Weißt Du, was ein Chancenblick ist? Oder: Was passiert, wenn Du Deine Ziele nicht erreichst?

Manchmal verändern Kleinigkeiten unser Leben. Eine solche Kleinigkeit war für mich eine Übung Namens „Schreibe einen Brief an dein zukünftiges Ich“. Im Rahmen der Übung schrieb mein zukünftiges Ich einen Brief an mich und berichtete mir, wie mein Leben in drei Jahren aussieht und wie ich dahin gekommen bin. Um die Übung etwas spannender zu gestalten, hatte mein zukünftiges Ich ein Ziel erreicht, das aus meiner Sicht unerreichbar war: Es hatte einen TED-Talk in Kanada gehalten.

Liebes zukünftiges ich, …

Als ich das Ziel aufschrieb, war ich getrieben von der puren Neugier. Was ich damals völlig unterschätzte waren die „Risiken und Nebenwirkungen“ der Aktion. Denn die Übung bestand nicht nur darin, mir selbst einen Brief zu schreiben, sondern auch darin, mein Ziel überall (was meine Social Media Kanäle mit einschloss) sichtbar zu machen. Genau das tat ich und dachte mir nicht so wahnsinnig viel dabei. Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, dass ich die Sache völlig unterschätzt hatte. Die Tatsache, dass mein Ziel für andere sichtbar war, führte dazu, dass Menschen mich darauf ansprachen. Das führte dann dazu, dass ich begann, das Ziel ernst zu nehmen und aktiv daran arbeitete, es wahr werden zu lassen.

Heute schreiben wir das Jahr 2024. Ich habe keinen TED-Talk in Kanada gehalten. Ja schlimmer noch: Ich möchte gar keinen TED-Talk mehr halten.

Was ist passiert?

Weil mich das Ziel 3 Jahre meines Lebens begleitet hat, und ich es öffentlich gemacht habe, habe ich in meinem Über Mich Text bereits die Gründe dargelegt, warum mir dieses Ziel nicht mehr so wichtig ist. Kurz gefasst: 2019 war die TED-Bühne in meinen Augen der ultimative Ort, um Menschen zu inspirieren. Genau deshalb wollte ich auf der Bühne stehen. Was ich damals nicht auf dem Zettel hatte, war, dass ein Blog in der Lage ist, dasselbe zu tun. Aus genau diesem Grund konnte ich das TED-Ziel 2021 auch loslassen, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Blog mit über 400 Blogbeiträgen, der Menschen inspirierte.

Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Doch obwohl ich längst einen Haken an mein TED-Ziel gemacht habe, werde ich noch immer darauf angesprochen. So bekam ich erst vor Kurzem eine Interviewanfrage von Franziska Panter zu dem Thema. Im Rahmen des Interviews hatte ich noch einmal die Gelegenheit zu reflektieren, was genau geschehen war.

In Sachen TED-Talk bin ich völlig im Reinen mit mir. Für mich ist das nicht erreichen des Ziels kein Scheitern, sondern ehrr eine große Erleichterung. Es ist ein Ding auf meiner Bucket-List (Dinge, die ich vor meinem Tod machen möchte) weniger. Bis jetzt habe ich mich mit dieser Art der Wahrnehmung etwas allein gefühlt. Doch nun bin ich bei

Simone Gerwers: Mutausbruch. Das Ende der Angstkultur

über den Chancenblick gestolpert, der exakt das beschreibt, was mir passiert ist.

Was ist der Chancenblick?

In ihrem Buch beschreibt unsere Autorin die „normale“ Reaktion auf das Scheitern bei einem Ziel:

„An einem Punkt zu erkennen, dass es Zeit ist, loszulassen und etwas anderes auszuprobieren, ist für viele Menschen undenkbar. Deshalb unterliegen sie der Machbarkeitsfalle. Aufgeben? Niemals! Ziele sind da, um sie zu erreichen. Erfolgreiche Menschen geben nicht auf.“

S. 37.
Strichmännchen hält eine Checkliste in die Höhe
Warte, der Blog ist viel mehr, als TED je gewesen wäre.

In ihren Augen ist dieses überall propagandierte Nicht-Loslassen-Wollen von Zielen ein behindernder Glaubenssatz. Simone bezeichnet die Aufgabe eines nicht erreichbaren Ziels als mutig und sieht darin eine lebensnotwendige Change-Kompetenz. Sie schreibt:

„Wer Unveränderliches akzeptieren kann, geht nachweislich gestärkt aus Krisen hervor. Eine Haltung von Akzeptanz könnte man so beschreiben: »Ja, es ist geschehen, was mache ich jetzt daraus?«“

S. 38.

Fazit

Dieser Chancenblick ist genau die Art, wie ich mit meinem Scheitern umgegangen bin. Ich habe akzeptiert, dass die durch eine Pandemie erschütterte Welt von 2022 ganz anders mit Menschen in engen Räumen umgeht als die Vor-Pandemie Welt 2019. Ich habe für mich beschlossen, dass 2022 definitiv nicht das Jahr sein würde, in dem ich vor Menschen auf einer Bühne stehen wollte, um sie zu inspirieren. Ich habe für mich beschlossen, dass es okay ist, dieses Ziel loszulassen. Ich habe begriffen, dass ich mit meinem Blog das eigentliche Ziel (Menschen inspirieren), das hinter meinem TED-Ziel stand, erreicht habe.

Was aber noch wichtiger ist: Ich habe nun endlich eine Methode gefunden, mit der ich mich von veralteten Zielen befreien kann. So geistert in meinem Kopf noch immer das Ziel aus meiner Kindheit herum, ein Buch zu schreiben. Mein Großvater väterlicherseits, den ich nicht wirklich kannte, war ein erfolgreicher Schriftsteller. Meine Eltern haben gemeinsam ein Buch veröffentlicht. Ein Buch von mir würde damit perfekt in die „Familien-Tradition“ passen. Da ich keine Nachkommen habe und das einzige Kind meiner Eltern bin (meine Geschwister haben andere Väter oder Mütter), macht das Verfolgen des Ziels keinen Sinn, da ich definitiv die Letzte in dieser Ahnenreihe bin. Dennoch verfolgt mich dieses Ziel, und daher habe ich es vor Kurzem auf meinem Über Mich Text veröffentlicht. Wenn ich das Ziel 2026 erreiche, freue ich mich wie ein Kullerkeks. Wenn ich es nicht erreiche, kann ich es endlich von meiner Bucket-Liste streichen.

An dieser Stelle bin ich wie immer neugierig: Wie gehst Du mit Zielen um? Setzt Du Dir Ziele? Hältst Du an Deinen Zielen fest, oder ist Loslassen für Dich eine Option?

5. Juni 2024
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Buchcover Simone Gerwers: Mutausbruch: Das Ende der Angstkultur
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