Weißt Du was ein Bücherhotel ist?

_Geschätzte 6 Minuten Lesezeit

Strand, Schatten und ein Buch. Der perfekte Urlaub.

Hand aufs Herz, wie viele Bücher nimmst Du mit, wenn Du in den Urlaub fährst? Für mich ist ein Urlaub ohne Buch unvorstellbar, also habe ich immer mindestens 10 Stück dabei. Einigen Menschen, die ich kenne, geht es genauso. Zu ihrer großen Freude gibt es E-Books, die es ihnen nicht nur ermöglichen, eine ganze Bibliothek mit in den Urlaub zu nehmen, sondern sogar gleich einen ganzen Bücherladen beherbergen, in dem auch im Urlaub nach Lust und Laune geshoppt werden kann. Dank Digitalisierung ist das Gewicht einer Bibliothek auf weniger als 500 Gramm zusammengeschrumpft und passt damit bequem in jedes Reisegepäck.

Obwohl ich ein gigantischer Fan der Digitalisierung bin, werde ich mit E-Books einfach nicht warm. Ich brauche echte Bücher. Echte Bücher, die in einem Regal stehen. Echte Bücher, deren Seiten ich mit kleinen Klebezettelchen zieren kann. Echte Bücher, die es mir ermöglichen, schnell ein paar Seiten hin und her zu blättern und zwei Seiten miteinander zu vergleichen.

Doch diese echten Bücher sind schwer. Besonders auf Reisen kann das zu einer echten Herausforderung werden. Über die Jahre habe ich meine Taktik des Büchertransportes perfektioniert. Statt die schweren Bücher in meinen Koffer zu legen, wo sie schnell dafür sorgen, dass ich die Schwelle des erlaubten Gewichts überschreite, stapele ich sie elegant in meinem Board-Gepäck. So habe ich auch schon auf dem Flug den Genuss des Lesens.

Dank

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habe ich gerade gelernt, dass ich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, der Massen an Büchern mit in den Urlaub schleppt. Offensichtlich gibt es so viele von uns Verrückten, sodass sogar die Hotelbranche auf uns aufmerksam geworden ist und für uns eine eigene Hotel-Art erfunden hat, von der ich Dir heute erzählen möchte.

Das Library Hotel in New York

Unsere Autoren berichten in ihrem Buch völlig begeistert vom Library Hotel in New York, in dem jedes Stockwerk einer Fachrichtung wie zum Beispiel der

ZU jedem Thema wurden Bücher geschrieben.
  • Sozialwissenschaften
  • Mathematik und Naturwissenschaften
  • Technologie
  • Künste
  • Literatur
  • Geschichte
  • Allgemeinwissen
  • Philosophie
  • Religion

gewidmet ist. Ganze 6.000 Bücher warten im Library Hotel, das über 60 Zimmer verfügt, auf Gäste.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich freute mich im ersten Monet unglaublich über das Wissen, dass es in New York ein Bücherhotel gibt. Im zweiten Moment dachte ich: schade, dass New York nicht mehr auf meiner Reiseliste steht. Die nächste Frage lautete: Das Buch unserer Autoren ist aus 2005, vielleicht haben andere Hotelbesitzer den Trend aufgegriffen. Mal schauen, was das Internet sagt.

Eines von vielen auf der ganzen Welt

Bücherhotels haben die Welt erobert.

Zu meiner großen Freude ist das New Yorker Hotel nur eines von vielen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es nicht einmal das erste Hotel seiner Art war. Mein Bauchgefühl mit Daten zu belegen fällt mir allerdings schwer, weil ich keine Bücherhotelseite gefunden habe, die ihrer eigenen Geschichte genügend Raum gibt, diese Daten mit der Welt zu teilen. Auf der anderen Seite ist das vielleicht gar nicht schlecht, weil dies einen weiteren Anreiz setzt, ein solches Hotel beizeiten einmal aufzusuchen.

Zum Glück gibt es nicht nur Bücher, die über Bücherhotels berichten, sondern auch Zeitungen tun dies. Daher kann ich an dieser Stelle mit fünf deutschen Bücherhotels aufwarten:

  • Schloss Elmau, Bayern
  • Literaturhotel Friedenau, Berlin
  • Hotelkette Bibliotel, Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien
  • Hotel Wedina, Hamburg
  • Gutshotel Groß-Breesen, Mecklenburg-Vorpommern.
Zwei für eins ist ein genialer Deal.

Jedes dieser Hotels hat seine Besonderheiten. So bietet ein Hotel handsignierte Werke, die sich Gäste ausleihen können. Und ein anderes erlaubt seinen Gästen sogar eines seiner 300.000 Bücher mitzunehmen, wenn im Gegenzug dafür zwei Bücher dagelassen werden.

All diese Informationen lassen mein Herz vor Freude regelrecht hüpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich unter dem Wort „Bücherhotel“, mit etwas Zeit und einer fähigen Suchmaschine noch viel mehr Orte mit diesem Konzept auf der ganzen Welt entdecken werde. Doch vielleicht nutze ich im ersten Schritt die Gelegenheit und werfe einen Blick in das Literaturhotel Friedenau, das bei mir um die Ecke ist.

Fazit

Die Idee, Bücher und Hotels miteinander zu vereinen, finde ich genial. Richtig gut gemacht schenkt sie vielen Menschen die Gelegenheit, einmal in einer schönen Bibliothek zu sitzen, wie wir sie sonst nur aus Filmen kennen. Auch weniger imposant ausgestattete Bücherhotels schenken ihren Gästen neue Freiheiten. Die Vorstellung, alle Bücher zu Hause lassen zu können und mich in einem Hotel so richtig satt lesen zu können, finde ich einfach fantastisch.

Kaffee und Bücher sind genial zusammen.

Möglicherweise kann die Idee des Bücherhotels sogar eine Herausforderung lösen, unter der meines Wissens viele Verlage leiden. Jedes Jahr werden viele Bücher, die aufgrund mangelnder Nachfrage nicht verkauft werden können, zu Papier verarbeitet. Bücherhotels und Verlage könnten einen Kooperationsvertrag abschließen und diesem Prozess ein Ende setzen. Auf diese Weise hätten die Bücher doch noch eine Chance, gelesen zu werden. An dieser Stelle könnten wir auch breiter denken. Warum sollte dieses Konzept nur auf Hotels beschränkt sein? Was ist mit Schulen, Cafés oder gar jenen Shoppingmalls, von denen einige in den letzten Jahren zunehmend an unvermieteten Geschäftsräumen leiden?

Sollten die Bücher auch hier nicht auf Anklang treffen, wäre eine nächste Stufe der Weiterverwertung denkbar. Ich erinnere mich noch eine Idee meines Vaters, der einmal ein altes Telefonbuch nutzte, um mit dessen Seiten seinen Flur zu tapezieren. Ich wette, dass Bücher, die keine Leser finden, in den Händen von Kreativen zu fantastischen Kunstwerken werden könnten.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir es in der Hand haben und die Bücherhotels nur der Anfang von etwas sind, was unsere Welt unendlich bereichern könnte. Was meinst Du?