist-grossartig.de durchs Raster?

Ich strebe nicht danach, dass mein Unternehmen wächst. Ich strebe danach, dass mein Wissen wächst und versuche herauszufinden, was die Verlagsbranche braucht, damit es ihr besser geht. Wachstum spielt für mich keine Rolle. Solange ich die Kosten für das Unternehmen stemmen kann, wird es das Unternehmen geben. Wenn Sketchnote-Aufträge dafür sorgen, dass Einnahmen reinkommen, dann ist das großartig. Wenn jedoch keine Aufträge hereinkommen, ist das auch okay. Der einzige Grund, warum ich ein Unternehmen angemeldet habe, ist die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, dass ich es machen muss, wenn ich keinen Ärger mit dem Finanzamt haben möchte, wenn ich doch mal Einnahmen erziele.

Geld ist nicht mein Antrieb.

Nachdem wir nun wissen, warum mein Unternehmen durch das Raster unserer Autoren fällt, schauen wir uns nun an, welche Kriterien unserer Autoren es erfüllt und welche nicht.

Attraktives Zukunftsbild

Das Zukunftsbild meines Unternehmens ist nicht sehr klar. Ich versuche dennoch, es hier einmal zu beschreiben.

Mein Unternehmen möchte eine Welt erschaffen, in der jeder Mensch er selbst sein kann, denn ich glaube daran, dass jeder Mensch großartig ist. Ich glaube aber auch daran, dass Strukturen verhindern können, dass ein Mensch seine Großartigkeit ausleben kann. Herauszufinden, welche Strukturen Menschen im Weg stehen und wie wir diese ändern können ist ein wichtiger Antreiber dieses Projektes.

Wie bereits oben erwähnt sind Bücher für mich enorm wichtig, daher zählt auch eine starke Verlagswelt in mein Zukunftsbild. Wobei ich einen starken Verlag wahrscheinlich anders definiere als unsere Autoren. Für mich ist ein starker Verlag ein Verlag, der sich für ein Thema einsetzt und diesem Sichtbarkeit schenkt, indem er unter anderem

  • Experten des Themas miteinander vernetzt
  • Bücher zu dem Thema veröffentlicht
  • Autoren für das Thema identifiziert und unterstützt.

Innovation und Kreativität

Ich zweifle sehr stark an der Innovationskraft meines Unternehmens, weil ich es einfach nicht schaffe, mit E-Books zu arbeiten. So sehr ich mich bemühe, nachhaltig zu agieren, so sehr brauche ich Bücher aus echtem Papier und klebe Zettelchen aus Plastik in meiner alltäglichen Arbeit als Buchbloggerin.

Ich brauche Papierbücher, um neues Wissen zu entdecken.

In Sachen Kreativität habe ich keine Zweifel. Wenn mein Unternehmen kreativ ist, dann im Handling meiner Schwächen. Hier zwei Beispiele.

Weil ich zu den Menschen gehöre, die ewig brauchen, bevor sie einen Gesetzestext verstehen, hatte ich keine Lust, mich intensiv mit Nutzungs- und Urheberrechten zu beschäftigen, um herauszufinden welche Bilder ich auf meinem Blog nutzen darf und welche nicht. Also habe ich begonnen, meine eigenen Bilder zu zeichnen. Dass auch eigene Bilder gegen Rechte anderer verstoßen können, hatte ich damals zum Glück noch nicht auf dem Schirm.

Es fällt mir unfassbar schwer, eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, denn sehr oft nehme ich aus einem Buch ganz andere Themen für mich mit als mir die schreibende Person mitgeben wollte. Aus diesem Grund bin ich eine Buchbloggerin, die keine Rezensionen verfasst, sondern einzelne Themen aus Büchern aufgreift, um diese zu bewerben. Lediglich ein Verlag hat aufgrund dessen die Zusammenarbeit mit mir aufgekündigt. Zuvor gab es aber seitens des Verlages noch einen Versuch, die Zusammenarbeit zu retten: Ich erhielt eine Anleitung, in der erklärt wurde, wie man Rezensionen erstellt. Ich stand vor der Wahl, Texte zu erstellen, die mich langeweilen oder die Zusammenarbeit zu riskieren. Ich habe mich für letzteres entschieden und es nicht bereut.

Nähe zum Kunden

Hier wird es für mich problematisch, denn ich habe für mich und mein Unternehmen gar keine Kunden identifiziert.

Menschen, die meinen Blog lesen, sind (bis auf die zwei Abonnenten, die ich aktuell habe) nicht meine Kunden, denn sie zahlen für das Lesen der Texte kein Geld.

Menschen, die Sketchnotes kaufen wollen, sind meine Kunden.

Die Verlage, mit denen ich zusammenarbeite, sind auch nicht meine Kunden, denn auch hier fließt kein Geld. Dennoch wäre dieser Blog ohne sie kaum möglich, denn sie stellen mir die Bücher für den Verlag kostenlos zur Verfügung.

Die einzigen Kunden, die mein Unternehmen hat, sind jene Kunden, die meine Sketchnotes kaufen. Hier fließt Geld, weil ich die Sketchnotes individuell für den Kunden erstelle und der Nutzen der Sketchnotes somit in der Regel nur für den Kunden hoch ist.

