4.1 min readPublished On: 18. November 2021By Categories: Bücher, Wissen

Ist nicht gemeckert genug gelobt?

Ich war jung und brauchte das Geld.

Wie viele Gründe fallen Dir spontan ein, warum Du arbeiten gehst? Ist es, weil Du

  1. das Geld brauchst, um Deine laufenden Kosten zu decken,
  2. Anerkennung für Deine Arbeit bekommst.
  3. etwas Sinnvolles machen möchtest,
  4. nette Kollegen hast,
  5. im Alter abgesichert sein möchtest,
  6. Deine Familie versorgen musst,
  7. die Herausforderung liebst,
  8. etwas lernen möchtest,

Es gibt nicht wenige Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass der Lohn oder das Gehalt, die ein Mensch für seine Arbeit erhält, ausreichend sind, um diesen Menschen zu motivieren, Tag für Tag an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Nach dieser Überzeugung müsste jeder Mensch, der ein in seinen Augen vernünftiges Gehalt bekommt, motiviert arbeiten.

In dem Buch von

Sebastian Purps-Pardigol: Führen mit Hirn. Mitarbeiter begeistern und Unternehmenserfolg steigern

bin ich über ein wunderbares Experiment zum Thema Arbeitsmotivation und „nicht gemeckert ist genug gelobt“ gestolpert. Die Ergebnisse des Experiments haben mich so überrascht, dass ich sie heute mit Dir teilen möchte.

Das Experiment

2008 wollte der Verhaltenswissenschaftler Dan Ariely im Rahmen eines Experimentes (https://www.youtube.com/watch?v=5aH2Ppjpcho Minute 10:20) herausfinden, welchen Einfluss Sinnhaftigkeit auf die Leistungsbereitschaft und Arbeitsergebnisse von Menschen hat.

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Für dieses Experiment teilte er 100 Probanden in 3 Gruppen ein. Die Probanden bekamen die Aufgabe 10 Buchstabenpaare auf einem DIN-A4-Blatt voller Buchstaben herauszusuchen. Für das erste Blatt erhielten sie 55 Cent. Sobald Sie das Blatt fertig bearbeitet und dem Versuchsleiter überreicht hatten, erhielten sie das nächste Blatt zum bearbeiten. Für jedes weitere Blatt 5 Cent weniger. Ab Blatt 12 bekamen sie kein Geld mehr.

  • Gruppe 1 Anerkennung – durfte den eigenen Namen auf das Blatt schreiben. Die Arbeitsergebnisse wurden nach jedem Blatt in Anwesenheit des Probanden angeschaut, bevor sie beiseite gelegt wurden.
  • Gruppe 2 Ignoranz – reichte Blätter ohne ihren Namen ein. Die Arbeitsergebnisse landeten unbesehen auf einem Stapel.
  • Gruppe 3 Schredder – reichte Blätter ohne ihren Namen ein. Die Arbeitsergebnisse wurden ungesehen vor den Augen des Probanden geschreddert.

Vergleichen wir hier Äpfel mit Birnen?

Rational betrachtet erhielt also jede Gruppe für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn. Was meinst Du, waren die Arbeitsergebnisse aller drei Gruppen gleich oder unterschiedlich? Erledigten die drei Gruppen ihre Arbeit mit der gleichen Gewissenhaftigkeit, oder schummelten manchen Gruppen mehr als andere?

Zu meiner großen Überraschung hat das Verhalten bei der Ergebnis-Annahme massiven Einfluss auf die Leistungsbereitschaft. Laut unserem Autor (leider fehlt im Buch die Quellenangabe für die Daten, und ich habe sie bei meiner Recherche leider auch nicht gefunden) ging das Experiment wie folgt aus:

  • Gruppe 1 Anerkennung – 49 % der Teilnehmer bearbeiteten alle 11 Blätter.
  • Gruppe 2 Ignoranz – 17 % der Teilnehmer bearbeiteten alle 11 Blätter.
  • Gruppe 3 Schredder – 17 % der Teilnehmer bearbeiteten alle 11 Blätter.

Spannenderweise schummelten weder die Teilnehmer in Gruppe 1 und Gruppe 2. In Gruppe 3 konnte das Schummelverhalten aufgrund des Schredderns nicht ausgewertet werden.

Fazit

Das Experiment zeigt deutlich, dass nicht gemeckert nicht genug gelobt ist und dass der Lohn nicht der einzige Motivator für Arbeit ist. Anerkennung steigert Leistungsbereitschaft massiv. Menschen, die Anerkennung für ihren Arbeit bekommen, sind nicht nur zufriedener, sie sind auch produktiver.

Verkauf ist wie ein Dauerlauf ohne Verschnaufpause.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich kann die Ergebnisse des Experiments zu 100 Prozent auf mein Leben übertragen. Als Verkäufer hatte ich das Gefühl, dass meine Arbeitsergebnisse jeden Monat geschreddert wurden. Egal, wie gut der Umsatz im Vormonat war, mit dem ersten Tag des neuen Monats startete ich in Sachen Umsatz wieder bei Null. Über die Jahre hat mir dieses Schredder-Gefühl die Kraft genommen, den Job als Verkäufer weiterzumachen.

In meinem neuen Job als Projektmanager habe ich das Gefühl, in der Anerkennungsgruppe zu sein. Ein Teil meines Jobs ist es, dafür zu sorgen, dass neue Webseiten entstehen. Viele dieser Webseiten habe ich jeden Monat wieder vor Augen, weil wir uns um deren Wartung kümmern. Das bedeutet, ich sehe regelmäßig die Ergebnisse von dem, was wir tagtäglich tun. Ich habe das Glück, miterleben zu dürfen, wie sich Kunden über ihre neue Webseite freuen. Ich erlebe, wie diese Seiten sich mit der Zeit entwickeln. Kunden berichten mir von Erfolgen, die sie dank der neuen Webseite erreicht haben. All diese Dinge und noch einiges mehr sind für mein tagtägliches Arbeiten unglaublich motivierend. Obwohl nicht wenige Menschen in meinem Umfeld mehr verdienen als ich, würde ich nicht mit ihnen tauschen wollen.

An dieser Stelle bin ich nun wie immer neugierig. Wie lauten Deine Antworten auf die Frage „Warum gehe ich arbeiten?“