3,7 min readPublished On: 5. November 2019By Tags: , , , Categories: B√ľcher, Wissen

Kennst Du die Raku Technik?

Kaffee Cafe
Kaffee

Manchmal habe ich den Eindruck, die Welt ist in 2 Teile gespalten. Nein keine Sorge, es wird jetzt nicht politisch, sondern ehr kulinarisch. ūüėČ Auf der einen Seite stehen die Kaffeetrinker, die das schwarze Getr√§nk als eine Art Treibstoff nutzen um ihren K√∂rper mit Energie zu versorgen. Auf der anderen Seite stehen die Teetrinker, die das manchmal fast schon durchsichtige Getr√§nk nutzten und ihrem K√∂rper und Geist etwas Gutes zu tun.

Schmeckt gar nicht

Ende 2017 wechselte ich ungeplant die Seiten. Lange Zeit liebte ich Kaffee und hatte das Gef√ľhl ohne das schwarze Gold nicht sinnvoll in den Tag starten zu k√∂nnen. Doch irgendwann fiel mir auf, dass mir Kaffee oft gar nicht wirklich schmeckte. Entweder, weil ich nach dem 10 Kaffee am Tag von meinem Magen das Feedback bekam, dass er nun keine Lust mehr von dem Zeug zu konsumieren, oder weil mir in manch einem Cafe ein Getr√§nk serviert wurde, dass mehr geschmackliche √Ąhnlichkeit mit Sp√ľlmittel als mit Kaffee hatte. Als ich in einem wunderbaren Urlaub 2017 erfuhr, dass es in den n√§chsten 3 Wochen lediglich Instant-Kaffee geben w√ľrde, beschloss ich zumindest in diesen 3 Wochen die Seiten zu wechseln und trank jeden Tag Tee zum Fr√ľhst√ľck.

Seit diesem Urlaub bin ich meinem Trinkverhalten treu geblieben. Je nach Lust und Laune genie√üe ich einen Assam oder eine Cylontee. In meinem Lieblingskaffee entscheide ich mich am liebsten zwischen einem English Breakfast und einem Ostfriesentee, wobei letzterer nat√ľrlich mit Kandis und Milch in einen s√ľ√üen Traum verwandelt wird.

Dank der √Ąnderung meiner Trinkgewohnheiten habe ich in den letzten Monaten eine Menge √ľber Tee gelernt und dennoch hatte auch ich vor

Christopher A. Weidner: Wabi Sabi – Nicht perfekt und trotzdem gl√ľcklich!

noch nie von der Raku Technik gehört und da sich das jetzt geändert hat, freue ich mich sehr darauf mein neues Wissen heute mit Dir zu teilen.

Die Raku Technik

Bei der Raku Technik geht es nicht etwa um Tee, sondern um das Gef√§√ü, in welchem der Tee serviert wird. Ich dacht immer, dass es normal ist seinen Tee aus einer wei√üen, fast dursichtigen und sehr zerbrechlich wirkenden Porzellantasse zu konsumieren, doch da habe ich mich geirrt. Denn wer gr√ľnen Tee liebt, trinkt diesen, wenn er in einem japanischen Restaurant ist, oft aus schweren dunklen Tassen, bei der jede Tasse leicht anders aussieht.

Das Licht der Welt

M√∂glicherweise liegt das daran, dass einige der Tassen, die wir in diesen japanischen Restaurants in den H√§nden halten, mittels der Raku Technik das Licht der Welt erblickt haben. Bei dieser Technik handelt es sich um ein keramisches Brennverfahren, in welchem auch Teetassen gefertigt werden. √úberraschender Weise widerspricht dieses Brennverfahren allem was ich bin jetzt √ľber japanische Traditionen zu wissen glaubte. Denn bei der Raku Technik handelt es sich nicht um ein ausgewogenes, ausgekl√ľgeltes und ruhiges Brennverfahren wie etwa bei den japanischen Messern, sondern um eine Art ‚Äěschmutzige‚Äú Knall auf Fall Fertigung.

Laub und co.

Bei der Raku Technik wird die Keramik einfach in einen Ofen gesteckt, der bereits auf einige hundert Grad vorgeheizt ist. Sobald das Werksst√ľck unglaubliche 1000 Grad erreicht hat, wird es im gl√ľhenden Zustand dem Ofen entnommen und darf nun nicht etwa in Ruhe abk√ľhlen, sondern wird nun in ein Gef√§√ü gegeben, in dem sich Naturmaterialien wie Laub und co. befinden. Hier geschieht das, was die Raku Keramik so einzigartig macht: Die Naturmaterialien, an denen die 1000 Grad der Keramik nicht spurlos vorbeigehen, sondern durchaus daf√ľr sorgen, dass sie zu brennen beginnen, gestalten die Keramik. So brennt sich in die eine Tasse die Kontur eines Blattes ein, in die andere Tasse der Abdruck eines Zweiges und w√§hrend das geschieht entwickelt sich durch das Vergl√ľhen der Naturmaterialien Rauch, der die Farbgestaltung der unglasierten Teile der Keramik √ľbernimmt. Da dieser Rauch nicht nur gestaltet, sondern auch entweicht, wird die Raku Technik meist im Freien verwendet.

Die St√ľcke, die hier entstehen sind jedes f√ľr sich ein Unikat und verk√∂rpern damit perfekt die Wabi Sabi Philosophie. Und nun bin ich neugierig: Sind Dir die schweren Raku Tassen schon einmal bewusst begegnet, oder dachtest auch Du, dass Tee nur in englischer wei√üer Keramik stilecht unterwegs ist?