5,6 min readPublished On: 5. April 2022By Tags: , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was das State-Trait-Angstinventar ist?

Juhu, ein entspannter Arbeitstag.

Stell Dir vor, Du hast einen sehr entspannten Arbeitstag vor Dir. Du hast 3 Dinge auf dem Zettel, die Du erledigen möchtest, und 8 Stunden reichen dafür locker aus. Du gehst ins Büro, setzt Dich an Deinen Schreibtisch und beginnst in tiefer Ruhe und Entspanntheit die Bearbeitung der ersten Aufgabe.

Plötzlich reißt Dein Chef die Tür auf. Der Kunde, den Dein Unternehmen schon immer gewinnen wollte, hat sich bei Euch gemeldet und möchte mit Euch zusammenarbeiten. Er wird in einer Stunde bei Euch im Büro sein und macht es von einer von Dir gehaltenen Präsentation abhängig, ob er Euer Kunde wird oder nicht.

Wie geht es Dir bei dieser Vorstellung? Empfindest Du Angst, Verzweiflung, Überforderung und Hilflosigkeit, oder bist Du freudig erregt. lässt für diese einmalige Chance gern alles stehen und liegen und bist Dir sicher, dass Du den Kunden gewinnen wirst?

Wenn Du bei der Vorstellung Angst und Panik empfindest, bist Du wahrscheinlich ein linksseitiger Höchstleister (was das ist, schauen wir uns später an). Wenn Du dagegen freudig erregt bist, dann gehörst Du zu den rechtsseitigen Höchstleistern (schauen wir uns auch später an). Solltest Du emotional irgendwo dazwischen liegen, dann befindest Du dich zwischen diesen beiden Extremen.

Dieses kleine Beispiel zeigt, dass „Nicht alle Menschen […] auf dieselbe Art ihre Leistungsspitze [erreichen]. Das Maß an emotionaler Erregung, bei dem wir Höchstleistungen erbringen können, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich“ S. 26.

Dem State-Trait-Angstinventar bin ich in dem Buch von

Friederike Fabritius, Hans W. Hagemann: Neurohacks. Gehirngerecht und glücklicher arbeiten

begegnet. Diese Methode basiert auf 40 Fragen bzw. Aussagen, mit deren Hilfe analysiert werden kann, welche Art von Höchstleister ein Mensch ist, ohne dass er dabei in eine Stresssituation gebracht werden muss.

Wer hats erfunden?

Das State-Trait-Angstinventar – kurz der STAI-Test – wurde von Lothar Laux, Peter Glanzmann, Paul Schaffner und Charles Donald Spielberger entwickelt. Charles Donald Spielberger war klinischer Psychologe und gilt als Erfinder des State-Trait-Angstmodells, mit dem er 1970 zum ersten Mal an die Öffentlichkeit ging.

Für nur 87 € zuzüglich Mehrwertsteuer kann der Test inkl. Originaltest und Auswertung im Internet erworben werden. Diese Investition habe ich mir gespart. Wenn Du das Geld ausgeben willst, kannst Du den Test unter STAI – Das State-Trait-Angstinventar – Hogrefe Verlag (testzentrale.de) erwerben.

Was wird getestet?

Von unserem Autor erfahren wir, dass das State-Trait-Angstinventar ein Test ist, „mit dem festgestellt wird, bei welchem Maß an Erregung eine Person Höchstleistungen erbringt.“ S. 25

Getestet werden mit je 20 Fragen 2 Dinge:

  1. Die Trait-Ängstlichkeit – Angst als Wesenszug.
  2. Die State-Ängstlichkeit – momentane Angst.

Nach 20 Antworten kann ich Dir sagen wie Du bist.

Die Trait-Ängstlichkeit wird mit Aussagen wie „Ich werde schnell müde“ und „Ich bin glücklich“ abgefragt. In der deutschen Testversion, die ich online frei zugänglich gefunden habe, hat der Proband die Aufgabe, diese Aussagen auf einer acht Kästchen umfassenden Skala zu bewerten, die mit „fast nie“ beginnt und mit „fast“ endet.

