Wann sollte ich zuerst an mich denken und wann nicht?

_Geschätzte 7 Minuten Lesezeit

Wann bin ich selbstsüchtig? Wann schade ich mit meiner Selbstlosigkeit mir selbst? In diesem Beitrag gehen wir diesen Fragen nach. Denn in diesem Text geht es um den Unterschied zwischen Selbstliebe und Selbstsucht, den noch kein Buch, das ich kenne, besser beschrieben hat als

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens

Selbstliebe

Flug
Flugzeug

Ein schönes Beispiel für Selbstliebe gibt uns die Sicherheitsanweisung der Stewardessen am Anfang eines jeden Fluges. Diese einstudierte fast bühnenreife Show wird von uns in der Regel ignoriert und das obwohl sie Leben retten kann und das nicht nur im Flugzeug.

Ich habe einen kleinen Trick, um meine Aufmerksamkeit während der Show oben zu halten: Ich achte darauf, dass mein Sitzplatz am Gang ist und ich an einer Stelle bin wo eine Stewardess ihre Show macht. Während sie ihr Showequipment vorbereitet, schaue ich sie Sie breit lächelnd an und sage ihr, dass ich mir extra den Platz in ihrer Nähe gesichert hast und mich jetzt auf die beste Show meines Lebens freue. Sobald sie beginnt, folge ich jeder ihrer Bewegungen absolut aufmerksam. Am Ende strahlst ich sie an und sagst ihr was für einen fantastischen Job sie gemacht hat und dass sie mich nicht enttäuscht hat. Beim letzten Mal als ich das gemacht habe, hat sich die Stewardess nicht nur gefreut, ich hatte auch schwer den Eindruck, dass ich einen besseren Service bekommen habe als meine direkten Sitznachbarn. Daher wende ich diesen Trick auch in Zukunft an und er wird wohl solange funktionieren, bis diese kleine Showeinlage dank der Digitalisierung der Vergangenheit angehören wird.

Doch zurück zum Thema: Wenn es in dieser wunderbaren Stewardessenshow darum geht die Atemmasken zu erklären kommt immer der Hinweis sich zuerst um die eigene Atemmaske zu kümmern. Erst wenn die eigene Atmung sichergestellt ist, soll man sich darum kümmern, dass es auch dem Kind oder dem Bewusstlosen neben uns gut geht.

In dieser Reihenfolge liegt ein Schlüsselelement der Selbstliebe. Erst wenn es uns selbst gut geht können wir dafür sorgen, dass es auch den Menschen um uns herum gut geht. Erst wenn wir uns selbst lieben können wir die Menschen um uns herum lieben.

Selbstlosigkeit

Fragen, Kommunikation
Was passiert bei Selbstlosigkeit?

Was würde geschehen, wenn wir unsere Atemmaske ignorieren würden und uns nur um unsere Sitznachbarn kümmern würden? Nun mit etwas Pech würden wir ersticken und wenn dem Bewusstlosen dann aufgrund von Turbulenzen die Maske vom Gesicht rutschen würde, würde auch er ersticken. Das kleine Kind neben uns würde neben zwei Toten sitzen müssen und wenn es überlebt ein noch schlimmeres Trauma davonträgt, als wenn wir es hätten trösten können. Unsere Selbstlosigkeit an dieser Stelle würde also maximalen Schaden anrichten.

Selbstsucht

Schauen wir uns nun das andere Extrem an: Auch Selbstsucht macht in dieser Situation keinen Sinn. Klar können wir alle Atemmasken in unserer Nähe an uns reißen, aber da wir nur eine Nase haben, macht das wenig Sinn und wir würden definitiv den Zorn vieler Menschen auf uns ziehen, weil wir anderen geschadet haben, ohne dabei selbst etwas Positives für uns zu gewinnen.

Wenn wir jedoch der Anleitung der Stewardess folgen und uns zuerst um uns kümmern und dann um unseren Nachbarn, sorgen wir dafür, dass wir die best möglichen Chancen haben diese Situation zu überleben.

Wer geliebt werden will, wird nicht geliebt

Magst Du mich?

Selbstliebe, hat wie dieses Beispiel zeigt nichts mit Selbstsucht zu tun. Ich habe viele Jahre meines Lebens gebraucht, um das zu verstehen. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, in der ich selbst das Gefühl hatte, dass ich keinen Wert habe.

