3,1 min readPublished On: 31. August 2022By Tags: , , , Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du, was ein Dispens ist?

Hallo, ich bin June.

Heute bin ich wieder einmal über eine kleine Geschichte gestolpert, bei der ein einziges mir unbekanntes Wort verhindert, dass ich sie verstehe. Die Hauptrolle der kleinen Geschichte hat June Marino. June war in der Aufbauphase von McDonalds Sekretärin bei McDonalds. Das ist jetzt nicht sehr ungewöhnlich, weil zu dieser Zeit viele Frauen Sekretärinnen waren. Ungewöhnlich ist jedoch, dass June in den Besitz von 10 % der McDonalds Anteile gelangte. Diese Anteile verdankte June, so beschreibt es der Autor

John F. Love: Die McDonald’s Story

ihrer „Fähigkeit mit Menschen umzugehen und die Firma >>zusammenzuhalten<<“ S. 99.

Als Beispiel für diese Fähigkeit führt er die folgende Geschichte an: In der Aufbauphase bestellte June eine Platte mit Wurstbroten, um die Mitarbeiter in einer Konferenz zu verpflegen. Bei der Lieferung der Platte wurde ihr bewusst, dass Freitag war und dass in der Konferenz viele strenggläubige Katholiken saßen.

„Da sich das McDonalds zu dieser Zeit nicht leisten konnte, irgendetwas zu verschwenden, holte sie sich einen Dispens von den ranghöchsten örtlichen Kirchenvertretern.“

Freitags braucht Wurst einen Dispens.

Da ich nicht weiß was ein Dispens ist, habe ich auch keine Ahnung, warum strenggläubige Katholiken freitags einen Dispens für eine Wurstplatte brauchen. Daher hoffe ich nun inständig, dass unser Lexikon uns die Informationen liefen kann, die diesen Satz mit Sinn füllen.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute wieder einen passenden Eintrag für uns bereit:

„Dispens, der; -es, -e (österr. U. im kath. Kirchenrecht nur:) die; -, -en [mlat. Dispensa, zu lat. dispensare, ↑dispensieren]: (bes. im katholischen Kirchenrecht) Befreiung von einer allgemein geltenden Vorschrift für einen jeweiligen Einzelfall.“

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 17, S. 512.

Okay, ein Dispens ist also die Befreiung von einer Vorschrift. Warte mal, meine grauen Zellen sagen mir, dass es früher üblich war, dass freitags kein Fleisch sondern Fisch gegessen wurde. Demnach dürften strenggläubige Katholiken freitags wohl auch keine Wurst essen. Lass uns doch mal schauen, was das Internet dazu sagt.

Was das Internet sagt

Freitags nur Fisch.

Passenderweise habe ich die Antwort auf diese Frage auf der Webseite eines Unternehmens gefunden, das Fisch verkauft. Hier erfahren wir, dass Jesus an einem Freitag starb. Strenggläubige Katholiken gedenken daher jeden Freitag seinem Tod, indem sie fasten. Fasten bedeutet nun nicht, dass sie freitags nichts essen, sondern dass freitags kein Fleisch gegessen wird. Darüber habe ich hier nun endlich auch erfahren, warum manche Christen einen Fisch-Aufkleber am Auto haben: Der Fisch ist ein Symbol für die frühen Christen, da die Anfangsbuchstaben des christlichen Glaubensbekenntnisses das griechische Wort für Fisch (Ichtys) bilden:

  • I = Jesus
  • CH = Christus
  • TH = Theos (Gott)
  • Y = Hyios (Sohn)
  • S = Soter (Erlöser)

Fazit

Dank unserer Recherche wissen wir nun, dass June erst als sie die Wurstplatte sah realisierte, dass die Katholiken auf der Konferenz die Brote nicht essen würden, weil sie damit gegen die Vorschrift verstoßen würden, am Freitag zu Fasten. Also organisierte June eine Erlaubnis von ranghöchsten Kirchenvertreter in ihrer Nähe, damit die Brote nicht in den Müll wanderten.

Ist es nicht wieder einmal erstaunlich, wieviel Wissen in einem solchen Begriff steckt? Welch eine große Bedeutung dieses scheinbar nebensächliches Wissen haben kann, beweist die heutige Geschichte von June. Ohne dieses Wissen – und sicherlich andere Fähigkeiten – hätte sie wohl niemals 10 % der McDonalds-Anteile erhalten.