Das Spannende an der Auswertung der Trait-Ängstlichkeit ist, dass sich mit ihrer Hilfe laut unserem Autor vorhersagen lässt, ob ein Mensch mit Höchstleistung oder Verzweiflung auf extreme Stresssituationen reagieren wird. Mit dem Test der State-Ängstlichkeit lässt sich herausfinden, in welchem Angstzustand sich jemand momentan befindet. Die ausführliche Definition der State-Ängstlichkeit lautet:

„State-Angst wird als emotionale Stimmung aufgefasst, die durch Anspannung, Besorgtheit, Nervosität, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen gekennzeichnet ist und mit einer erhöhten Aktivität des autonomen Nervensystems einhergeht“ Microsoft Word – ANGTest_LangKurzNeu.DOC (univie.ac.at)

Was ist ein rechtsseitiger Höchstleister?

Unter Druck entstehen Diamanten.

Ein rechtsseitiger Höchstleister ist ein Mensch, der unter Druck zu Höchstleistungen aufläuft. Extreme Herausforderungen, die seine Kollegen für unmöglich halten, spornen ihn an, jetzt erst recht sein Bestes zu geben und die Herausforderung zu rocken.

Sobald massiver Druck entsteht, kann sich der rechtsseitige Höchstleister vollkommen auf seine Aufgabe konzentrieren und ihr mit kreativen Lösungen begegnen. Krisen lähmen ihn nicht, sondern spornen ihn an, sein Bestes zu geben und sie erfolgreich zu bewältigen. In einem Unternehmen haben rechtsseitige Höchstleister laut unserem Autor nicht selten einen Heldenstatus inne.

Was ist ein linksseitiger Höchstleister?

Der linksseitige Höchstleister ist das Gegenteil der rechtsseitigen Höchstleisters. Was den rechtsseitigen Höchstleister zur Höchstform auflaufen lässt, sorgt beim linksseitigen Höchstleister für Lähmung. Erheblicher Druck macht es ihm fast unmöglich, etwas zu leisten. Dafür wird ihm nicht schnell langweilig, und er vermag es, sich mit unglaublicher Ausdauer Themen zu widmen, die normale Menschen irgendwann gelangweilt beiseitelegen würden.

Linksseitige Höchstleister haben aufgrund ihrer Engelsgeduld und ihres Durchhaltevermögens die besten Voraussetzungen, um Schriftsteller oder Nobelpreisträger zu werden.

Fazit

Ich liebe diesen Job.

Ich möchte in einer Welt leben, in der jeder Mensch den Job hat, der perfekt zu ihm passt. Das Wissen über rechtsseitige und linksseitige Höchstleister hilft mir zu verstehen, dass der perfekte Job für jeden Menschen unterschiedlich aussehen kann. Ein Unternehmen, das klare Abläufe und Regeln hat, ist für den einen Mitarbeiter ein Traum und für den anderen der ultimative Horror.

Mir hilft das Wissen, das ich in meiner heutigen Recherche gewonnen habe, in der Zusammenarbeit mit meinen Kollegen. Bis jetzt hat es mich manchmal fast in den Wahnsinn getrieben, wenn ein Kollege immer dann für Chaos sorgt, wenn Prozesse gerade reibungslos zu laufen beginnen. Heute habe ich gelernt, dass er es nicht böse meint, sondern wahrscheinlich ein rechtsseitiger Höchstleister ist, der den Druck braucht, der durch das Chaos entsteht, um Höchstleistungen für unser Unternehmen bringen zu können.

Das Verhalten meines Kollegen treibt mich ab und an in den Wahnsinn, was meiner Einschätzung nach darauf hindeutet, dass ich ein linksseitiger Höchstleister sein könnte. Doch ehrlich gesagt, ist das Verhalten meines Kollegen auch irgendwie großartig, da es dafür sorgt, dass wir uns immer wieder neuen Herausforderungen stellen und über uns hinauswachsen können. Mein Verhalten dagegen sorgt für gewisse finanzielle Stabilität und Zuverlässigkeit und für Reaktionsgeschwindigkeit bei unseren Bestandskunden. Ich empfinde es daher als Bereicherung, mit jemandem zusammenarbeiten zu können, der in Sachen Höchstleistung ganz anders funktioniert als ich.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Empfindest Du Dich eher als rechtsseitiger oder als linksseitiger Höchstleister? Und wie ist es mit Deinen Teammitgliedern?