Wirklich nah bin ich meinen Kunden allerdings nicht, denn ich nehme nicht jeden Sketchnote-Auftrag an. Erst vor kurzem musste ich einen Auftrag, den ich wirklich gern gemacht hätte, absagen, weil er Gefahr lief, in zeitlichen Konflikt mit meinem Angestelltenjob zu geraten. Doch nicht nur in Sachen Terminierung, auch im thematischen Bereich fühle ich mich mehr mir selbst als gegenüber meinen potenziellen Auftraggebern verpflichtet. Ich nehme Aufträge nur an, wenn sie thematisch zu mir und meinen Werten passen. Eine Sketchnote, die die Notwendigkeit von Waffen herausstellt, würde ich auch für sehr viel Geld nicht erstellen. Ich möchte nicht, dass Menschen getötet werden, also möchte ich auch keine Waffen bewerben.

Fortschritt und Umsetzungsstärke

In Sachen Fortschritt gebe ich meinem Unternehmen 0 von 100 möglichen Punkten. Das Unternehmen basiert auf starren Routinen und strebt nicht danach, die eigenen Prozesse ständig weiterzuentwickeln.

In Sachen Umsetzungsstärke schaut es hingegen ganz anders aus. 1400 Blogbeiträge in 5 Jahren von einer Person erscheinen mir als nicht so schlecht.

Ist mein Unternehmen krank?

So, nun weiß ich, welche Kriterien mein Unternehmen erfüllt und welche nicht. Mit diesem Wissen stelle ich mich nun der Frage, ob mein Unternehmen krank ist, weil es nicht über die gesunde Wachstumskultur eines Unternehmens verfügt, die unsere Autoren für wichtig halten.

Lass das doch bitte, ich finde es ganz gut wie es ist.

Wächst mein Unternehmen? Nein. Ist meine Unternehmen profitabel? In der Regel nicht? Ist mein Unternehmen in meinen Augen krank? Nein, denn es macht genau das, was es in meinen Augen tun soll. Es

  • gibt mir die Möglichkeit mein Wissen zu digitalisieren
  • gibt mir die Möglichkeit mein Wissen zu teilen
  • ist eine solide Basis für meine Gesundheit.

Ja, mein Unternehmen ist in meine Augen unter anderem darum gesund, weil es für meine Gesundheit sorgt. Seit der Gründung 2019 habe ich zwei Mal meinen Job gewechselt. Ohne mein Unternehmen hätte ich mich beide Male immer mal wieder als arbeitslos outen müssen. Dank meines Unternehmens musste ich da nicht. Obwohl ich Arbeitslosengeld bezogen habe, war ich in meinem Verständnis keine Arbeitslose, sondern eine Bloggerin. Das Bloggen gab mir in diesen Zeiten halt, weil meine Routinen sich nicht änderten. Ich stand weiterhin um 4:30 Uhr unter der Woche auf, ich schrieb und las weiterhin. Ich hatte einen Job, der mein Leben mit Sinn erfüllte und war deshalb auf der Suche nach einem Job, weil er meine Miete zahlen sollte.

Fazit

Wir wissen nun, warum mein Unternehmen in der Kategorisierung unserer Autoren kein gesundes Unternehmen ist. Die Frage, die mir unter den Nägeln brennt, lautet: Ist das schlimm? Wie sähe eine Welt aus, in der Unternehmen nicht nach Wachstum, sondern nach Sinn streben würden. Was wäre, wenn nicht das Geld im Mittelpunkt des Handelns eines Unternehmens stände, sondern der Mensch? Was wäre, wenn wir die Gesundheit eines Unternehmens an dessen gesellschaftlichem Mehrwert messen würden?

An dieser Stelle bin ich neugierig: Was macht für Dich ein gesundes Unternehmen aus? Macht es noch immer Sinn, die Gesundheit eines Unternehmens an seinem Wachstum festzumachen? Was wäre in Deinen Augen eine sinnvolle alternative Messgröße für gesunde Unternehmen? Wie müsste eine Welt aussehen, in der solche Unternehmen existieren könnten?

15. Oktober 2025
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Buchcover Linda und Fabian Vollberg: Mittelstand-Gewinner. Strategie, Marke und Vertrieb für zukunftsfähige Unternehmen
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Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

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Buchcover Linda und Fabian Vollberg: Mittelstand-Gewinner. Strategie, Marke und Vertrieb für zukunftsfähige Unternehmen

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15. Oktober 2025
Weißt Du, was die Nelkenrevolution ist?
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  1. Gregor 16. Oktober 2025 at 08:42 - Reply

    Ich lese auch viel und will auch gerne bloggen, aber am Ende eines Buches ist mir das zuviel Arbeit. An der Stelle wären lesebegleitende Notizen hilfreich, was ich zumindest bei Sachbüchern öfter mal durchziehe (um nichts zu vergessen).

    Was auch geht: wenn mich jemand kurz nach Lektüre zum Buch befragt: dann fällt mir alles mögliche ein. Und das könnte man im Rahmen eines Youtube-Videos nutzen. Hast Du Böcke?

    • Maria Steinberg 18. Oktober 2025 at 08:33 - Reply

      Hallo Gregor,

      das ist eine großartige Idee. Bock habe ich definitiv. In Sachen Zeit sieht es anders aus. Ich bin mit meinem Hauptjob, der meine Miete zahlt, dem Blog und meinem Privatleben aktuell ausgelastet. Anders würde es ausschauen, wenn Dein Projekt einen Teil zu meiner Miete beisteuern könnte. Leider habe ich es nach 6 Jahren noch nicht geschafft diesen Blog profitabel zu machen. Daher weiß ich nicht, wie Dein Projekt profitabel werden könnte. Ich wette es ist möglich, doch ich habe halt keine Ahnung wie.

      Ich wünsche Dir einen fantastischen Start in den Tag.

      Viele Grüße

      Maria

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