Weiß Du was kognitive Dissonanz ist?

Geschätzte 5 Minuten Lesezeit

Ich kannte sie vor diesem Buch nicht und freue mich heute sehr darauf mein neues Wissen um diese Theorie dank

Robert S. Feldman: Lügner

mit Dir zu teilen. Los geht’s.

Eine widersprüchliche Welt

Gespaltene Welt

Wir schreiben das Jahr 1950. Es beginnt grade das Jahrzehnt in dem Leon Festinger und James M. Carlsmith dank ihrer Experimente einige erstaunliche Dinge über den Menschen herausfinden werden. Die Welt in der die beiden Forscher leben ist in einen sozialistischen und kapitalistischen Teil gespalten. Beide Systeme nehmen für sich in Anspruch das bessere zu sein und tun vieles dafür die eigene Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das eigene System das ultimativ richtige und das andere System das ultimativ falsche ist. In dieser Welt voller widersprüchlicher System-Informationen machen sich unsere beiden Forscher im Rahmen ihrer Experimente daran herauszufinden, wie der Mensch mit solch widersprüchlichen Informationen umgeht.

Das Experiment

Smartphone

Um die Antwort auf ihre Frage zu finden geben sie ihren Probanden eine ultimativ langweilige und hirnlose Aufgabe, die eine ganze Stunde dauert, in der die Probanden Rollen auf ein Tablett setzen und Haken drehen müssen. Die meisten der Probanden haben die Aufgabe nach ca. 10 Minuten erledigt und müssen danach geschlagene 50 Minuten darauf warten, dass das Experiment endet. Heute würde jeder normale Mensch in dieser Situation einfach sein Smartphone zücken und die 50 Minuten würden wie im Fluge vergehen. Doch Smartphones gab es damals noch nicht und so blieb unseren Probanden nichts anderes übrig als auf das Ende des Experiments zu warten.

Experiment

Als der Psychologe, der das Experiment durchgeführt hat, endlich zurückkommt, sind die meisten Probanden heilfroh das langweilige Experiment hinter sich zu haben. Was sie nicht wissen, ist das in diesem Moment der für uns spannenden Teil des Experimentes erst beginnt. Der Psychologe lässt unseren Probanden jetzt nicht einfach seiner Wege ziehen, sondern hat noch eine letzte kleine Bitte an diesen. Der Psychologe bittet den Teilnehmer des langweiligen Experimentes mit einem hilflosen Gesichtsausdruck, ob dieser bereit wäre einer Versuchsteilnehmerin die das Experiment noch vor sich habe zu erklären, dass das Experiment eine extrem spannende Aufgabe sei.

Geld für Hilfe

Einem Teil der Teilnehmer bot der Psychologe an dieser Stelle einen Dollar und einem anderen Teil 20 Dollar. Ein Dollar war damals natürlich mehr wert als heute, aber 1 Dollar war auch damals ein überschaubarer Betrag. Dennoch erklärten sich einige Teilnehmer bereit unserem Psychologen auch für einen Dollar zu helfen.

Freundlich, lächeln, lachen, frölich
nicht mehr langweilig

Und nun passierte etwas Erstaunliches: Nachdem die Teilnehmer jemandem erklärt hatten, dass die Aufgabe eine spannende war, veränderte sich die eigene Wahrnehmung der Teilnehmer bezüglich der Aufgabe. Sie empfanden das Experiment nun im Nachhinein als nicht mehr so langweilig wie vor ihrer eigenen spannenden Schilderung. Und noch etwas bemerkenswertes passierte: Jene Teilnehmer, die für die spannende Schilderung nur 1 Dollar erhalten hatten fanden das Experiment im Nachhinein durchweg spannender als jene die 20 Dollar erhalten hatten.

Was war passiert?

Durch die positive Schilderung der Aufgabe erschufen die Probanden in ihrem eigenen Kopf ein zweites Bild des Experiments. Nun hatten sie eine negative und ein positive Geschichte zu ein und dem gleichen Experiment im Kopf. In dem Streben diese beiden sich widersprechenden Informationen überein zu bringen, veränderte sich die Wahrnehmung der Teilnehmer. Aus dem in der Praxis langweiligen Experiment wurde plötzlich ein weniger langweiliges Experiment in der Erinnerung der Probanden. Dank diesem Experiment hatten nicht nur unsere Probanden ihren inneren Widerspruch gelegt, sondern unserer Forscher auch die kognitive Dissonanz entdeckt.

Kognitive Dissonanz

Erkennen

Die kognitive Dissonanz ist Element der Selbsttäuschung. Der Begriff kognitiv stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „erkennen“. Der Begriff Dissonanz stammt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet „Unstimmigkeit“. Kognitive Dissonanz lässt sich also grob mit „erkannter Unstimmigkeit“ übersetzen und tatsächlich sind wir mit dieser groben Übersetzung schon sehr nach an der richtigen Bedeutung. Unser Autor Robert definiert den Begriff wie folgt: „Als „kognitive Dissonanz“ bezeichnen Psychologen die Spannung, die entsteht, wenn man gleichzeitig zwei einander wiedersprechende Vorstellungen im Kopf hat.“

Gehirn
Gehirn

Die Dissonanztheorie besagt, dass unser Geist bewusst oder unbewusst eine der beiden konkurrierenden Informationen verändert. Aufgrund dieser Fähigkeit sind wir, während wir ein Stück Kuchen verzehren, in der Lage unserem Gegenüber zu erzählen, dass wir zurzeit ja gar keinen Kuchen essen und dieses kleine Stückchen vor uns eine absolute Ausnahme sei. Das Stück Kuchen vor uns wird von uns einfach „bewusst oder unbewusst“ ignoriert, weil wir wissen, dass wir es zurzeit gar nicht essen „wollen“.

Die Sache mit dem Geld

Erinnerst Du Dich?: Ein Teil der Probanden hatte 1 Dollar und ein anderer Teil 20 Dollar für ihre positive Schilderung des Experiments erhalten. Warum entschieden sich die Probanden durchweg das Experiment in ihrer Erinnerung zu verbessern und nicht das andere Bild zu korrigieren? Und warum veränderten jene, die weniger Geld erhalten hatten ihre Wahrnehmung stärker? Nun diese waren einer stärkeren kognitiven Dissonanz ausgeliefert als ihre besser bezahlten „Kollegen“. Wer einen Dollar erhalten hatte, konnte sich gegenüber nicht rechtfertigen, dass sie für einen mickrigen Dollar gelogen hatte. Also hatte er keine andere Wahl, als selbst an die kleine Lüge zu glauben um ein stimmiges positives Bild seiner Selbst zu erlangen.

Ich für meinen Teil grüble schon die ganze Zeit darüber nach in welchen Fällen ich der kognitiven Dissonanz erliege. Aber so sehr ich mich bemühe fallen mir nur Fälle ein, bei denen Menschen die ich kenne der kognitiven Dissonanz erliegen. Jetzt frage ich mich, ob man kognitive Dissonanz bei sich selbst überhaupt erkennen kann, oder ob die eigene Selbsttäuschung das verhindert. Was meinst Du? Kannst Du Dich an eigene kognitive Dissonanz Momente erinnern?