6 min readPublished On: 30. September 2021By Categories: Bücher, Wissen

Kennst Du schon diese 3 Tipps für Gehaltsverhandlungen?

Herzlichen Glückwunsch, du hast die Probezeit bestanden.

Hast Du schon einmal eine Gehaltsverhandlung geführt? Ich erinnere mich noch vage an meine erste Gehaltsverhandlung, die in etwa so verlief.

Mein Chef kam zu mir und teilte mir freudig mit, dass ich die Probezeit bestanden hätte. Ich wartete kurz, weil ich fest damit rechnete, dass er mir jetzt auch noch sagen würde, er habe bemerkt, dass ich jeden Tag viel länger im Büro gewesen sei und dass er daher neben der Vertragsverlängerung auch eine Gehaltserhöhung mitgebracht hätte. Doch da kam nichts mehr.

Also bedankte ich mich artig bei ihm. Dann begannen mir Tränen übers Gesicht zu laufen, und ich sagte ihm, dass ich mich sehr über seine Entscheidung freuen würde, dass ich aber aus wirtschaftlichen Gründen leider nicht weiter für das Unternehmen arbeiten könnte. Als Quereinsteiger war es für mich okay gewesen, die ersten 6 Monate weniger zu verdienen, als ich zum Leben brauchte. Aber nun hatte ich in den letzten Monaten mein Engagement und meine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, der Firma Geld eingebracht und deshalb erwartet, dass mit dem Ende der Probezeit dafür auch ein vernünftiges Gehalt kommen würde.

Ich muss kündigen, weil ich von dem Gehalt nicht leben kann.

Da dies nun nicht der Fall sei, würde ich zu meinem Bedauern die Kündigung einreichen und mir einen Job suchen, von dem ich leben könne. Mein Chef erklärte mir daraufhin, dass ich mit der Kündigung noch etwas warten sollte, damit er mit seinen Chefs über mein Arbeitsverhältnis sprechen könne. Tatsächlich kam er einige Tage später mit einer Gehaltserhöhung um die Ecke, die zumindest ausreichend war, um meinen Kontostand in Zukunft nicht weiter sinken zu lassen.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Doch mit dem Thema Gehaltsverhandlungen bin ich noch immer nicht so richtig warm geworden. Ich weiß nie, wann ein guter Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung ist. Und da ich mir nichts merken kann, habe ich auch nie die wichtigen und zahlreichen Argumente im Kopf parat, mit denen ich argumentieren kann. Doch zum Glück gibt es Bücher wie

Martin Wehrle: Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch! Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt,

die in Sachen „Gehaltsverhandlungen führen“ viele großartige Tipps auf Lager haben. Zwei dieser Tipps möchte ich heute mit Dir teilen.

Gehaltsverhandlungen sind nicht unanständig

Ich kann doch nicht einfach so mehr verlangen, oder?

Ich bin mir nicht sicher, warum ich bei meiner ersten Gehaltsverhandlung geheult habe. Vielleicht hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass es unanständig wäre, ein höheres Gehalt zu verlangen und dass eine Kündigung für beide Seiten besser wäre. Immerhin wusste ich, dass mein Unternehmen im Wachstum war und wichtige Investitionen zu tätigen hatte. Mehr Gehalt für mich würde für das Unternehmen weniger Geld für Investitionen bedeuten.

Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen, und ich habe gelernt, dass Unternehmen immer Geld brauchen, um zu wachsen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass Mitarbeiter nie nach einer Gehaltserhöhung fragen können. Viele Menschen in Deutschland bekommen jedes Jahr eine Rentenbescheinigung zugesandt, die deutlich zeigt, dass sie nach ihrem Arbeitsleben nicht viel Luxus erwarten können. Ich habe diesen Zettel lange Zeit einfach weggeheftet, weil er mich jedes Mal geschockt hat. Inzwischen habe ich Freundschaft mit ihm geschlossen, denn er ist eine großartige Erinnerung daran, dass ich heute etwas tun kann, um in Zukunft etwas davon zu haben. Die Summe auf meinem Rentenbescheid macht mir bewusst, dass Gehaltsverhandlungen nichts Unanständiges sondern notwendig sind.

