2.9 min readPublished On: 24. März 2021By Categories: Bücher, Wissen

Würdest Du Deinem Team streng geheime Informationen anvertrauen?

Stell Dir vor, Du erhältst den streng geheimen Auftrag, eine Technik zu entwickeln, die die Welt rettet. Um diese Technik zu entwickeln, werden Dir die talentiertesten Ingenieure zur Verfügung gestellt, die es gibt. Würdest Du Deinen Ingenieuren verraten, woran sie arbeiten und so das Risiko eingehen, dass Dein streng geheimer Auftrag ans Licht kommt und Opfer von Sabotage wird?

  1. Ja
  2. Nein

Was nach einem Science-Fiction-Szenario klingt, war 1942 für die Beteiligten des Manhattan-Projektes Realität. Die USA hatten das streng geheime Manhattan-Projekt ins Leben gerufen, um die Atombombe zu entwickeln. Diese wollten sie im Zweiten Weltkrieg einsetzen, um ihn zu beenden und so die freie Welt retten. Da nicht nur die USA an der Atombombe arbeiteten und eine Sabotage des Projektes eine Katastrophe gewesen wäre, war das Manhattan-Projekt streng geheim. Tatsächlich war es sogar so geheim, dass laut

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sogar die daran beteiligten Ingenieure nicht wussten, wofür sie genau arbeiteten. Sie gehörten zu den Besten der Besten und hatten die Aufgabe, zahlreiche wichtige, aber sterbenslangweilige Berechnungen durchzuführen, die für die Entwicklung der Atombombe wichtig waren.

Was tun, wenn die besten Ingenieure kaum Ergebnisse liefern?

Da für das Projekt die besten Ingenieure weit und breit angeheuert wurden, erwartete das Militär, dass das Projekt sehr schnell vorankommen würde. Doch zur großen Überraschung der Verantwortlichen arbeiteten die Ingenieure sehr langsam und kamen nicht besonders gut mit ihrer Arbeit voran.

Richard Feymann gehörte zu den wenigen Menschen im Manhattan Projekt, die das Ziel des Projektes kannten. Als er erlebte, wie schlecht die Ingenieure performten, begann er nach Wegen zu suchen, dieses Problem zu beheben. Er ging zu seinem Vorgesetzten und überzeugte diesen davon, die Ingenieure in das Ziel des Projektes einzuweihen, weil er der Überzeugung war, dass die Ingenieure besser arbeiten worden, wenn sie wüssten, dass sie an der Beendigung des Krieges und der Rettung der freien Welt beteiligt waren.

Wie recht Richard mit seiner Vermutung hatte, bewies das Team schon bald. Statt weiter Dienst nach Vorschrift zu verrichten, setzten sich die Ingenieure zusammen und entwickelten Pläne und Prozesse, die ihnen dabei halfen, ihre Aufgaben effektiver zu erledigen. Zudem verließen sie nicht mehr pünktlich das Büro, sondern legten Nachtschichten ein, um ihren Job schneller zu erledigen. Das Wissen, dass die Deutschen am anderen Ende der Welt ebenfalls an der Atombombe tüftelten, sorgte dafür, dass das ganze Team alles gab, um das Wettrennen mit der Zeit zu gewinnen.

Die Tatsache, dass das Team nun wusste, wofür es langweilige Berechnungen ausführte, sorgte dafür, dass das Team seinen Job fast zehnmal schneller vorankam als zuvor.

Fazit

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen gigantischen Unterschied ausmachen. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich wusste schon vor diesem Buch, dass es für Unternehmen und Teams wichtig ist, Ziele zu haben und diese zu kennen. Doch mit so einem krassen Unterschied im Ergebnis habe selbst ich nicht gerechnet.

An dieser Stelle bin ich – wie immer – neugierig: Wie hast Du die Frage am Anfang des Beitrages beantwortet und würdest Du sie in Zukunft noch immer so beantworten?