Was ist der Unterschied zwischen vertikaler und horizontaler Vernetzung?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar vom Penguin Verlag erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Wir sind ein vernetztes Team.

Eine Welt ohne Vernetzungen wäre eine Welt, in der jedes Individuum allein wäre und somit wäre eine Welt ohne Vernetzungen bald frei von Menschen. Vernetzungen sind für den Menschen überlebenswichtig und das nicht erst, seit es das Internet gibt. Überall wo wir hinsehen, begegnen uns Vernetzungen. Das Internet ist eine Vernetzung von technischen Geräten. Ein Team ist eine Vernetzung von Menschen. Unternehmen, die miteinander arbeiten, sind eine Vernetzung von Partnern. Und genau um diese geht es heute dank

Christoph Keese: Silicon Germany. Wie wir die digitale Transformation schaffen,

der uns zeigt, dass die Art der Vernetzung erheblichen Einfluss auf das Miteinander hat.

Vertikale Vernetzung

Die Vertikale Vernetzung ist eine Vernetzung von unten nach oben. Sie ist geprägt von

  • Befehlsketten,
  • Abhängigkeitsverhältnissen,
  • Geschäftsgeheimnissen und
  • der Vollintegration der zusammenarbeitenden Firmen.
Ich bin Dein Haushaltsroboter.

Um die Vertikale Vernetzung zu verstehen, schauen wir uns an dieser Stelle ein fiktives Beispiel der Firma Robotus an. Die Firma Robotus produziert die innovativsten und besten Haushaltsroboter. Diese Haushaltsroboter sind perfekt an ihre Eigentümer angepasst und so hochindividuell, dass kein Roboter dem anderen gleicht. Weil die Roboter so individuell sind, benötigen sie viele verschiedene Teile, und diese werden von unzähligen Zulieferern „just in time“ zum Werk geliefert und sofort verbaut. Auf diese Weise sorgt Robotus für einen fantastischen Cashflow innerhalb der Firma, weil kein Geld unnötig durch das Lager gebunden wird.

Auf den ersten Blick ist es eine eigenständige Firma.

Jeder Zulieferer ist auf den ersten Blick eine eigenständige Firma. Beim genaueren Hinsehen fällt schnell auf, dass jeder Zulieferer abhängig von Robotus ist, weil Robotus nicht nur der größte Kunde des Zulieferers ist, sondern auch, weil jeder einzelne Prozess perfekt auf Robotus abgestimmt ist. Dank dieser perfekten Abstimmung kann der Zulieferer „just in time“ an Robotus liefern. Allerdings lähmt diese Abstimmung den Zulieferer gleichzeitig in der Zusammenarbeit mit anderen Firmen, die andere Prozesse haben. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Robotus ein langjähriger und zuverlässiger Kunde mit großen Volumina ist, zahlen die Zulieferer diesen Preis im ersten Moment gern.

Ganz oben steht das ultimative Vorbild.

Bei der Vertikalen Vernetzung passen sich alle dem Mächtigsten an. Jeder Zulieferer von Robotus integriert sich also perfekt in die Infrastruktur von Robotus. Diese Vernetzungskultur herrscht nicht nur zwischen den Unternehmen, sondern auch innerhalb der Unternehmen. Jeder Mitarbeiter schaut nach oben und sorgt mit allem, was er tut dafür, dass er in den Augen des eigenen Chefs immer gut dasteht.

Vertikale Netze zwischen verschiedenen Unternehmen haben eine so einheitliche Kultur, dass aus ihnen ohne weiteres eine Firma entstehen könnte. Dennoch bleiben die einzelnen Firmen erhalten, denn nur so behält Robotus alle Karten in der Hand. Wenn ein Zulieferer sich weigert, Preise zu reduzieren, können die Verträge einfach gelöst und ein neuer Zulieferer integriert werden. Das dies aufgrund der starken Abhängigkeit das Aus für den Zulieferer bedeuten kann, interessiert Robotus nicht. Schließlich hat der Zulieferer eine eigene Firma und ist als Unternehmer für diese verantwortlich.

Horizontale Vernetzung

Die Horizontale Vernetzung ist eine Vernetzung auf Augenhöhe. Sie ist geprägt von

  • Meinungsaustausch,
  • Unabhängigkeit,
  • öffentlich zugänglichen Informationen,
  • Unverbindlichkeit und
  • kultureller Vielfalt.
In Horizontalen Vernetzungen sind alle individuell.

Bei der Horizontalen Vernetzung kann jedes Unternehmen so sein, wie es gern sein möchte. Doch diese Individualität hat ihren Preis: Die Zulieferer in einem Horizontalen Netzwerk haben nicht die Planungssicherheit, die die Zulieferer in einem Vertikalen Netzwerk genießen. Wenn in einem Horizontalen Netzwerk ein neuer Zulieferer mit besseren Produkten oder Leistungen auftaucht, kann das schnell das Ende einer bisher guten Zusammenarbeit bedeuten.

Horizontale Vernetzungen lassen sich nicht zu einer Firma verschmelzen, ihre Kulturen und Organisationsformen sind in aller Regel zu unterschiedlich.

Ohne Informationsaustausch geht nichts.

Zulieferer, die in Horizontalen Netzwerken bestehen wollen, dürfen weder ihre Kunden noch ihren Markt aus den Augen verlieren. Ohne einen regelmäßigen Meinungsaustausch mit dem Kunden und stetige Innovationen kann kaum ein Zulieferer in einem Horizontalen Netzwerk bestehen. Um innovativ zu sein, brauchen Horizontale Vernetzungen den Austausch zwischen Berufen und Fachrichtungen.

Fazit

In Deutschland hat die Vertikale Vernetzung eine lange Tradition. Typisch für das Silicon Valley ist die Horizontale Vernetzung. Ich sehe in beiden Arten der Vernetzung Stärken und Schwächen und halte keine der beiden Extreme für perfekt. Weder eine extreme Abhängigkeit, die in Preisverhandlungen für eine schwache Position sorgt, noch das absolute Fehlen einer Planungssicherheit scheinen mir sonderlich attraktiv. Die Frage an dieser Stelle lautet: Ist es als Zulieferunternehmen möglich, sowohl Horizontale als auch Vertikale Vernetzungen zu pflegen? Solltest Du an dieser Stelle Praxisbeispiele kennen und Dein Wissen mit mir teilen, würde ich mich unglaublich darüber freuen.