5.5 min readPublished On: 11. Mai 2022By Categories: Bücher, Wissen

Lassen sich Konzerte digitalisieren?

Liebst Du Live-Konzerte?

Wann warst Du das letzte Mal in einem Konzert? Mit wem warst Du da? Wie war die Atmosphäre? Warum warst Du da? War der Abend etwas Besonderes? Wenn ja: was hat den Abend so besonders gemacht?

Ich habe in meinem Leben nur wenige Konzerte besucht. Doch ich erinnere mich daran, dass diese Abende auf ihre Weise jedes Mal etwas ganz Besonderes waren. Manchmal hat mich der Sound beeindruckt, der so laut war, dass der Bass meine Lungen vibrieren ließ, manchmal waren es die Menschen, mit denen ich das Konzert besuchte, oder die Menschen, die mir dort begegneten. Jedes einzelne Konzert war aufgrund des Veranstaltungsortes, der Atmosphäre und der anderen Gäste einzigartig und hatte nichts mit einem Musikvideo im Fernsehen, oder der Aufnahme eines Konzertes auf DVD gemeinsam. Aus diesem Grund bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass es möglich sein könnte, Konzerte zu digitalisieren. Nach der Lektüre von

Isabell M. Welpe, Nicholas Folger: Talentmanagement 5.0. Wie Sie die klügsten Köpfe finden und halten

weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Denn ganz offensichtlich gab es in der Vergangenheit bereits digitale Livekonzerte, die nicht einfach nur ein Livemitschnitt waren. Was diese Konzerte von einer normalen Konzert-DVD unterscheidet und ob digitale Konzerte irgendwann mehr bieten könnten als echte Konzerte, möchte ich heute mit Dir gemeinsam herausfinden. Dazu werden wir uns die Konzertbeispiele unseres Autors mit Hilfe des Internets etwas genauer anschauen.

Konzerte via Zoom

Die arbeiten echt von überall.

Zoom ist Software für Videokonferenzen im Internet. Dank der Software können die Teilnehmer der Konferenz sich nicht nur sehen und hören, sondern auch zusätzliche Informationen über den integrierten Chat teilen, einen Bildschirm teilen, oder eine Präsentation teilen. Diese Software ermöglicht es Menschen, die quer über den Globus verteilt sind, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Dass irgendjemand auf die Idee kommen könnte, Zoom für die Übertragung eines Konzertes einzusetzen, wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Doch genau das ist 2020 passiert. Die Rolling Stones streamten ihren Song „You can’t get always what you want“ von zu Hause via Zoom-Splitscreen.

Der Zoom-Splitscreen ist das Herzstück der Zoom-Software. Dank dieser Funktion sind alle Teilnehmer einer Videokonferenz gleichzeitig auf einem Bildschirm zu sehen. Nachteil: Je mehr Teilnehmer eine Konferenz hat, desto kleiner ist das Kästchen für jeden einzelnen Teilnehmer. Während bei zwei Teilnehmern eine Person rechts und die andere links auf dem Bildschirm erscheint, erscheinen bei 16 Teilnehmern 16 Kacheln in Viererreihen auf dem Bildschirm.

Zum Glück bestehen die Rolling Stones nur aus 4 Bandmitgliedern, so dass jedes Bandmitglied in seiner Kachel gut erkennbar war. Die Performance der Künstler vom 19.04.2020 ist auf YouTube zu sehen. Statt auf einer gemeinsamen Bühne zu stehen, sitzt jedes Bandmitglied bei sich zu Hause. Mick Jagger beginnt zu singen und zu spielen und die anderen Mitglieder der Band steigen nach und nach in die Performance mit ein.

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Die YouTube  Aufzeichnung zeigt, wie schwierig es ist, ein Konzert abseits einer klassischen Bühne auf die Beine zu stellen. Dabei gibt es eine Reihe von Herausforderungen, z. B. die zeitliche Verzögerung, die in einer Internetverbindung auftreten kann, eine andere Qualität des technischen Equipments und die Abstimmung der richtigen Lautstärke aller Bandmitglieder. Tatsächlich bin ich mir aufgrund des Drummers, der nicht einmal ein Schlagzeug zur Verfügung hatte, nicht sicher, ob der Sound in diesem Video nicht vom Band abgespielt wurde.

Virtual-Reality-Konzerte

Dass digitale Konzerte mehr als nur einen Splitscreen bieten können, stellte das Start-Up Wave im Juni 2020 mit einem John-Legend-Konzert unter Beweis. Bei diesem Konzert wurde tief in die digitale Trickkiste gegriffen. Die Zuschauer bekamen den Künstler auf einer digitalen Bühne zu Gesicht. In diesem YouTube Video ist nicht nur die Bühne zu sehen, auf der der digitale Avatar des Künstlers seine Performance abhält, sondern auch der Künstler, der in einem mit Sensoren versehenen Anzug und einer Kamera seinen Avatar auf der Bühne steuert.

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Das Konzert wurde von fast 500.000 Besucher aus der ganzen Welt besucht. Einige dieser Zuschauer verfügten über ein Virtual-Reality-Headset und konnten so während des Konzertes laut unserem Autor miteinander agieren. Da sich neben dem Künstler auch einige gesichtslose Avatare im Zuschauerraum befanden, kommt in dieser Performance etwas mehr Konzertfeeling auf als in der Rolling-Stones-Performance.

Hologram-Konzerte

Im Februar 2020 leisteten digitale Technologien etwas, das das wahre Leben nicht leisten kann: Die 2012 verstorbene Sängerin Whitney Houston trat vor einem echten Publikum mit echten Tänzern in Form eines Holograms wieder auf der Bühne auf. Das Publikum in diesem YouTube Video war so begeistert, dass es wie bei einem echten Konzert die Smartphones zückte und das Hologramkonzert filmte.

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Fazit

Wir haben heute drei digitale Konzert Beispiele gesehen, die zeigen, was mit der heutigen Technologie möglich ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass die digitalen Varianten in Zukunft echte Konzerte ersetzen können. Aber ich habe das Gefühl, dass digitale Konzerte echte Konzerte hervorragend ergänzen können.

So könnte ein Livekonzert der Rolling Stones in Berlin via Hologramm in andere Städte vor Live-Publikum übertragen werden. Die Kinosäle, die in den letzten Jahren aufgrund der Konkurrenz des Fernsehens Zuschauer verloren haben, könnten in Zukunft die Orte sein, in denen wir uns treffen, um digitale Konzerte mit Livepublikum zu erleben.

Dank der zeitgleichen analogen und digitalen Übertragung könnte ein Konzert viel mehr Reichweite haben als es normale Konzerte haben, und die Fans könnten auf Social Media ihr gemeinsames Erlebnis teilen. Zudem könnte es dadurch endlich wieder möglich sein, in dem ein oder anderen Kinosaal ein Konzert zu erleben, bei dem die Zuschauer die Bühne und nicht nur die Smartphones der Mitbesucher sehen.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Kannst Du Dir vorstellen, ein digitales Konzert zu besuchen.