3.9 min readPublished On: 17. August 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was ein Firnis ist?

Was mag ein Firnis sein?

Obwohl ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, was es mit diesem Begriff auf sich hat, kommt er mir unglaublich bekannt vor. Wenn ich Firnis höre, denke ich sofort an die Geschichten aus alten Büchern, in denen die Menschen Dinge verwenden, die es heute nicht mehr gibt. Dank dem Autor von

Iain Hutton-Jamieson: Zeichnen mit Buntstiften. Einführung in die Grundlagen,

bin ich mir allerdings jetzt schon sicher, dass mich mein Bauchgefühl hinters Licht führt. Denn das Buch enthält keine Geschichte aus lange vergangenen Zeiten, sondern lauter Techniken und Tipps, die einem helfen, beim Zeichnen mit Buntstiften, bessere Ergebnisse zu erzielen. Über unseren heutigen Begriff bin ich in folgendem Satz gestolpert:

„Das Aufhellen oder Höhen ist eine Technik der Oberflächenbehandlung, die eingesetzt wird, um einer Arbeit zusätzliche Farbigkeit und den Effekt eines Firnis zu geben.“

S. 143.

Wir wissen dank unseres Autors, dass ein Firnis etwas ist, das wir sehen können. Was genau wir da sehen, wird uns nun hoffentlich unser Lexikon verraten.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Freude hält unser Lexikon auch heute wieder einen Eintrag für uns bereit:

Firnis, Sammelbegriff für nicht pigmentierter Anstrichstoffe aus trocknenden Ölen oder Harzlösungen (z. B. Leinöl-F., Hartz -F.) mit Sikkativen. Die wichtigen Öl -F. dienen als Bindemittel für Ölfarben und Grundierungsmittel, Lack-F. Enthalten außer dem Öl noch Natur- oder Kunstharze, ölfreie F. auf der Basis von Naturharzen dienen zum Überziehen von Gemälden (Gemälde -F.).

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 04, S. 564.

Ein Firnis kann mit einem Pinsel aufgetragen werden.

Ein Firnis ist also kein richtiger Gegenstand, sondern ein Stoff, der beim Arbeiten mit Ölfarben verwendet wird. Dank unseres Lexikoneintrags wissen wir nun, dass ein Firnis unter anderem dazu dient, ein Ölgemälde zu überziehen. Da ich noch nie mit Ölfarben gearbeitet habe, ist mir an dieser Stelle allerdings noch nicht ganz klar, warum ein Ölgemälde mit einem Firnis überzogen wird. Doch zum Glück gibt es das Internet, das uns diese Frage nun hoffentlich beantworten wird.

Was das Internet sagt

In Sachen Wissen rund ums Zeichnen und Malen ist YouTube eine Goldgrube. Ohne lange Recherche bin ich auf dieses Video gestoßen, das uns nicht nur verrät, warum ein Ölgemälde mit einem Firnis überzogen wird, sondern uns zudem noch zeigt, wie genau ein Firnis aufgetragen wird.

Ein Firnis behebt das Problem, dass Ölfarben im ausgetrockneten Zustand oft heller und matter wirken als im nassen Zustand. Um die dunklen Farben zurückzubekommen arbeitet der Künstler in unserem Video mit einem Firnis. Da Ölfarbe lange braucht, um zu trocknen, wartet unser Künstler geschlagene 6 Monate, um seine Gemälde mit einem Firnis zu bearbeiten. In unserem Video ist sehr schön zu sehen, wie der frisch aufgetragene Firnis binnen Sekunden das stumpf und blass wirkende Bild in ein Bild mit satten und lebendigen Farben verwandelt, das so ausschaut, als hätte der Künstler den Pinsel gerade erst abgesetzt.

Fazit

Schauen wir uns mit unserem neuen Wissen noch einmal den Satz unseres Autors an, um zu verstehen, warum er das Wort Firnis nutzt, obwohl er ein Buch über Buntstifte und keines über Ölfarben geschrieben hat:

„Das Aufhellen oder Höhen ist eine Technik der Oberflächenbehandlung, die eingesetzt wird, um einer Arbeit zusätzliche Farbigkeit und den Effekt eines Firnis zu geben.“ S. 143.

Bild, Kunstwerk

Ein Bild mit Finis Finish.

Beim Aufhellen nehmen wir einen weißen Buntstift und malen damit über das eigentlich schon fertige Bild. Da Buntstifte nicht sehr deckungsstark sind, wird das Bild dadurch nicht weiß, sondern nur etwas heller. Mit dem weißen Buntstift werden die Farbpigmente der bereits aufgetragenen Buntstifte stärker in das Papier eingerieben. Durch dieses Verfahren verschwinden die einzelnen Striche des Buntstiftes, und es entsteht eine glänzendere Farbfläche, die tatsächlich ein wenig an die Oberfläche eines Ölgemäldes erinnert.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe heute eine Menge gelernt. Endlich weiß ich, warum Ölgemälde, die seit vielen Jahrzehnten in Museen hängen, so ausschauen, als seien sie gerade erst entstanden. Mit diesem Wissen freue ich mich nun sehr darauf, bei meinem nächsten Museumsbesuch die Ölgemälde etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Am Ende dieses Besuches werde ich dann hoffentlich wissen, ob alle Künstler, die mit Ölfarben arbeiten, mit Firnissen arbeiten, oder ob es auch Künstler gibt, die auf diese Technik verzichten.