In dieser Zeit war es mir wichtig was andere von mir dachten. Ich tat viel dafür, um Anerkennung zu bekommen. Das Schlimme an diesem Streben war, dass je mehr ich mich bemühte, desto mehr wurde ich ignoriert. Ich war verzweifelt, denn ich dachte erst wenn jemand mich mag und in mir einen Wert sehen würde, würde ich glücklich sein können.

Wer Bücher hat, braucht keine Menschen

Irgendwann kam jedoch der Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, dass die Leute hinter meinem Rücken über mich redeten. Nun riss mir der Geduldsfaden. Sollte mir doch die ganze Welt mal gepflegt den Buckel runterrutschen. Ich gab den Versuch endgültig auf auf diese Weise Freunde und Anerkennung gewinnen zu wollen. Was die können kann ich auch, dachte ich mir und lief zu meinem Vater und bat ihn um großartige Buchempfehlungen.

Leseabenteuer

Diese gab er mir und ich begann eine Zeit in diese Welt abzutauchen. Ich bummelte mit Mark Twain durch Europa, reiste mit Jule Verne in 80 Tagen um die Welt, trauerte um Wolfsblut und genoss meine stillen neuen Freunde, denn sie waren immer freundlich und ich konnte mit ihnen fühlen und lernen und keiner urteilte über mich.

Diese Bücher brachten meine Welt und damit mich in Ordnung. Ich begann mich zu mögen. Und nun passierte etwas Erstaunliches: Die Welt begann mich zu mögen. Stück für Stück schloss ich Freundschaften. Okay na gut, andere schlossen Freundschaften mit mir, denn dieses Mädchen, dass immer ein Buch mit sich schleppte war so ungewöhnlich, dass es ein paar Menschen gab, die wissen wollten, was die da eigentlich liest. Und so stellten sie mir diese Frage und wir kamen ins Gespräch. Wir sprachen über Gott und die Welt und schlossen Freundschaft und ich fragte mich nie mehr, ob der andere mich mag.

Du bist einzigartig und perfekt wie Du bist

Ich bin einen langen und schmerzhaften Weg gegangen, um zu lernen, dass die Welt mich erst lieben kann, wenn ich mich selbst liebe. Ich habe gelernt meine Vergesslichkeit zu lieben, denn sie hat mich motiviert zu schreiben. Ich ärgere mich nicht über meine Oberschenkel, sondern freue mich darüber, dass meine Gene mir einen so breiten Mund geschenkt haben, der mich sagen lässt, was ich denke.

Wer schreibt, der bleibt

Daher mein Tipp an Dich: Konzentriere Dich auf Deine Stärken! Frag Dich nicht was Du an Deinen Schenkeln ändern kannst, sondern konzentriere Dich auf den Glanz in Deinen Augen, der Menschen verzaubern kann. Denn Du bist großartig wie Du bist. Du bist einzigartig wie Du bist. Und Du bist ganz klar ein Gewinner: Immerhin hat Dein Spermium ein Wettrennen gegen einige Millionen andere gewonnen. Also opfere Dich nicht auf damit andere Dich lieben. Fange an Dich selbst zu lieben und genieße das was dann passiert. Ich bin mir sicher, dass Du positiv überrascht sein wirst.

Fazit

Die Geschichte, die ich Dir erzählt habe, ist fast 20 Jahre her. Seitdem habe ich mich weiterentwickelt und nutze meine Eigenheiten auf eine ganz besondere Weise. Da ich wenig Zeit habe kann ich mit wenigen Menschen intensiven Kontakt pflegen. Daher ist es für mich ein geniales Selektionskriterium einfach 100% ich zu sein. Wenn meinem Gegenüber das nicht passt, weil ich zu verrückt bin, dann sehen wir uns halt nicht wieder und dass ist auch gut so. Denn so habe ich mehr Zeit für die Menschen, die genauso verrückt sind wie ich. Und mit diesen Menschen an meiner Seite bin ich mir sicher, dass wir die Welt aus den Angeln heben können. Zusammen können wir dafür sorgen, dass wir das Potenzial, dass uns unsere Zeit bietet nutzen und es so einsetzen, dass es einen positiven Einfluss in der Welt hat.

Wenn Du nun nach diesem Beitrag das Gefühl hast, dass Du einer dieser Mensch bist, freue ich mich auf Deine Ideen wie wir die Welt nachhaltig verbessern können. Und jetzt lass uns in den Tag starten und die Welt aus den Angeln heben, denn wer außer uns kann das schaffen?