Was ist One-Reasone Decision Making?

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Nach welchem der folgenden beiden Muster triffst Du Deine Entscheidungen?

Muster A: Ich schnappe mir den erst besten Grund, der mir in den Sinn kommt um eine Entscheidung zu treffen.

Urkunde, Dokument, Vertrag. Liste
Urkunde

Muster B: Ich liste mental oder schriftlich ordentlich alle Pros und Contras auf und treffe dann eine fundierte Entscheidung basierend auf dieser Liste.

Auch wenn Du (so wie ich vor diesem Buch) der festen Überzeugung bist, dass Du bei Deiner Entscheidungsfindung immer Muster B nutzt, greifst auch Du wahrscheinlich ab und an auf Muster A zurück. Warum das so ist, wie die Werbung dieses Muster für sich nutzen kann und in welchen Situationen wir gern Muster A nutzen erfährst Du heute dank:

Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen

Lass uns im ersten Schritt einmal schauen, in welchen Fällen wir fast automatisch auf Muster A zurückgreifen.

Intuitive Urteile

Urteil

Es gibt Entscheidungen in unserem Leben die wir intuitiv treffen. Zum Beispiel, wenn wir neue Menschen kennen lernen. Manchmal lernen wir eine Person kennen und vertrauen ihr schon am ersten Tag unser ganzes Leben an. Ein andern Mal wiederrum lernen wir jemanden kennen und beschränken uns auf eine Unterhaltung auf das Wetter. An dieser Stelle basiert unser Verhalten auf einem intuitiven Urteil. Irgendwie wissen wir, dass wir der einen Person trauen können und der anderen Person gegenüber zurückhaltend sein sollten. Das Erstaunliche daran ist, ist dass wir mit diesem Urteil sehr oft richtig liegen und das obwohl wir dieses Urteil nur auf Basis eines einzigen wagen Gefühls bilden.

Intuitive Urteile sind ein Paradebeispiel für Muster A Entscheidungen. Diese „Ein Grund Entscheidungen“ oder „One-Reasone Decision Making“ wie der Autor sie nennt, begleiten uns ständig. Dank ihnen sind wir in der Lage auch bei geringer Datenlage eine Entscheidung zu treffen.

Wie die Werbung dieses Muster für sich nutzt

Es gibt das diese Burgerkette mit dem goldenen M, die fast jeder von uns kennt. Seit dem sie 1955 gegründet wurde, tut sie viel dafür zu den führenden Unternehmen in ihrer Branche zu gehören. Regelmäßig startet der Wettbewerb aggressive Werbekampagnen um ihr Marktanteile streitig zu machen und regelmäßig gelingt es dem goldenen M diese Marktanteile zu verteidigen, oder zurück zu erobern.

Essen
Getränk

Eine erfolgreiche Verteidigungsmethode des goldenen M‘s beruht auf dem One-Reasone Decision Making. Statt dem Kunden alle Gründe zu nennen, warum er das goldene M aufsuchen sollte, beschränkte sich die Kette auf die Herausstellung eines Grundes: Es ist so leicht ein guter Papa oder eine gute Mama zu sein, komm mit Deinem Kind einfach zu uns, es wird Dich dafür lieben.

Und dieses ein Grund Marketing scheint zu funktionieren. Nicht nur ich habe meinen Vater immer wieder davon überzeugt diese Kette aufzusuchen, auch heute noch sehe ich regelmäßig viele Kinder in diesen Geschäften.

One-Reasone Decision Making in der Natur

Vogel

Ein weiteres Beispiel für One-Reasone Decision Making stammt aus der Natur. Die Hauptrolle in unserem Beispiel nehmen die Paradiesvögel ein. Männliche Paradiesvögel haben jeden guten Rat der Evolution ignoriert und sich ein Federkleid zugelegt, dass zwar schön aussieht, im Alltag aber viele Tücken mit sich bringt. Einige Paradiesvögel haben ein Federkleid, dass sie beim Fliegen ehr behindert, andere wiederrum sind so auffällig, dass selbst der ein stark sehbehinderter Feind sie aus großer Entfernung problemlos erspähen kann. Da fragt man sich: Warum lässt die Evolution solch eine Torheit zu? Nun, das Federkleid erleichtert dem in der Regel völlig unscheinbaren Paradiesvogelweibchen ein One-Reasone Decision Making. Es schnappt sich einfach das Männchen mit dem prächtigsten Federkleid, denn offensichtlich ist dieses Männchen so smart, dass es trotz seines Federkleides überlebt hat und bringt damit gute Voraussetzungen mit tolle Nachkommen zu zeugen.

Pro und Contra Liste vs. One-Reasone Decision Making

Zeit
Zeit

Ich für meinen Teil habe mich lange Zeit immer wieder dazu gezwungen fundierte Entscheidungen auf Grundlage einer wohl überlegten Pro und Contra Liste zu treffen. Nur so hatte ich lange Zeit das Gefühl eine solide, eine „erwachsene“ Entscheidung treffen zu können. Dieser Entscheidungsweg hat mir immer wieder ein gutes Gefühl gegeben, die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Doch ab und an verwirrte mich meine Pro und Contra Liste, denn manchmal waren die Pros und Contras gleichwertig. Nachdem ich also meine Liste gemacht hatte, war ich meiner Entscheidung keinen Schritt nähr gekommen, hatte aber wertvolle Zeit in dies Liste investiert. Hinzu kommt, dass die so getroffenen Entscheidungen sich im Nachhinein nicht immer als gut herausstellten.

Seit dem ich  Gerd gelesen habe, vertraue ich immer öfter meinen Gefühlen und nutze One-Reasone Decision Making für mich. Auf diese Weise spare ich wertvolle Zeit und komme schneller ans Ziel. So basiert jeder Beitrag den Du hier liest auf diesem Modell. Ich schlage morgens ein Buch auf, lese das Thema, dass ich zuvor mit einem Post It markiert habe und beginne in der Regel sofort mit dem Schreiben. Doch hin und wieder lese ich das Thema und fühle, dass es sich in diesem Moment nicht richtig anfühlt. Dann überlege ich nicht lange, dann schnappe ich mir das nächste Thema und schreibe los.