3.4 min readPublished On: 8. Juni 2021By Categories: Bücher, Wissen

Post oder Internet? Wer transportiert Daten schneller?

Nimm mein Taschengeld und gib mir Internet.

Erinnerst Du Dich noch an die Zeit als das Internet beim Einwählen Geräusche gemacht hat? Bei mir ist das inzwischen mehr als 20 Jahre her. Damals freute ich mich, dass wir endlich Internet zu Hause hatten und mein Taschengeld nicht mehr für Internet-Cafés drauf ging. Damals war es ein Kraftakt, eine Datei von A nach B via Internet zu übertragen. Wenige MB zu laden dauerte ewig, so dass es völlig normal war, einen Download abends zu starten und sich am nächsten Morgen zu freuen, dass die Daten schon da waren.

Seitdem ist viel passiert. Das Internet ist so schnell, dass wir ohne darüber nachzudenken, riesige Mengen an Daten ziehen, wenn wir abends Netflix und Co. genießen. Selbst das mobile Internet ist inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und bietet in manchen Orten schnellere Datenverbindungen als der Festnetzanschluss.

Weil das Internet inzwischen so schnell ist, bin ich nicht einmal auf die Idee gekommen, mich zu fragen, ob es noch andere Wege als das Internet gibt, um Daten zu transportieren.

Doch zum Glück gibt es Bücher wie

Randall Munroe: HOW TO – Wie man’s hinkriegt. Absurde, wirklich wissenschaftliche Empfehlungen für alle Lebenslagen,

die so kluge Fragen stellen und zu dem überraschenden Ergebnis kommen. So kann es durchaus vorkommen, dass die Post Daten schneller transportiert als das Internet.

Wann ist die Post schneller als das Internet?

Hat der Postbote die DVDs schon gebracht?

Im Gründungsjahr von Netflix war das Internet noch so langsam, dass es schneller war, Kunden einen Film als physische DVD zukommen zu lassen, als ihn über das Internet herunterzuladen. Erst 2007, also 10 Jahre nach der Gründung des Unternehmens, war die Bandbreite des Internets so groß, dass Netflix begann, seinen Streamingdienst aufzubauen. Inzwischen können wir hochauflösende Filme über Netflix streamen und bekommen nicht einmal mit, dass der Streamingdienst gute 3 Gigabyte an Daten pro Stunde über unseren Monitor flimmern lässt. Wir können also sagen, dass das Internet seit ca. 2007 beim Transport von Filmen schneller als die Post ist.

Aufgrund von Streamingdiensten und Co. lag der weltweite Internetverkehr 2014, das Jahr, in dem unser Buch erschien, laut Cisco bei 167 Terabits pro Sekunde. Ein Terabyte sind 1.000 Gigabyte, also rund 333 Stunden Netflix in Hochauflösung. Pro Sekunde wurden 2014 also 167.000 Gigabyte Daten pro Sekunde über das Internet transportiert.

Unser Autor gönnt sich nun den Spaß auszurechnen, dass eine Festplatte, die ein Terabyte speichern kann, 78 Gramm wiegt und FedEx mit seiner Flugzeugflotte am Tag 12 Millionen Kilo transportieren kann. Umgerechnet auf den Datentransport pro Sekunde konnte FedEx das Internet 2014 mit 14 Petabytes pro Sekunde locker schlagen. 14 Petabytes sind 14.000.000 Gigabyte und somit war der Stand Internet vs. Fedex 2014:

  • Internet: 167.000 Gigabyte Datenvolumen pro Sekunde.
  • FedEx: 14.000.000 Gigabyte Datenvolumen pro Sekunde.

Wann ist das Internet schneller als die Post?

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Internet schneller ist, oder?

Wenn es Dir so geht wie mir, hast Du Dir bei diesen Daten gedacht: Das ist ja nun nicht wirklich spannend, die Daten, mit denen der Autor rechnet, sind ja uralt. Inzwischen ist das Internet viel schneller als 2014 und heute hätte FedEx keine Chance mehr. Aus diesem Grund wollte ich mich gerade in die Recherche stürzen und herausfinden, wann das Internet FedEx überholt hat. Doch dann nahm mir unser Autor mit folgendem Absatz den Wind aus den Segeln:

„Nach Schätzungen Francisco wächst der Internetverkehr jährlich um etwa 29 Prozent. Bei dieser Rate würden wir FedEx im Jahr 2040 einholen. Natürlich können wir bis dahin auch eine größere Datenmenge auf einen Solid-Date-Drive bringen.“ S. 228.

Fazit

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin über diese Erkenntnis wirklich überrascht. Während wir Normalsterbliche uns über riesige Bandbreiten freuen und streamen bis der Arzt kommt, transportieren Astronomen große Datenmengen, die sie auswerten wollen, wahrscheinlich noch immer mit Hilfe von LKWs von A nach B.