Was sind Expatriierte?

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WERBUNG: Das Buch, das diesen Beitrag inspiriert hat, habe ich als Rezensionsexemplar von Christoph Zulehner erhalten. Das bedeutet, ich habe das Buch zur Verfügung gestellt bekommen, um darüber zu schreiben.

Begriffsuntersuchung

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich bin mir absolut sicher, dass mir dieses Wort noch nie zuvor über den Weg gelaufen ist. Dieses Wort ist so kompliziert, dass ich es beim ersten Anlauf es zu schreiben gleich zwei Mal falsch geschrieben habe. Nicht zu wissen was ein bestimmtes Wort bedeutet und es nicht einmal schreiben können ist natürlich keine Option. Aus diesem Grund treten wir heute an herauszufinden was hinter diesem Begriff, den ich in

Christoph Zulehner: Art of Fake

entdeckt habe, verbirgt. Lass uns wie immer erst einmal schauen, was passiert, wenn wir den Begriff lang genug anstarren.

Wilde Bedeutungsspekulation

Im ersten Augenblick dachte ich es ist ja ganz einfach in dem Wort verstecken sich die Worte

  • Ex und
  • Part
part und patr sind nicht identisch

möglicherweise geht es heute also ganz einfach um etwas das nicht (Ex) mehr teil (Part) von etwas anderem ist. Doch dann stellte ich fest, dass ich beim Lesen des Wortes einen Fehler gemacht habe und mein gelesenes „Part“ ein „patr“ ist. Damit ist dieses Bedeutungsspekulation also hinfällig.

Lass uns einen neuen Anlauf nehmen und dieses Mal bei der Vermutung der Herkunft des Wortes beginnen. Wenn meine schwachen Lateinkenntnisse mich nicht trügen, müsste die Silbe Ex aus dem Lateinischen stammen, also tippe ich auf eine lateinische Herkunft.

Oh warte, ich glaube jetzt habe ich einen Geistesblitz. Auch aus dem Lateinischen stammt das Wort Patriarchalisch und bei genauem Hinschauen verbirgt sich dieser Begriff zum Teil in unserem Wort des Tages:

  • ex
  • patri
  • ierte

Nehmen wir nun einen neuen Anlauf und übersetzen patriarchalisch mit viel Phantasie mit „Vater“, dann bekommen wir einen „expatri“ also einen „Exvater“. Expatriierte könnten also Menschen sein, die einst Vater waren und es nicht mehr sind.

Nun ist es an der Zeit herauszufinden, ob wir mit dieser nicht ganz untraurigen Bedeutungsspekulation richtig liegen.

Was das Lexikon sagt

Es ist wieder an der Zeit für unser großartiges Zeit Lexikon. Auch heute finden wir nicht ganz den gesuchten Begriff in unserem Lexikon, aber die Einträge

  • Expatriation
  • expatriieren
  • Expatriierung

sind für mein Gefühl nah genug dran um uns unsere heutige Frage zu beantworten. Das expatriieren extrem nah an unserem gesuchten Begriff ist, schauen wir uns diesen Lexikon Eintrag nun genauer an:

expatriieren (sw. V.: hat) [mlat. expatriare = aus der Heimat weggehen, zu lat. patria = Vaterland] (Politik, Rechtsspr.): ausbürgern, verbannen.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 695.

Okay, mit der Herkunft des Wortes haben wir einen Volltreffer gelandet und auch bei der Bedeutungsspekulation lagen wir gar nicht so sehr daneben. Exvater oder Exvaterland liegen ja irgendwie schon einigermaßen nah zusammen, oder?

Hiermit sind sie offiziell ausgebürgert

Wir wissen nun also, dass ein Expatriierter ein Mensch ist, der aus seinem Vaterland verbannt bzw. ausgebürgert wurde. Während ich diesen Satz schreibe, wird mir bewusst, dass mir gar nicht bewusst war, dass ein Land einen ausbürgern kann. Ich dachte bis jetzt immer, dass ein Mensch ein Land verlassen kann und eine neue Staatsbürgerschaft annehmen kann, war mir aber nicht darüber im Klaren, dass einen das eigene Land auch einfach vor die Tür setzen kann. Das führt mich zu der Frage, was man anstellen muss, damit das passiert.

Warum werden Menschen expatriiert?

Um die  Frage zu beantworten werfen wir an dieser Stelle noch einmal einen Blick in das Buch welches uns zu diesem Begriff geführt hat. Hier stehen die Sätze:

„Nirgendwo scheint die Sonne der Kunst heller als über Paris. Amerikanische Expatriierte bildeten hier eine eigene Szene, zu der die Literaten F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein, Henry Miller und Ernest Hemingway zählten.“

S. 38.

Als Kunstbanause kenne ich nur zwei der 4 genannten Autoren. In der Schule wurde ich mit dem großen Gatsby von F. Scott Fitzgerald gequält. Ich lese unglaublich gern, mir aber darüber Gedanken zu machen, was laut Literaturwissenschaftlern hinter einem Buch steht, geht mir unendlich auf den Keks und kann jedes noch so gute Buch zerstören.

Deutlich positiver habe ich Hemingway in Erinnerung, auch wenn ich mir nicht sicher bin welches Buch von ihm ich vor ungefähr 20 Jahren gelesen habe. Was ich dagegen weiß ist, dass Hemingway zu den Stars der amerikanischen Literatur gehört. Warum zum Kuckuck würden die USA ihn vor die Tür setzen? Da mir das Internet auf die Schnelle auf diese Frage keine Antwort schenkt, reiche ich die Frage an unseren Autoren Christoph Zulehner weiter und bin sehr gespannt, ob dieser uns an dieser Stelle weiterhelfen kann. 😉