Was ist der magische Kreis? Oder: Warum genießen Menschen Spiele?

Ich spiele super gern und Du?

Welche Spiele spielst Du gern? Wann spielst Du besonders gern? Spielst Du lieber allein oder mit anderen? Was ist Dein Lieblingsspiel?

Ich habe schon immer gern gespielt. Tatsächlich könnte ich immer spielen, und daher spiele ich bewusst wenig wenn ich arbeite und deutliche mehr, wenn ich Urlaub habe. In meiner Kindheit spielte ich gern allein, gerne am Computer, weil ich kein guter Verlierer war. Zum Glück gab es einen Urlaub, in dem meine Eltern meine Unfähigkeit zu verlieren so aufs Korn nahmen, dass ich lernte, ein guter Verlierer zu werden. Statt mich über meine Niederlage zu ärgern und mich in den Ärger hineinzusteigern, feierte ich den Erfolg des Gewinners einfach mit. Von da an spielte ich auch gern mit anderen Menschen.

Doch warum spielen wir gern? Warum gibt es Online-Spiele, in denen Menschen echte Arbeit wie z. B. das Arbeiten auf einem Bauernhof oder Zugfahren simulieren? Warum genießen Menschen solche Spiele, aber nicht Ihre Arbeit?

Zu meiner großen Freude bin ich in dem Buch von

Jesse Schell: Die Kunst des Game Designs

eher zufällig über eine Antwort auf die Frage gestolpert. Unser Autor erwähnt in seinem Buch, dass Spiele einen „Magischen Kreis“ haben. Statt diesen Begriff im Detail zu erläutern, erwähnt er, dass der Begriff auf Johan Huizinga zurückgeht und nennt in einer Fußnote den Titel des Buches, in dem der Begriff geprägt wurde.

Mit diesen Anhaltspunkten startete ich heute Morgen in die Recherche zum Magischen Kreis und stolperte dabei über eine wichtige Antwort auf die Frage, warum Menschen gern spielen. Doch bevor ich diese Frage beantworte, schauen wir uns erst einmal die Sache mit dem Magischen Kreis an.

Wer hats erfunden?

Irgendwie habe ich gar keine Gladiatoren mehr auf der Speisekarte.

Dank unseres Autors wissen wir, dass Johan Huizinga den Begriff „Magischer Kreis“ ins Leben gerufen hat. Dabei hat er den Magischen Kreis nicht erfunden, sondern lediglich ein bereits existierendes Phänomen beobachtet, dem er diesen Namen gab.

Als mir der Name Johan Huizinga in dem Buch unseres Autors begegnete, dachte ich, dass Johan in der Game-Industrie arbeitet. Mit dieser Vermutung lag ich völlig daneben. Zu meiner Überraschung ist der Niederländer Johan laut Wikipedia genau wie ich Historiker, genauer gesagt Kulturhistoriker. Richtigerweise sollte ich sagen, dass Johan Kulturhistoriker war. Denn der Mann lebte von 1872 bis 1945 und prägte den Begriff, um den es heute geht, bereits 1938.

Doch warum beschäftigt sich ein Kulturhistoriker mit dem Thema Spielen? Nun, das Spielen ist Teil der menschlichen Kultur und sagt eine Menge über die Kultur der Menschen aus. Es ist nun einmal ein massiver Unterschied, ob Menschen an einem Ort zusammenkommen, um zu beobachten, wie Gladiatoren gegen Tiere kämpfen oder ob sie dies tun, um 22 Frauen dabei zu beobachten, wie sie einen schwarz-weißen Ball hin und her schießen.

Was ist der Magische Kreis?

Wir wissen jetzt, wer Johan ist und warum er sich für das Spielen interessierte. Jetzt ist es an der Zeit herauszufinden, was es mit dem Magischen Kreis auf sich hat. Weil das Buch älter als 6 Monate ist, bekomme ich beim Rowohlt Verlag wahrscheinlich kein Rezensionsexemplar mehr. Darum stützt sich meine heutige Antwort auf zwei Sekundärquellen aus dem Internet. Los geht’s:

Der Magische Kreis ist laut ludologie.de ein Schonraum, in dem

„wir die Regeln, Zeitabläufe und Ereignisse bestimmen.“

Da jedes Spiel seine eigenen Regeln, Zeitabläufe und Ereignisse hat, hat jedes Spiel laut nordischlarp.de  seinen eigenen bzw. mehrere eigene Magische Kreise.