Führe eine Leistungsmappe

Wow, ich hab was zu bieten.

Sich bewusst zu machen, dass Gehaltsverhandlungen nicht unanständig sind, ist ein wichtiger Schritt. Doch für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung brauchst Du auch Argumente. Daher empfiehlt unser Autor, eine Leistungsmappe zu führen, in der Du auf ein bis 2 DIN-A-4-Seiten folgende Fragen für Dich beantwortest:

  • Wie hat sich meine Leistung entwickelt?
  • Trage ich mehr Verantwortung?
  • Habe ich meine Qualifikationen ausgebaut?
  • Habe ich dem Unternehmen zusätzliches Geld gebracht?
  • Habe ich dem Unternehmen Geld gespart?

Diese Mappe hilft Dir während der Verhandlung mit Deinem Chef. Egal, wie aufgeregt Du bist. Du hast Deinen Wert hier schwarz auf weiß niedergeschrieben und läufst daher nicht Gefahr, etwas zu vergessen. Wenn Dein Chef nicht der Entscheider ist, hat die Mappe den Vorteil, dass er sie seinem Chef zeigen kann. Dank der Mappe kannst Du also auch dafür sorgen, dass Dein Chef sich gegenüber seinem Chef mit richtig guten Argumenten für Dich einsetzt.

Dein Lebenslauf ist lebendig und detailliert

Ich hab mehr Aufgaben als meine Stellenbeschreibung vermuten lässt.

Der Tipp kommt nicht von einem Autor, sondern aus einem Bewerber-Coaching, das ich einmal absolviert habe. Bis jetzt habe ich nach einem Job meinen uralten Lebenslauf rausgekramt und krampfhaft versucht, mich daran zu erinnern, was ich im letzten Job alles gemacht hatte. Diese Strategie führte nie zu einem überzeugenden Ergebnis. Denn der größte Teil meines Lebenslaufs bestand bei dieser Taktik auch nach über einem Jahrzehnt aktiven Arbeitens immer noch hauptsächlich aus meinen Ausbildungsstationen.

Dank der Hinweise in meinem Bewerber-Coaching habe ich meinen Lebenslauf allein in diesem Jahr vier Mal aktualisiert. Meine Leistungen der letzten 12 Monate füllen daher mehr als eine DIN-A-4-Seite. Bei meiner nächsten Bewerbung stehe ich also endlich nicht mehr verzweifelt vor der Frage „Was habe ich in dem Job eigentlich den ganzen Tag gemacht?“. Dank der vielen Punkte in meinem Lebenslauf kann ich ihn jetzt einfach an die jeweilige Stellenbeschreibung anpassen, indem ich alle Tätigkeiten lösche, die mit der Stellenausschreibung nichts zu tun haben.

Fazit

Dein Chef ist auch nur ein Mensch. Er braucht gute Argumente, um Dein Gehalt zu erhöhen. Dein Chef hat viel im Kopf. Er ist es gewohnt, hart zu verhandeln, damit es dem Unternehmen gut geht. Wenn er Geld ausgibt, möchte er dafür einen angemessenen Mehrwert. Das gilt nicht nur für Lieferanten, sondern auch für Mitarbeiter.

Die wenigsten Chefs sehen einen Mehrwert darin, dass der eigenen Mitarbeiter seine eigenen Kosten decken kann. Auch mehr verdienen zu wollen als der Kollege, der eine schlechtere Ausbildung hat, ist kein Mehrwert für Chefs. Gute Argumente in einer Gehaltsverhandlung sind Dinge, die Du geleistet hast und die Deinem Unternehmen einen Mehrwert gebracht haben. Wenn wir diese Dinge nicht ab und an ansprechen, dann fallen sie unter den Tisch und unsere Chefs merken dann erst wenn wir weg sind, dass wir dem Unternehmen einen gigantischen Mehrwert gebracht haben, weil dieser nun fehlt. Also schütze Dich und Dein Unternehmen und führe regelmäßig Gehaltsverhandlungen.

Wie sind Deine Erfahrungen mit Gehaltsverhandlungen? Hast Du Tipps, die gut funktionieren und in diesem Beitrag unbedingt ergänzt werden sollten