3.7 min readPublished On: 30. Juni 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Apophänie bedeutet?

Die Wolke sieht doch aus wie ein Schaf, oder?

Wenn ich eines liebe, dann sind es Autoren, die nicht einfach mit Fremdworten wie Apophänie um sich werfen, sondern sie auch gleich erklären. Bei diesen Autoren kann ich mich fallen lassen, und das Lesen genießen, weil die Bücher sich leicht konsumieren lassen. So taucht bei

Christian Ankowitsch: Warum Einstein niemals Socken trug. Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst 

der Begriff Apophänie auf, und unser Autor verrät uns, dass dieses Wort die Gabe des Menschen beschreibt,

„die Welt zu entschlüsseln und ihr eine Bedeutung unterzuschieben“ S. 137.

Was er damit meint ist die Fähigkeit des Menschen, in allen möglichen Dingen Muster zu erkennen. So mutiert eine Wolke, die wir lange genug anschauen, nicht selten zu einer Maus, einem Drachen, einem Schaf oder irgendetwas anderem. Seitdem ich sketchnote habe ich ständig apophänische Momente, weil es beim Sketchnoten „normal“ ist, toten Dingen mit Hilfe eines Gesichtes oder Figuren Leben einzuhauchen. Hier eine kleine Auswahl dieser Momente:

  • Ein Baum scheint mich anzuschauen, weil abgesägte Äste zu Augen mutieren und eine Wölbung unter den Ästen wie ein Mund aussieht.
  • Fast jedes Auto scheint ein Gesicht zu haben bei dem die Scheinwerfer die Augen und der Kühlergrill oder das Nummernschild der Mund ist.
  • Selbst der Deckel eines frisch geöffneten Senfbechers hat ab und an auf seiner Unterseite ein Gesicht bei dem der Senf am Deckel zu Augen, Mund und Nase mutiert.

Dank unseres Autors weiß ich nun, dass unsere Fähigkeit, Muster zu erkennen, Apophänie heißt. Ich verstehe allerdings nicht, warum dieses Phänomen Apophänie und nicht Muster-Phänomen heißt. Und genau dieser Frage möchte ich nun gemeinsam mit Dir und der Hilfe des Internets nachgehen.

Warum heißt das beschriebene Phänomen Apophänie?

Ich sehe den Zusammenhang nicht.

Zu meiner großen Freude beantwortet die Biologie Seite die Frage ohne große Umschweife. Hier steht, dass wir diesen Begriff dem Psychiater Klaus Conrad verdanken, der 1958 die Apophänie als

„grundloses Sehen von Verbindungen, begleitet von der besonderen Empfindung einer abnormen Bedeutsamkeit“

definierte. Weiter lesen wir dort, dass sich Apophänie aus den griechischen Worten

  • apó =von
  • phainein = zeigen

zusammensetzt. Da es mir schwer fällt, mir aus dieser Herleitung einen Reim zu machen, habe ich eine weitere Quelle befragt und herausgefunden, dass sich Apophänie laut Wikipedia vom altgriechischen Wort

  • apophaínein = zeigen, erscheinen, verwirklichen

ableitet. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mit dieser Ableitung kann ich mehr anfangen, weil die Apophänie Muster erscheinen lässt.

Warum sehen Menschen Muster in Wolken und sonstwo?

Wenn wir uns heute auf eine grüne Wiese legen und Wolken-Raten spielen, ist dies ein amüsanter Zeitvertreib. Doch wenn ich mich nicht irre, war diese Fähigkeit, Muster zu erkennen, in früheren Zeiten, z. B. in der Steinzeit, deutlich mehr als nur ein lustiger Zeitvertreib. Damals konnte die Fähigkeit, Muster zu erkennen, Leben retten. Ein Steinzeitmensch, der dank seiner Fähigkeit, ein Muster zu sehen, einen im trockenen Gras gut getarnten Fressfeind zu entdecken, überlebte mit höherer Wahrscheinlichkeit als ein Mensch, der dieses Muster nicht erkannte. Wir sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nachfahren jener Menschen, die gut im Muster-Erkennen waren, während jene, die es nicht waren, als Snack eines gut getarnten Fressfeindes endeten und sich nicht fortpflanzen konnten.

Apophänie – Fluch oder Segen?

Bei meiner Recherche zum Begriff bin ich über zwei Extreme der Apophänie gestolpert.

  • Das eine Extrem beschreibt die Apophänie als Fluch, weil Menschen bedrohliche Muster erkennen, die ihre Lebensqualität erheblich einschränken.
  • Das andere Extrem beschreibt die Apophänie als Segen, weil Menschen Muster erkennen können, die sie zu Ideen und Lösungen inspirieren. So dient die Apophänie einigen Künstler als Inspirationsquelle für ihre  kreativen Werke.

Fazit

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Wissen sich hinter Dingen verbirgt, die wir eigentlich schon verstanden haben. Während ich vor wenigen Minuten nur wissen wollte, warum ein so einfaches Phänomen mit einem so komplizierten Begriff beschrieben wird, habe ich bei meiner Recherche viel mehr als nur diese Antwort gefunden.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Welcher Begriff ist Dir in letzter Zeit begegnet hinter dem viel mehr steckte, als Du auf den ersten Blick vermutet hattest.