2.7 min readPublished On: 25. August 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du warum die Augen von Menschen weiß sind?

Ich kann das Weiße in Deinem Auge sehen.

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, bei dem das Weiß im Auge immer sichtbar ist? Ich habe das noch nie bewusst wahrgenommen und fand die Aussage so irritierend, dass ich erst einmal eine Reihe von Augen im Internet anschauen musste, um das zu glauben. Tatsächlich habe ich kein tierisches Auge gefunden, bei dem das Weiß im Auge bei einem normalen Blick sichtbar war. Ich habe lediglich zwei Ausnahmen gefunden:

  • das Hundeauge,
  • das Pferdeauge.

In beiden Fällen half es, das Weiß im Auge zu erkennen, weil die Tiere Angst hatten. Auch beim menschlichen Auge kann das Weiß im Auge Emotionen sichtbar machen. Sehen wir wenig Weiß im Auge unseres Gegenübers, dann ist die Chance hoch, dass er wütend ist und daher die Augen zusammenkneift. Sehen wir viel Weiß, ist unser Gegenüber wahrscheinlich erstaunt und reißt daher die Augen weit auf.

Folgen wir dem Autor

William von Hippel: Die Evolution des Miteinander. Ein Evolutionsforscher erklärt, wie soziale Kooperation den Aufstieg der Menschheit ermöglichte,

dann kann das Weiß im Auge des Menschen mehr als nur Emotionen zeigen. Und genau das schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Diese Frucht gehört mir

Du siehst nicht was ich sehe.

Laut unserem Autor haben Schimpansen keine weiße, sondern eine braune Lederhaut, die das Auge umgibt. Dank der braunen Lederhaut können Schimpansen Beute ins Auge fassen, ohne dass es die Beute und der Rest der Affenbande mitbekommen. In Sachen Nahrung herrscht unter Schimpansen ein harter Konkurrenzkampf.  Ein schwacher Schimpanse, der Hunger hat und etwas Leckeres zu Essen entdeckt, hat keine Lust darauf, dass ein stärkerer Schimpanse das mitbekommt. Denn dann wäre die Gefahr groß, dass sich andere Schimpanse den Leckerbissen sichert.

Schau mal da ist Beute

Beim Menschen verrät die weiße Lederhaut die Blickrichtung des Auges. Das bedeutet, dass andere Menschen ohne Probleme sehen können, wohin das Gegenüber gerade schaut. Diese Eigenschaft des menschlichen Auges war nützlich, als wir noch Jäger und Sammler waren und gemeinsam auf Jagd gingen. Wenn ein Mensch einen schmackhaften Büffel entdeckte, konnte er diesen unmöglich allein erlegen. Er konnte auch nicht einfach laut nach anderen Menschen rufen, damit sie ihm bei der Jagd halfen. Schließlich hätte der Lärm den Büffel zum Angriff oder in die Flucht getrieben.

Dank der weißen Lederhaut können Menschen bei der Jagd den Angriff koordinieren, ohne sich mit Hilfe von Geräuschen oder schnellen auffälligen Bewegungen zu verständigen. Ein Blick in die Richtung des Büffels verrät den anderen Jägern, wo das Tier ist und ermöglicht so den gemeinsamen Angriff. Laut unseres Autors hat sich die weiße Lederhaut beim Menschen entwickelt, weil es in der Regel mehr Vorteile brachte, mit anderen Menschen zu kooperieren, als mit ihnen zu konkurrieren.

Fazit

Der Mensch zeigt seine weiße Lederhaut, damit er besser mit anderen Menschen zusammenarbeiten kann. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich sehe das menschliche Auge jetzt mit ganz anderen Augen.