Zeit für ein Spielchen, oder?

Das Magische an diesen Spielkreisen ist, dass sie im Gegensatz zur realen Welt Grenzen kennen. Jede Grenze in einem Spiel ist sichtbar:

  • Die Spielregeln setzten dem Spiel Grenzen und sind niedergeschrieben. Wir können Sie jederzeit nachlesen.
  • Das Spiel findet statt, wenn wir es spielen. Wir setzen ihm damit eine zeitliche Grenze. Wir können das Spiel jederzeit beginnen und jederzeit beenden.

Dank dieser klar definierten Grenzen schenkt uns das Spiel

  • Kontrolle und
  • Berechenbarkeit.

Das sind zwei Dinge, die wir in der realen Welt immer öfter vermissen.

Warum spielen Menschen gern?

Auf Basis dessen, was wir nun über den Magischen Kreis wissen, möchte ich den Versuch starten, einige Antworten auf diese Frage zu finden.

Das Besondere an Spielen ist, dass sie uns den oben angesprochenen Schonraum schenken. Egal, was im Spiel passiert, es ist und bleibt ein Spiel. Wir können bei Monopoly unser gesamtes Spielgeld verlieren, ohne deshalb im realen Leben bankrott zu gehen. Spiele schaffen einen geschützten Raum, in dem wir uns ausprobieren können.

Zahlreiche Spiele verfügen über Regeln, die es uns erlauben, ein Spiel beliebig oft zu wiederholen. Wenn wir ein Spiel beliebig oft wiederholen können, können wir verschiedene Strategien ausprobieren und herausfinden, welche uns gewinnen lässt und welche nicht. Im realen Leben ist dies nicht möglich. Wenn wir die Verhandlung mit einem Kunden gegen die Wand fahren, ist der Kunde weg, und wir haben einen realen Verlust erlitten.

Los, mach Dein Handy an und füttere mich.

Der Magische Kreis erklärt auch, warum Menschen gern Spiele spielen, die echte Arbeit simulieren. Die Arbeit, die wir hier verrichten, hat im Gegensatz zu einem echten Bauernhof klare Grenzen und sehr einfache Regeln. Wenn ich einen Online-Bauernhof habe, dann weiß ich, wann ich die Ernte einfahren muss. Es gibt kein unkontrollierbares Wetter, das mir dazwischenfunkt. Ich brauche keinen Mähdrescher, um meine Ernte einzufahren, ich wische einfach mit dem Finger über das Display meines Smartphones, und schon ist der Job getan.

Ich kann meinen Magischen Kreis wählen. Wenn mir der Magische Kreis mit seinen Regeln für ein Spiel zu schwierig ist, kann ich einfach ein anderes Spiel spielen. Das gibt mir gleichzeitig die Möglichkeit, meine Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Irgendwann kenne ich das leichte Spiel in und auswendig und brauche eine neue Herausforderung. So kann es sein, dass ich nach einigen anderen Spielen plötzlich Freude an einem Spiel habe, dass mir zuvor zu schwierig war.

Fazit

Wir wissen nun, was der Magische Kreis ist und wie er dafür sorgt, dass wir Freude am Spielen haben. Was mich an diesem Wissen fasziniert, ist die Tatsache, dass wir in der Lage sind, zahlreiche Spiele zu schaffen, die uns Freude bereiten, aber sehr häufig daran scheitern, eine Realität zu schaffen, die dies tut. Ich weigere mich zu glauben, dass es nicht möglich sein soll, Teile des Magischen Spielkreises in die reale Welt zu übertragen. Wie dies gelingen kann, weiß ich nicht. Doch mit etwas Glück hast Du eine Antwort auf diese Frage.

20. März 2023
Werbehinweis, der besagt, dass das Buch zu diesem Beitrag von einem Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.
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6 minBücher
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.
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Ein Männchen mit vier Armen wirbelt 8 Bücher durch die Luft.

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20. März 2023
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