Was bestimmt unser Verhalten: Unsere Gene, oder unser Umfeld?

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ACHTUNG: Die Stars unseres heutigen Posts sind Nagetiere. Dieser Post ist nichts für Dich, wenn Du Angst vor Ratten und Mäusen hast oder extreme Aversionen gegen Experimente mit Tieren hast.

Maus

Wenn wir uns eine Maus anschauen, hat diese auf den ersten Blick nicht viel mit einem Menschen gemeinsam. Zwar besitzt auch sie zwei Augen, zwei Ohren, eine Nase und einen Mund, aber weder ihr Fell, noch ihre Größe deutet darauf hin, dass sie mit dem Menschen etwas gemeinsam hat. Ganz anders schaut es dagegen aus, wenn wir in das Innere der beiden Wesen schauen, genauer gesagt auf ihre Genome.

Genom = das Erbgut von Lebewesen

von Mäusen lernen

Überraschenderweise ist das Maus Genom dem menschlichen Genom sehr ähnlich. Diese Ähnlichkeit motiviert viele Forscher dazu die kleinen Fellknäule zu nutzen, um mehr über den Menschen zu lernen. So leben viele kleine Fellknäule in Forschungslaboren und begegnen hier in Labyrinthen und co. und begegnen unter der neugierigen Beobachtung von Menschen in weißen Laborkitteln immer wieder neuen Herausforderungen. Dank dieser tapferen kleinen Kerlchen haben wir in den letzten Jahrzehnten viel gelernt.

Ein Forschungsfeld bei dem uns die kleinen Nager wertvolles Wissen liefen ist die Verhaltungsforschung. Verhaltensforscher wollen wissen warum wir uns so verhalten wie wir uns verhalten. Fragen wie: „Wer hat mehr Einfluss auf unser Verhalten unsere Gene oder unser Umfeld“ halten Verhaltensforscher wach. Über einige dieser Forscher werden wir heute dank

Walter Mischel: Der Marshmallow-Effekt. Wie Willensstärke unsere Persönlichkeit prägt

mehr erfahren und am Ende dieses Beitrages werden wir dank der Forscher und der tapferen kleinen Nagetiere die Antwort auf die Frage wissen. Und nun höre ich auf Dich weiter auf die Folter zu spannen, es ist Zeit den Mäusen die Bühne zu überlassen.

Von neugierigen Mäusen und schüchternen Müttern

Schnelle Fortpflanzung

Zur großen Freude unserer Forscher vermehren sich Mäuse deutlich schneller und zahlreicher als Menschen. Aufgrund dieser schnellen und zahlreichen Fortpflanzungszyklen gelingt es den Forschern in kürzester Zeit verschiedene Mausarten mit unterschiedlichen genetischen Verhaltensmustern zu züchten. So gibt es zum Beispiel BALB und B6 Mäuse, die sich sehr unterschiedlich verhalten.

  • BALB Mäuse sind schüchtern und verstecken sich gern
  • B6 Mäuse sind relativ angstfrei und immer auf der Suche nach Neuem

2003 fand  an der Emory University mit diesen beiden Mausarten ein spannendes Experiment statt, mittels dem die Forscher folgende Frage beantworten wollten: Was passiert, wenn eine Maus, die aufgrund ihrer Genetik angstfrei ist von einer schüchternen Mutter Maus aufgezogen wird?

Ich bin nicht sicher ob das sicher ist…

Das Ergebnis des Experiments ist genauso überraschend wie eindeutig: Die von ihrer Genetik her abenteuerlustige Maus passte sich ihrer Umgebung an und verhielt sich ähnlich schüchtern wie die Mutter Maus.

Das Fazit dieses Experiments lautet: Die genetischen Voraussetzungen bestimmen massiv das Verhalten, doch mindestens genau so massiv wird das Verhalten von der mütterlichen Umgebung in der frühen Kindheit geprägt. Es ist egal wie mutig unsere Gene sind, wenn wir in einer ängstlichen Umgebung groß werden, werden wir uns ängstliche verhalten.

Die Ratten und das Labyrinth

Ich habe keine Ahnung wer einst auf die Idee kam eine Ratte in ein Labyrinth zu setzen. Doch egal wer es war, er war der Wegbereiter für zigtausende Elemente, die auch heute noch Forscher in aller Welt entzücken.

Vor langer langer Zeit, genau gesagt 1958, berichtete das Canadian Journal of Psycology von einer solchen Ratten Labyrinth Studie. Den Forschern war es gelungen zwei Arten von Ratten zu züchten:

  • Die eine Art war zu dumm um selbst einfachste Labyrinth Experimente zu bewältigen.
  • Die andere Art war extrem intelligent und löste jedes noch so schwere Labyrinth Experiment.
sensorisch reizvolles Umfeld

Mit diesen zwei Rattenarten ausgerüstet wollten die Forscher nun herausfinden wie stark die Umgebung in der die Ratten lebten in der Lage war ihre Fähigkeit Labyrinthe zu lösen zu beeinflussen. Die Forscher setzten die Ratten in 2 unterschiedliche Umgebungen. Die eine Umgebung war voll von sensorischen Reizen, die andere war ärmlich und hatte keine sensorischen Reize. Wenn die dummen Ratten in die sensorisch reizvolle Umgebung gesetzt wurden, wurden sie messbar intelligenter. Wenn die intelligenten Ratten in die trostlose reizlose Umgebung gesetzt wurden, wurden sie dümmer und verloren an Performance. Diese Studie zeigt, dass das Umfeld sich stark darauf auswirkt, ob sich genetische Veranlagungen entfalten.

Wie wichtig ist mütterliche Liebe für unser Verhalten?

Auch in der letzten Studie des heutigen Tages geht es wieder um Mütter, dieses Mal allerdings um Rattenmütter. In dieser Studie fragten sich die Forscher: Wie wichtig ist die Sorge der Rattenmutter für die Entwicklung ihrer Jungen?

Dank dieser Studie habe ich gelernt, dass Rattenmütter generell sehr bemüht um ihre Nachkommen sind. Jede Rattenmutter kümmert sich um die Fellpflege der Jungtiere indem sie sie Jungen regelmäßig ableckt. Doch nicht jede Rattenmutter ist gleich. Manche Rattenmütter kümmern sich extrem viel um die Fellpflege der Jungen, andere weniger.

Das Glück der Liebe

In unserer Studie fanden Forsche heraus, dass die Jungtiere jener Mütter, die das Glück hatten in ihrer Jugend viel Fellpflege abzubekommen bei Tests besser performten als jene Rattenkinder, die weniger Fellpflege bekamen. Doch nicht nur die Performance der Ratten wurde durch die mütterliche Sorgfalt beeinflusst. Die stärker umsorgten Ratten blieben auch in stressigen Situationen ruhiger, als ihre weniger geliebten Artgenossen.

Fazit

Dank der kleinen Fellknäule wissen wir nun, dass sowohl unsere Genetik als auch unser Umfeld extremen Einfluss auf unser Verhalten haben. Das bedeutet, dass wir unser Verhalten massiv beeinflussen können. Wenn wir unser Umfeld positiv und reizvoll gestalten werden wir völlig unabhängig von unserer genetischen Veranlagung mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr aufblühen als in einem tristen und langweiligen Umfeld. Ist das nicht großartig?