Was ist die Pilkington Methode?

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Hast Du Dich auch schon einmal gefragt, wie diese riesigen Scheiben entstehen, die heute die Fronten der meisten Hochhäuser schmücken? Dank

Ernie Schenck: The Houdini Solution: Why Thinking Inside the Box is the Key to Creativity

wirst Du heute die Antwort auf diese Frage erhalten.

Die Anfänge der Glasproduktion

Dorf

Unweit von Berlin befindet sich ein kleines Dorf namens Glashütte, in welchem noch heute Glas auf traditionelle Weise hergestellt wird. Die Besucher des Dorfes können diesen Herstellungsprozess in den Showwerkstädten des Dorfes jeden Tag live erleben. Fasziniert stehen die Besucher vor Glasbläsern, die aus einem glühend heißen Tropfen Glas mit einer Engelsgeduld wahlweise Trinkgläser oder kleine Glasfiguren erschaffen, die die Besucher am Ende ihrer Tour im hauseigenen Museumsshop erwerben können.

So schön es ist diesen Glaskünstlern zuzusehen, so klar ist auch, dass diese in ihren Werkstädten nicht im Stande wären meterlange Scheiben zu produzieren. Was in ihren Werkstädten entstehen könnte sind kleine Glasscheiben, die dann von Künstlern zu beeindruckenden Kirchenglasfenstern zusammengesetzt werden könnten.

Lass die Sonne rein

Sehr lange Zeit war es normal, dass Fensterscheiben relativ klein und nicht immer ganz flach und blasenfrei waren. Um große Fenster mit viel Lichteinfall zu bekommen, setzte man einfach viele kleine Scheiben in einen mit Streben versehenen Glasrahmen ein und erschuf so große Fenster, die auch heute noch viele kleinere Häuser der Welt schmücken.

Die Pilkington Fabrik

1826 eröffnete eine Familie namens Pilkington ein Unternehmen, welches auf die Produktion von Glas spezialisiert war. In den kommenden Jahrzehnten wuchs und gedieh das Unternehmen so prächtig, dass es auch über 100 Jahre später noch existierte. Doch 1950 hatte das Unternehmen ein Problem: Der Markt für flaches blasenfreies Glas war grade zu explodiert. Diesen Bedarf zu decken war für jedes Unternehmen zu dieser Zeit eine Herausforderung, da es keine gute einfache Methode gab dieses Glas zu produzieren.

Geniale Idee gesucht

Wem auch immer es gelingen würde eine Methode zu finden, mit der es möglich wäre schnell und kostengünstig riesige Scheiben zu produzieren, der würde den Markt dominieren. Das wusste auch Alastair Pilkington. Lange grübelte er, wie eine solche Methode aussehen könnte. Während er vor sich hin grübelte verging viel Zeit. Zeit, in der er sein Leben lebte, wie jeder andere von uns. Zeit, die er mit Essen, Trinken, Arbeiten und Schlafen verbrachte.

Teller, Gabel, Messer, Besteck
Geschirr

Eines Tages als er grade dabei war sein Geschirr zu waschen, sah Alastair wie das Fett welches vor wenigen Augenblicken noch auf seinem Geschirr war auf der Oberfläche seines Abwaschwassers schwamm. In diesem Moment stellte er sich zwei Fragen:

  • Was wäre wenn dieses Fett geschmolzenes Glas wäre?
  • Was wäre wenn das Wasser eine Flüssigkeit wäre, auf der geschmolzenes Glas schwimmen konnte?

Von diesem Moment an ließ die Idee Alastair nicht mehr los. In den kommenden Tagen machte er sich daran eine Flüssigkeit zu finden, auf der Flüssiges Glas schwimmen würde. Vielen Experimente später hatte Alastair die Antwort auf seine Frage gefunden. Die von ihm gesuchte Flüssigkeit war flüssiges Zinn.

Dank Alastairs Entdeckung konnte seine Firma nun den Marktbedarf nach flachem Glas zu sehr geringen Preisen decken. Die Schwimmethode zur Produktion von flüssigem Glas, die er vor rund 70 Jahren entdeckt wird heute an 450 Standorten von Pilkington eingesetzt.

Fazit

Heute haben wir nicht nur die Antwort auf unsere Frage bekommen, sondern auch eine faszinierende Entdeckung gemacht: Einfache Dinge des Lebens, wie zum Beispiel abwaschen können uns unendlich wertvolle Ideen schenken. An dieser Stelle bin ich nun wie immer neugierig. Kennst Du weitere Geschichten wie diese, in denen der Zufall unverhofft die lang gesuchte Lösung brachte?