3.3 min readPublished On: 18. August 2021By Categories: Bücher, Wissen

Weißt Du was Serenität bedeutet?

Jetzt habe ich viel mehr Zeit als früher.

Dieser Begriff ist mir mit ziemlicher Sicherheit noch nie begegnet. Tatsächlich bin ich heute sehr gespannt, ob es diesen Begriff überhaupt gibt, oder ob das Lektorat bei diesem Satz

„Die Flitterwochen hören vorzeitig zu flittern auf; bei der Ankunft in der fernen exotischen Stadt versucht uns der Taxichauffeur übers Ohr zu hauen; die erfolgreiche Ablegung der entscheidenden Prüfungen bewirkt wenig mehr als das Hereinbrechen zusätzlicher, unerwarteter Komplikationen und Verantwortungen; und mit der Serenität des Lebensabends nach der Pensionierung ist es bekanntlich auch nicht so weit her.“

in dem Buch

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, S. 66,

einfach einen Tippfehler übersehen hat und in Wirklichkeit Seniorität statt Serenität da stehen müsste. Zum Glück gibt es ein Lexikon, das uns diese Frage heute hoffentlich beantworten wird.

Was das Lexikon sagt

Zu meiner großen Überraschung hält unser Lexikon heute keinen Eintrag für uns bereit. An der Stelle, wo sich nach meinem Empfinden Serenität befinden müsste, bin ich nur auf die Begriffe Sère, Seren und Serenade gestoßen:

Sère [älter ital. sère <lat. senior, ­senior](veraltet): höfliche, auf eine männliche Person bezogene Anrede in Italien.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2108.

 

Seren: Pl. von ­Serum. Das Zeit Lexikon.

Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2108.

 

Serenade, die; -, -n [frz. sérénade <ital. serenata, zu: sereno <lat. serenus = heiter; In der Bed. beeinflusst von ital. sera = Abend): 1. (Musik) aus einer lockeren Folge von oft fünf bis sieben Einzelsätzen (bes. Tanzsätzen) bestehende Komposition für [kleines] Orchester: eine S. für Streicher. 2. Konzertveranstaltung [im Freien], auf deren Programm bes. Serenaden (1) stehen.

Das Zeit Lexikon. Mit dem Besten aus der Zeit, Band 19, S. 2108.

Obwohl keiner der drei Begriffe in unserem Satz vorkommt, würden zwei von ihnen in dem Satz unseres Autors Sinn ergeben.

Das wird großartig.

Unser Autor möchte uns mit seinem Satz offenbar sagen, dass unerreichte Ziele viel schöner sind, als erreichte Ziele und listet eine Reihe von Dingen auf, die in Wirklichkeit weniger schön sind als in unserer Vorstellung. Wenn ich mir die Lexikoneinträge anschaue, könnte unser Autor (unter der Annahme, dass hier wirklich ein Tippfehler vorliegt) sowohl Sère als auch Serenade meinen. Entweder möchte er uns sagen, dass

  1. die Herren der Schöpfung nach Ihrer Pensionierung enttäuscht sind,
  2. der heiter vorgestellte Lebensabend in Wirklichkeit nicht hält war er verspricht.

Lass uns an dieser Stelle das Internet zu Rate ziehen, damit wir herausfinden, ob es den Begriff wirklich nicht gibt.

Was das Internet sagt

Am heutigen Tag rettet die Duden.de Seite die Ehre unseres Autors, indem sie uns verrät, dass es den Begriff Serenität gibt:

Serenität – Heiterkeit, Aufgeräumtheit, Ausgelassenheit, Beschwingtheit

Nun wissen wir also endlich, dass unser Autor uns sagen möchte, dass unsere Vorstellung von einem heiteren, aufgeräumten, ausgelassenen und beschwingten Lebensabend nach der Pensionierung ein schöner Traum ist, der der Realität nicht Stand hält.

Fazit

Ein Leben ohne Internet?

An Tagen wie heute frage ich mich, wie ein Leben ohne Internet möglich war. Natürlich erinnere ich mich daran, dass ich in meinem Studium viele Stunden in Bibliotheken zugebracht habe und etliche Bücher durch die Gegend schleppte. Doch irgendwie habe ich verdrängt, dass selbst einfaches Wissen, wie z. B. die Antwort auf unsere heutige Frage, ab und an den Besuch einer Bibliothek erfordert hätte. Daher nutze ich die Gelegenheit und bedanke mich bei allen Menschen, die ihr Wissen im Internet teilen. Dank Eurer Hilfe ist ein Projekt wie dieser Blog überhaupt erst möglich.

Und nun zurück zu unserem Begriff. Auch wenn ich aufgrund seines Klangs und seiner Bedeutung eine tiefe Sympathie für den Begriff Serenität empfinde, wird er es nicht in meinen aktiven Wortschatz schaffen, weil er, wie wir heute gesehen haben, ziemlich viel Verwirrung stiften kann.