3.8 min readPublished On: 7. September 2021By Categories: Bücher, Wissen

Warum tanzen kleine Muster in Videos?

Boa, das Flimmert ja total.

Hast Du schon einmal ein Video gesehen, in dem ein oder mehrere Personen ein klein gemustertes Kleidungsstück trugen und Dich gewundert, warum das Muster auf dem Bildschirm tanzt? Dank

Nicole Krieger: Die Gastgeber-Methode. Konferenzen, Tagungen, Veranstaltungen, Diskussionen kompetent und erfolgreich moderieren,

habe ich gerade gelernt, dass das Tanzen der Muster als Moiréeffekt bezeichnet wird. Mit etwas Glück verrät uns das Internet nun, wie genau dieser Effekt funktioniert.

Wie funktioniert der Moiréeffekt?

Um den Moiréeffekt wirklich perfekt zu erklären, fehlt es mir definitiv an einer ordentlichen Portion Physik-Wissen. Dennoch starte ich heute einen tapferen Versuch, weil mich das Thema wirklich interessiert und ich endlich verstehen möchte, warum ich mit meinem Handy nicht einfach das Bild auf meinem Monitor abfotografieren kann, ohne dass dieses verschwimmt.

Was unterscheidet das Auge von einer Kamera?

Das spannende am Moiréeffekt ist, dass er erst im verarbeiteten Bild auftritt. Wenn uns im realen Leben ein Mensch begegnet, der ein gemustertes Kleidungsstück trägt, tanzt das Muster nicht. Erst wenn wir diesen Menschen fotografieren, oder auf Video aufnehmen, fängt das Muster auf dem Kleidungsstück an zu tanzen. Warum ist das so?

Der Grund hierfür liegt darin, dass der Moiréeffekt immer dann auftaucht, wenn sich zwei Muster in einer bestimmten Größe überlagern. Am besten schaust Du Dir dieses Video an, das sehr schön veranschaulicht, in welchen Konstellationen Muster der Moiréeffekt verursachen.

Ich habe 2 Vermutungen, warum uns der Moiréeffekt auf dem Bildschirm, nicht aber im realen Leben begegnet:

  1. Unser Auge hat ein feineres Muster als jeder derzeit existierende Drucker oder Monitor. Unser Auge besteht laut meiner Recherche aus ca. 126 Millionen Sinneszellen, ein Bildschirm oder Drucker dagegen hat trotz Technologien wie Ultra HD und Co. eine geringere Auflösung. So kommt ein Bildschirm mit einer Auflösung von 4096 × 2160 auf gerade einmal 8.847.360 Pixel. Aufgrund der geringeren Auflösung der Bildschirme entsteht der Moiréeffekt bei Mustern, die unser Auge ganz bequem auflösen kann.
  2. Die Pixel eines Monitors sind in einem festen Muster bzw. Raster angelegt. Jeder Pixel hat die gleiche Entfernung zum nächsten Pixel. Ich vermute, dass die Sinneszellen in unserem Auge nicht so ordentlich sind und kein sauberes Muster ergeben. Somit treffen bei einem gemusterten Oberteil und dem Monitor zwei Muster aufeinander, die den Moiréeffekt erzeugen. Beim Auge dagegen trifft ein Muster auf kein Muster und daher bleibt der Effekt aus. Laut meiner Recherche nutzen Druckereien diesen Trick, um bessere Drucke zu erhalten, indem sie auf frequenzmodulierte Raster setzen, bei denen die Pixel bewusst „unordentlich“ angeordnet sind.

Wie gesagt, dies sind meine Vermutungen. Ob das so stimmt, kann nur ein Mensch verraten, der mehr Ahnung von Physik hat als ich.

Was hilft gegen den Moiréeffekt?

Ich hab kein Muster an.

Nun, die offensichtliche Antwort lautet an dieser Stelle wohl: Trage keine kleinen Muster, wenn Du vor die Kamera gehst. Moderatoren, bzw. deren Ausstatter, beherzigen diesen Tipp schon lange.

Doch die Sache ist die: Als Fotograf auf der Straße kannst Du schlecht zu Deinem Motiv gehen und ihm sagen: „Entschuldige, ich fotografiere Dich gerade, und Du flimmerst. Kannst Du Dich bitte kurz umziehen?“ Wie also vermeiden Fotografen tanzende Muster? Nun, sie nutzen dafür einfach die vielen Rädchen und Tasten an ihrer Kamera

  • Reinzoomen – Große Darstellung hilft gegen den Moiréeffekt, da dieser nur bei kleinen Mustern auftaucht.
  • Rauszoomen – Kleine Darstellung hilft gegen den Moiréeffekt, weil das Muster irgendwann so viel kleiner als das der Kamera ist, sodass sie sich nicht mehr ins Gehege kommt.
  • Defokussieren – Das Muster wird einfach so unscharf gestellt, dass keine harten Linien mehr aufeinandertreffen, sondern eine optische Fläche entsteht.

Fazit

Bis hierhin habe ich ganz vergessen, Dir zu verraten, dass der Moiréeffekt nicht etwa von einem Herrn Moiré entdeckt wurde, sondern schlicht und einfach von moirer, dem französischen Wort für marmorieren, abgeleitet wurde.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe heute unglaublich viel gelernt. Nicht nur habe ich in Ansätzen verstanden, wie der Moiréeffekt funktioniert, sondern ich habe auch gelernt, dass er viel weiter verbreitet ist, als ich dachte. Entgegen meiner Wahrnehmung taucht er nicht nur in Videos, sondern auch auf Fotos und beim Drucken auf und treibt somit nicht nur Kameramänner, sondern auch Fotografen und Mitarbeiter in Druckereien ab und an in den Wahnsinn.